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Reaktor-Katastrophe von Fukushima sorgt für Flugdrohnen-Boom

11.03.2015 | 13:59 Uhr |

Die Reaktor-Katastrophe von Fukushima hat kuriose Folgen für die japanische Drohnen-Forschung. Denn zur Überwachung des verstrahlten Gebietes werden jetzt 400 Hochleistungs-Flugdrohnen gebaut.

Roboter sind im japanischen Alltag weiter verbreitet als hierzulande. Während bei uns allenfalls Staubsaug-Roboter durch die Wohnung wuseln, experimentieren die Japaner auch schon mit – teilweise humanoiden – Robotern als Helfer und Pfleger hilfsbedürftiger Menschen und als Haustierersatz. Besonders Honda tut sich bei der Entwicklung von humanoiden Robotern hervor.

Auf dem Gebiet der Drohnen war Japan dagegen lange Zeit weit abgeschlagen. Doch ausgerechnet die Reaktor-Katastrophe von Fukushima als Folge des Tsunamis vor der Ost-Küste Japans änderte das.

Denn japanische Techniker von Unternehmen und Behörden aus den Bereichen Kernenergie und Weltraumforschung sowie Tüftler von einer japanischen Universität entwickelten Flug-Drohnen mit Sensoren zum Messen von Radioaktivität. Diese Drohnen fliegen über die evakuierten Gebiete und überwachen die dort immer noch herrschende radioaktive Strahlenbelastung. Oder liefern Fotos von den Aufräum- und Dekontaminierungsarbeiten in den gesperrten Arealen.

Prompt soll nun in der Präfektur Fukushima die erste Fabrik für die Großserienproduktion von solchen Hexacoptern entstehen, also für Flugdrohnen mit sechs Propellern. Die Industrie-Anlage entsteht mit Unterstützung durch das Autonomous Control Systems Laboratory, ein Spin-off der Universität von Chiba. 400 Flugdrohnen sollen zunächst produziert werden.

Die dort produzierten Drohnen besitzen einen Laserscanner zur Orientierung beziehungsweise Navigation. Die 90 Zentimeter im Durchmesser großen Flug-Drohnen fliegen mit einer Geschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde und können ein Gewicht von sechs Kilogramm transportieren – für Radioaktivitäts-Messgeräte alias Geigerzähler und den dafür nötigen Akku.

„Die Drohnen sollen vollautomatisch ohne Steuerung durch einen Menschen ihre Routen abfliegen“, wie Kenzo Nonami, Professor für Robotik an der Chiba-Universität erklärt. Eine Drohne kostet ab 16.500 Dollar aufwärts.

Im Laufe der Zeit dürften die Herstellungskosten sinken. Und damit könnten diese ausgereifen Drohnen für andere Einsatzwecke und irgendwann auch für Privatanwender interessant werden. So würde die Katastrophe von Fukushima tatsächlich dazu führen, dass die Drohnen-Entwicklung zusätzlichen Schwung bekommt und speziell Japan auf diesem Gebiet aufholt.

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