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Quicktime 6 von Lizenzgebühren ausgebremst

13.02.2002 | 16:01 Uhr |

Quicktime 6 ist fertig und verwendet MPEG 4 - das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Anwender müssen noch ein wenig auf die Software warten.

München/Macwelt - Phil Schiller, bei Apple der große Marketing-Mann neben Steve Jobs, ist sich sicher, dass Quicktime 6 ein großer Erfolg wird. Die Software sei schon so gut wie fertig, so Schiller, einen kleinen Haken gebe es aber derzeit noch: Die Lizenzgebühren, die die Konsortium MPEG LA (MPEG Licensee Administrator) erhebt. Laut Schiller sind heute 0,25 Dollar pro MPEG-Dekoder (Hard- oder Software) und 0,25 Dollar pro MPEG-4-Enkoder fällig, bei einer Maximalsumme von jeweils einer Million Dollar pro Jahr und Hersteller. Apple wäre bereit, diese Kosten zu übernehmen, um Quicktime 6 fertigstellen zu können, doch MPEG LA verlangt zusätzlich 0,02 Dollar pro Stunde MPEG-4-Video von jedem, der solche Videos an die Öffentlichkeit bringt ("content host") und noch einmal denselben Betrag für jede Kopie ("content replicator").

Um den Druck auf das Konsortium zu erhöhen, veröffentlichte Phil Schiller die E-Mail-Adresse ( licensing@mpegla.com ) mit der Bitte, man möge dem Konsortium Vorschläge für ein anderes Lizenzkostenmodell unterbreiten.

Abgesehen von diesen ungeklärten rechtlichen Dingen lesen sich die Spezifikationen von Quicktime 6 sehr gut: MPEG-2-Videos (zum Beispiel von einer DVD) lassen sich künftig direkt im Quicktime Player betrachten, der dazu außerdem nötige Dolby-AAC-Dekoder gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Hase und Igel spielen aber weiterhin Macromedia und Apple: Laut Phil Schiller wird Quicktime 6 Vektoranimationen im Format Flash 5 abspielen - leider hat Macromedia inzwischen die Version 6 von Flash angekündigt, die bis Sommer 2002 in de Handel kommen soll.

Die dazu passende Server-Software Quicktime Streaming Server ist von den Lizenzrangeleien nicht betroffen, die neue Version 4 will Apple ab sofort im Internet anbieten. Sie verarbeitet deutlich mehr Video- und Audioformate als bisher, außerdem soll sich die Übertragungseistung auf G3- und G4-Macs verbessert haben. Wichtigster Vorteil dürfte aber sein, dass die Server-Software nicht mehr allein Movie-Dateien mit der Endung ".mov" akzeptiert. Mit Version 4 kann man beispielsweise eine MP3-Datei von iTunes direkt in den Sendeordner des Servers ziehen und sie damit "live" im Internet übertragen.

Dritte Neuvorstellung ist Quicktime Broadcaster, eine Software, die jeden Mac zu einem Streaming-Server macht. Quicktime Broadcaster übernimmt die Videodaten zum Beispiel von einer Videokamera am Firewire-Eingang das Mac, wandelt die Daten in ein Internet-taugliches Format um, fügt in Echtzeit noch Hilfsinformationen für die Übertragung hinzu und liefert diesen Datenstrom dann an Quicktime Streaming Server, der die Verteilung im Internet übernimmt. Für einen solchen Video-Server entstehen nur geringen Kosten: Zu kaufen ist die Vollversion von Quicktime und die Videokamera, alle anderen Komponenten inklusive Quicktime Broadcaster stellt Apple kostenlos zur Verfügung. Da Quicktime Broadcaster aber ebenfalls die MPEG-4-Kodierung verwendet, ist die Software im Moment erst dann zu haben, wenn die Lizenzstreitigkeiten geklärt sind.
wm

Was ist MPEG LA?

Anfang der 1990 entstand das Videoformat MPEG-2. Da mehrere Firmen Teile dieses Standards patentrechtlich geschützt haben, entstand die Idee, die Patente zu einem Paket zusammen zu fassen und das Ganze als MPEG-2-Lizenz an Interessierte zu verkaufen. Aus diesem Grundgedanken entstand MPEG LA (MPEG Licensee Administrator), ein Konsortium, das heute Herrscher über 92 Patente ist, die Firmen wie Canon, France Telekom, Philips und andere halten. Soll ein Videorekorder oder eine Software MPEG-2 importieren (= dekodieren) oder exportieren (= enkodieren), muss der Hersteller dafür Lizenzgebühren an MPEG LA zahlen. Diese Lizenzgebühren werden nach einem bestimmten Schlüssel an die Patentinhaber weiterverteilt. Da ein großer Teil der Technik von MPEG-4 ähnliche Patente nutzt, hat MPEG LA auch die Rechteverwertung für MPEG-4 übernommen.

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