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Rabattkrieg: Würgt die Telekom den DSL-Wettbewerb ab?

21.03.2006 | 10:26 Uhr

Die Frage nach der Regulierung des geplanten VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetzes der Telekom und seine Auswirkungen auf den Wettbewerb bestimmen derzeit die politische Diskussion um die breitbandige Zukunft Deutschlands. Hinter den Kulissen hat der Bonner Carrier jedoch bereits einen weiteren Angriff auf den DSL-Wettbewerb gestartet.

Großen Wiederverkäufern, die den neuen Net-Rental-Vertrag unterzeichnen, räumt der Bonner Carrier nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Rabatte von mehr als 50 Prozent ein. Bisher bekamen die Provider 11,5 Prozent Nachlass auf den Endkundenpreis eines DSL-Anschlusses, wenn sie als Wiederverkäufer auftraten. Um in den Genuss des neuen Rabattes zu kommen, benötigen Provider nach Ansicht von Branchenkennern mindestens eine halbe Million Kunden. T-Online, United Internet sowie AOL sollen bislang einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet haben.

Das Rabattmodell der Telekom könnte den Wettbewerb auf dem deutschen DSL-Markt gefährden. Vor allem kleinere Anbieter drohten unter die Räder zu kommen. Denn während die kleineren Wiederverkäufer aufgrund der geringen Gewinnmarge kaum Spielraum in ihrer Preiskalkulation haben, könnten die großen Drei künftig ganz anders agieren. So vermutet die Branche, dass die kostenlose DSL-Flatrate von United Internet wohl auf Basis des neuen Net-Rental-Vertrages entstand. Dabei zahlt das Unternehmen um die zehn Euro für einen DSL-Anschluss anstatt wie bisher zwischen 13 und 19 Euro. Entsprechend werfen Verbände wie der Breko der Telekom bereits ein Preisdumping vor.

Die neuen Tarife sind auch für Netzanbieter mit eigener Infrastruktur wie Arcor, Hansenet und andere eine existenzielle Bedrohung. Sie mieten nämlich die nackte Teilnehmeranschlussleitung (TAL) für 10,65 Euro von der Telekom. Darauf aufbauend offerieren sie auf eigene Rechnung Telefon und DSL-Zugang. Gelang es den Anbietern eine entsprechend günstige Kostenstruktur zu realisieren, konnten sie der Telekom mit ihren Komplettangeboten viele Kunden abjagen, wie in den Ballungsräumen geschehen. Diese Rechnung scheint nun nicht mehr aufzugehen, wenn die großen Reseller die DSL-Anschlüsse zu Sonderkonditionen einkaufen können.

Für die Telekom dagegen lohnt sich das Geschäft mit den Wiederverkäufern - selbst zu den enorm günstigen Rabattkonditionen - gleich doppelt: Zum einen behält sie die Telefonkunden weiterhin, wenn diese den ADSL-Anschluss eines Resellers nutzen, zum anderen sind die Wiederverkäufer von ihr stärker abhängig als die TAL-Mieter.

Umgekehrt scheint sich ein Telekom-konformes Verhalten auch für die großen Reseller auszuzahlen: Gespräche über eine Nutzung des geplanten VDSL-Netzes führt der Bonner Carrier neben T-Online noch mit United Internet und AOL. Nur Zufall? (Jürgen Hill / ala).

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