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Prozessor-Hersteller gründen Pervasive Parallelism Lab

05.05.2008 | 12:25 Uhr |

AMD, Intel, Nvidia, Sun, HP und IBM haben am vergangenen Freitag gemeinsam mit der Stanford University das Pervasive Parallelism Lab gegründet und sind sich ungewohnt einig: Drei Jahre lang wollen sie unter den Fittichen von Professor Kunle Olukotun zusammenarbeiten, um das parallele Programmieren zu vereinfachen.

Denn während Prozessoren mit immer mehr Kernen auf den Markt kommen, können Betriebssystem und Software deren Leistung kaum nutzen. Während die Chiphersteller vereint in die Zukunft schauen, wird der Ton in der Gegenwart allerdings immer harscher: Ist die CPU am Ende?

Im 19. Jahrhundert rief Nietzsche den Tod Gottes aus, im 20. Jahrhundert proklamierte Roland Barthes den Tod des Autors und im 21. folgt Nvidia: Die CPU ist tot, behauptete der Nvidia-Manager Roy Taylor letzte Woche in einer internen Mail an Mitarbeiter, die die Medien publik machten: Grafikchips übernähmen immer mehr deren Aufgaben, neue Hauptprozessoren machten einen Computer kaum mehr schneller und die Entwicklung in Sachen Geschwindigkeit hänge maßgeblich von der GPU ab. Intel ließ sich daraufhin nicht nehmen, auf die ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedachte Provokation zu antworten und die Bedeutung des Hauptprozessors medienwirksam hervorzuheben - Nvidia hingegen distanzierte sich von Taylor und unterstrich, seine Meinung sei nicht die offizielle des Unternehmens. Intel-Konkurrent AMD hat ohnehin bereits angekündigt, Anfang 2009 einen ersten Fusion-Prozessor auf den Markt zu bringen, der GPU und CPU vereint. Allen Kämpfern um die Vorherrschaft auf dem Prozessor-Markt ist eines gemein: Der Megahertz-Wahn der letzten Jahre ist vergangen, die Hoffnung liegt in der Multi Core-Technik. Professor Olukton von der Stanford University zählt auf diesem Gebiet zu den führenden Wissenschaftlern weltweit, er hat bereits Techniken für Suns Niagara-Prozessor entwickelt. Dem Pervasive Parallelism Lab stehen für die nächsten drei Jahre sechs Millionen US-Dollar zur Verfügung, die kooperierenden Firmen erhoffen sich Techniken zur besseren Nutzung von Prozessoren mit mehrere Kernen. Sowohl neue Programmiersprachen und Compiler als auch neue Prozessortechniken zählen zu den möglichen Lösungen. Doch auch im wissenschaftlichen Bereich ist die Suche nach der besseren Lösung von Konkurrenz gezeichnet: Vor rund einem Monat vermeldete die University of California gemeinsam mit der University of Illinois die Gründung des Universal Parallel Computing Research Center - geleitet von den Computerwissenschaftlern John Hennessy und David Patterson. Microsoft und Intel unterstützen dieses Projekt mit mehreren Millionen. Konkurrenz, das wissen die Chiphersteller sehr genau, belebt eben das Geschäft. Wer die verschiedenen Ansätze der Wissenschaftler miteinander vergleichen will, dem empfiehlt Heise ein Interview mit Hennessy und Patterson , gehalten von Professor Olukotun.

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