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Qwest-Kredite drohen zu platzen

12.08.2002 | 10:15 Uhr |

MÜNCHEN ( COMPUTERWOCHE ) - Der durch Luftbuchungen in einen Finanzskandal geratene US-Carrier Qwest hat die Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2002 um jeweils eine Milliarde Dollar nach unten korrigiert: Aufgrund der Branchenflaute und des harten Wettbewerbs rechnet Konzernchef Richard Notebaert nur noch mit Einnahmen zwischen 17,1 und 17,4 Milliarden Dollar. Beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erwartet Qwest jetzt einen Gewinn von 5,4 bis 5,6 Milliarden Dollar. Damit drohen nun Kreditlinien über insgesamt mehr als 26 Milliarden Dollar zum Jahresende zu platzen. Sie enthalten nämlich eine Klausel, wonach die Schulden zum Jahresende insgesamt nicht mehr als das Vierfache des EBITDA-Profits betragen dürfen. Mit dem bislang in Aussicht gestellten EBITDA-Plus von 6,4 bis 6,6 Milliarden Dollar lag das Unternehmen aus Denver, Colorado, gerade noch im von den Banken tolerierten Bereich.
Qwest-Chef Notebaert versuchte jedoch, die Spekulationen über einen drohenden Bankrott zu entkräften. Er erklärte in einem Interview, dass sich sein Unternehmen einen neuen Kredit über 500 Millionen Dollar von der Bank of America sichern konnte. Zusammen mit der angestrebten Umschuldung und dem Cashflow aus dem Geschäftsbetrieb werde Qwest somit den Barmittelbedarf für mindestens zwölf Monate decken können. Als Bürgschaft für das dringend benötigte Darlehen verwendete Qwest die Telefonbuch-Division Qwest Dex. Um seinen Schuldenberg abzubauen, will der US-Carrier den Bereich in Kürze verkaufen und hat nach eigenen Angaben bereits einige Angebote erhalten.
Weniger positive Ausblicke boten dagegen die Zahlen für das zweite Quartal 2002: So konnte die viertgrößte US-Telefongesellschaft ihren Nettoverlust gegenüber dem Vorjahr von 3,31 Milliarden auf 1,14 Milliarden Dollar senken. Das aktuelle Ergebnis belasteten aber vor allem Einmaleffekte von 926 Millionen Dollar durch die Beteiligung an KPNQwest sowie 119 Millionen Dollar Rückstellungen auf mögliche Forderungsausfälle bei Worldcom. Ohne diese Abschreibungen hätte das Unternehmen nach einem Gewinn von 128 Millionen Dollar im Vorjahresquartal einen Verlust von 210 Millionen Dollar ausgewiesen. Gleichzeitig verbuchte Qwest einen Umsatzrückgang um 17 Prozent auf 4,32 Milliarden nach 5,22 Milliarden Dollar im Vergleichszeitraum.

Qwest hatte vor kurzen eingeräumt, in den vergangenen drei Jahren Umsätze in Höhe von insgesamt 1,16 Milliarden Dollar falsch verbucht zu haben. Bislang ist noch offen, wann das Unternehmen - wie angekündigt - eine korrigierte Version der Bilanz 2001 vorlegen wird. (mb)

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