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Publishing bleibt Kern-Markt

22.01.1999 | 00:00 Uhr |

Jeff Martin, bei Apple für das Marketing im Publishing-Bereich zuständig

Was plant Apple mit Mac-OS X Server? Wie wichtig ist der Publishing-Markt in der Firmenstrategie? Wie möchte Apple mit Microsofts Windows NT konkurrieren? Macwelt sprach mit Jeff Martin, bei Apple weltweit für das Marketing im Publishing-Bereich zuständig.

Macwelt: Apple hat in der letzten Zeit viel Werbung für den iMac gemacht. Ist der professionelle Markt für die Firmenleitung nicht mehr so wichtig?

Martin: Doch, wir legen weiterhin viel Wert auf den professionellen Markt. Apple hat hier im letzten Jahr einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar gemacht, dieses Potential dürfen wir nicht vernachlässigen. Unser Fokus liegt auf dem traditionellen Print-Publishing, dieses Segment macht rund 70 Prozent des Publishing-Marktes aus. Des weiteren konzentrieren wir uns auf Video, Internet und Workflow-Lösungen.

Macwelt: Apple wird im Februar Mac-OS X Server ausliefern. Microsoft hat mit Windows NT in der Vergangenheit kräftig im Mac-Markt gewildert.

Martin: Da haben Sie recht. Microsoft hat den Server-Krieg de fakto gewonnen. Wir werden Mac-OS X Server auch nicht direkt gegen Windows NT positionieren. Wir fokussieren eher auf Workflow-Lösungen. Mac-OS X hat eine Menge Vorteile: Colorsync, Applescript und ein schnellerer Datentransfer im Netz als NT machen Mac-OS X für Lösungen interessant. Als reinen Datenserver wird es NT nicht ablösen.

Macwelt: Nach der Ankündigung von Rhapsody blieb die Unterstützung der Softwarehersteller fast völlig aus. Produktankündigungen zu Mac-OS X Server sind bislang auch spärlich.

Martin: Rhapsody war keine so gute Idee. Mit Mac-OS X und Carbon haben wir dies korrigiert. Softwarehersteller können ihre Programme nun in wenigen Tagen für Mac-OS X umschreiben, und wir haben schon die Unterstützung von Firmen wie Adobe, Quark, Canto, Helios und vielen anderen. Ich kenne keinen Entwickler, der sich bisher negativ zu Mac-OS X geäußert hat.

Macwelt: Zum ersten Mal hat Apple die Fähigkeit des Mac-OS gezeigt, einen Rechner über das Netz von einem Server zu starten. Werden Sie die Netboot-Fähigkeit auch im Profi-Bereich vermarkten?

Martin: Systemverwalter in Firmen, denen wird Netbooting gezeigt haben, waren begeistert. Stellen Sie sich eine Werbeagentur vor, wo der Mac häufig eingesetzt wird. Hier betreut der Systemverwalter einen Server mit einem Mac-Betriebssystem. Alle Klienten können, egal, wo sie sich befinden, über den Server ihren Rechner starten und finden immer ihre Systemumgebung vor. Sie können mit Programmen arbeiten, die auf dem Server laufen, können gemeinsam an Dokumenten arbeiten und so weiter. Der Verwaltungsaufwand wird ungleich geringer. Ein denkbares Szenario sind auch Zeitungsredaktionen, wo iMacs als Terminal verwendet werden, ohne Festplatte oder sonstige Speichermedien. Alle Mitarbeiter geben ihre Texte direkt in das Zeitungslayout ein, das auf dem Server liegt - für Redaktionen ist das ideal.

Macwelt: Werden wir für den neuen Power Mac eine ähnliche Werbung sehen wie die 100-Millionen-Dollar-Kampagne für den iMac?

Martin: Vielleicht werden wir nicht 100 Millionen Dollar für die Power-Mac-Werbung ausgeben, aber Sie werden viele Marketing-Aktionen sehen. Unser Problem mit den neuen Power Macs ist der Preis. Die Rechner sind so günstig, daß kaum jemand glaubt, daß dies absolute High-end-Rechner sind. Höchste Leistung zum besten Preis - und schneller als Windows NT: Diese Botschaft müssen wir rüberbringen.

Interview: Sebastian Hirsch

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