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RIAA verklagt Satelliten-Radiosender

18.05.2006 | 14:39 Uhr |

Der Musikverband RIAA hat Klage gegen den Satelliten-Radiosender XM Satellite Radio eingereicht. Grund ist dabei nicht das unerlaubte Ausstrahlen von Musiktiteln, sondern ein kleines Gerät, das die Aufnahme dieser Musikstücke erlaubt.

Rund sechs Millionen Anwender haben ein Abo bei XM Satellite Radio , einem Satelliten-Radiosender aus den USA. Der Sender bietet weit über 100 unterschiedliche Kanäle und strahlt monatlich eigenen Angaben zufolge rund 160.000 Musiktitel aus. Nun hat das Unternehmen Post von dem Musikverband RIAA erhalten. Der Inhalt: eine Klage. Die RIAA vertritt die Ansicht, dass XM Satellite Radio "massiv und umfassend" die Urheberrechte verletzt.

Stein des Anstoßes ist ein kleines, 400 Dollar teures Gerät namens "Inno" von Pioneer, das auch über die Website von XM Satellite Radio beworben wird. Dieses Gerät kann Satelliten-Radio empfangen und - das ist der springende Punkt für die RIAA - Musiktitel auch aufzeichnen. Die so erstellten MP3-Dateien können dann beliebig oft angehört werden, so lange der Anwender seine monatliche Gebühr für XM Satellite Radio bezahlt. Endet das Abo, werden auch die gespeicherten Songs unbrauchbar. Das Brennen der Titel ist ebenfalls nicht möglich.

Diese relativ eingeschränkten Rechte an den Songs interpretiert die RIAA allerdings etwas anders. Sie vertritt die Ansicht, dass XM Satellite Radio mit diesem Angebot in Konkurrenz zu Angeboten wie iTunes, Napster oder Raphsody tritt. Diese Firmen zahlen eine Lizenzgebühr für das Recht, Musiktitel in digitaler Form verbreiten beziehungsweise verkaufen zu dürfen. Und genau diese Lizenzgebühren möchte die RIAA nun auch von XM Satellite Radio erhalten. Zusätzlich zu den Lizenzgebühren, die der Sender sowieso schon bezahlt, um die Musiktitel überhaupt senden zu dürfen.

Daneben fordert die RIAA laut einem Bericht von ABC News, Schadenersatz in Höhe von 150.000 Dollar pro Song, den Abonnenten des Senders gespeichert haben.

Der Einwand, dass das Aufzeichnen von Radiosendungen seit Jahrzehnten üblich und vor allem legal ist, lässt die RIAA kalt. Laut dem Verband sei die Sachlage nicht zu vergleichen, da in diesem Fall die Übertragung digital erfolge und Anwender sich gezielt einzelne Songs aus dem Angebot heraussuchen und speichern können. Derzeit verfügt der Inno über 1 GB Speicher, was für ein paar hundert Songs ausreicht. Künftige Versionen mit mehr Speicher könnten aber mehrere tausend Titel speichern, so die RIAA. Und dies würde Anwender davon abhalten, Musiktitel normal zu kaufen. "Da XM einen gewaltigen Musik-Katalog über alle Genres zur Verfügung stellt, haben Abonnenten kaum eine Veranlassung, jemals Musik von den von uns vertretenen Unternehmen zu kaufen", so die RIAA.

Ein Konkurrent von XM Satellite Radio, Sirius Satellite Radio, hat bereits eingewilligt, die zusätzliche Gebühr zu entrichten, so ABC News.

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