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Spionageprozess: SAP will Oracle Wind aus den Segeln nehmen

31.10.2010 | 16:29 Uhr |

SAP will seinen Prozess um angebliche Industriespionage schnell über die Bühne bringen, um seinem Widersacher Oracle weniger Zeit für verbale Attacken zu geben. Nur die Schadenshöhe soll noch geklärt werden - aber da gehen die Vorstellungen weit auseinander.

Unmittelbar vor Beginn des Industriespionageprozesses gegen SAP ändert Europas größter Softwarehersteller seine Verteidigungsstrategie. Die Walldorfer nehmen nun unwidersprochen den Vorwurf des Klägers Oracle hin, das Konzernmanagement habe von unlauteren Datenabrufen einer US- Tochterfirma gewusst. Die Verantwortung hatte SAP als Mutterfirma ohnehin längst übernommen.

SAP will mit dem Schritt etwa die Frage, wie lange der Konzern von dem Vorgehen seiner Tochter TomorrowNow wusste, gänzlich aus dem Prozess ausklammern und ihn beschleunigen. Nach dem Willen der Deutschen soll nur noch die Höhe des entstandenen Schadens geklärt werden. Hier liegen die Vorstellungen der Seiten aber weit auseinander.

«Der Punkt ist, dass Oracle schlicht und einfach vorhat, das wochenlange Verfahren zu nutzen, um seine Wettbewerber zu schikanieren», begründete SAP-Anwalt Tharan Lanier in einem Schreiben an die zuständige Richterin Phyllis Hamilton den Sinneswandel. Sie gab dem Schritt in einer am Freitag bekanntgegebenen Entscheidung ihren Segen, lehnte es aber ab, den Anwälten beider Seiten einen Maulkorb zu verpassen.

SAP wolle Oracle weniger Gelegenheit für Angriffe gegen «Personen und Unternehmen bieten, die nicht einmal Beteiligte dieser Auseinandersetzung sind», erklärte Anwalt Lanier. Oracle hatte kürzlich überraschend angekündigt, auch den ehemaligen SAP-Chef und neuen HP-Lenker Leo Apotheker in den Zeugenstand rufen zu wollen.

Seit Monaten überzieht der für seine aufbrausende Art bekannte Oracle-Chef Larry Ellison sowohl SAP als auch den Computerkonzern HP mit bissigen Kommentaren. «In diesem Verfahren geht es um Urheberrechtsverletzungen», schrieb Lanier. Oracle wolle stattdessen einen «Medienzirkus» daraus machen, damit Ellison seine «Obsession» gegenüber dem Konkurrenten Hewlett-Packard (HP) ausleben könne.

Eine Oracle-Sprecherin verbuchte den SAP-Schritt indes als Sieg für sich. Dreieinhalb Jahre habe das SAP-Management eine Mitwisserschaft geleugnet. «Heute hat SAP schließlich zugegeben, dass sie schon die ganze Zeit von dem Diebstahl wussten.» Seit drei Jahren streiten sich SAP und Oracle um die Verantwortlichkeiten für den Datenklau und den Schadenersatz. Oracle verlangt einen Milliardenbetrag, SAP sieht mehrere zehn Millionen Dollar als ausreichend an. Der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware hat für den Fall einer Verurteilung 160 Millionen Dollar zurückgelegt. Die inzwischen geschlossene Servicetochter TomorrowNow hatte Oracle-Software im Auftrag von Firmenkunden gewartet. Dazu luden die Mitarbeiter mehrfach unrechtmäßig Daten von der Website des Rivalen herunter. Der Prozess wird wie geplant am 1. November beginnen. Oracle hatte eine Verschiebung beantragt, um sich auf die neue Strategie von SAP einstellen zu können. Richterin Hamilton lehnte dies ab. Der Prozess findet am Bezirksgericht der kalifornischen Stadt Oakland statt. (dpa)

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