2203252

Rechtliche Probleme bei Apples neuer Gesichtserkennung?

22.06.2016 | 11:26 Uhr |

Auf der Apple-Keynote der diesjährigen WWDC stellte Craig Federighi, Apples Senior Vice-President für Software-Entwicklung, die Gesichtserkennung für Fotos vor. Das Feature ist eine nützliche Hilfe für das Sortieren von Fotos. Doch Apple könnte in rechtliche Schwierigkeiten kommen.

Apple bohrt in macOS Sierra und iOS 10 die Gesichtserkennung seiner Fotos-App bedeutend auf, das hatte Craig Federighi ja schon auf der WWDC vor einer Woche bekannt gegeben. Ein Entwickler namens Kay Yin hat nun verraten, dass die App bis zu sieben unterschiedliche Gesichtsausdrücke erkenne und es ihr so leichter falle, automatisiert kurze Diashows von bestimmten Ereignissen zu erstellen. Diese Ausdrücke sind laut Yin "gierig, angewidert, neutral, schreiend, lächelnd, überrascht und skeptisch". 

Zudem erkenne die App über 4000 Objekte, von "alleyways" - also so etwas wie eine schmale Gasse - bis "zucchinis". Vor einer Woche hatte Apples oberster Softwarechef erwähnt, pro Foto führe die Anwendung 11 Milliarden Berechnungen aus, um die abgebildeten Objekte, Tiere und Personen einordnen zu können.

Dabei wird die Gesichtserkennung nicht nur Bestandteil der Foto-App in iOS 10 sein , sondern genau so auch in der macOS-Variante Verwendung finden. Als „Advanced Computer Vision“ feiert Craig Federighi, Apples Senior Vice-President für Software-Entwicklung, die neuen Techniken: „Wir setzten weit fortgeschrittene Lern-Technologie ein, um die Gesichtserkennung auf das iPhone zu bringen.“

iOS 10: Was Apple nicht zeigte

Mit diesem Feature holt Apple in gewisser Weise das nach, was andere Unternehmen wie Google oder Facebook bereits vormachten. Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei um sehr umstrittenes Feature.

Denn derzeit befinden sich sowohl Google als auch Facebook aufgrund ihres Gesichtserkennung-Systems in einem Rechtsstreit, da Kläger eine Verletzung des sogenannten „ Illinois’ Biometric Information Privacy Act “ sehen. Um das Gesicht einer Person wiedererkennen zu können, wird ein Gesichtsabdruck, was mit einem Fingerabdruck vergleichbar ist, erstellt. Dieser soll als Grundlage zukünftiger Vergleiche dienen. Die Kläger behaupten diesbezüglich, dass die Anwender über das Sammeln ihrer biometrischen Informationen nicht ausreichend von den beiden Unternehmen aufgeklärt werden, berichtet The Verge .

Apples System soll sich dahingegen mehr auf die Privatsphäre seiner Anwender fokussieren, indem die Daten nicht auf externen Servern von Apple gesammelt und gesichert werden. Die Gesichtserkennung soll hierbei nur mit Hilfe von lokal gespeicherten Daten erfolgen.

Ob diese Vorgehensweise von Apple jedoch auch gegenüber dem Illinois’ Biometric Informationen Privacy Act Stand hält, ist noch nicht sicher. Das Gesetz bezieht sich auf Systeme, die versuchen, biometrische Kennungen zu „sammeln, speichern oder über andere Wege zu beziehen“. Selbst wenn der Gesichtsabdruck niemals das Gerät verlassen sollte, kann man nicht mit absoluter Sicherheit fesstellen, ob die Fotos-App die Daten nicht speichert, zumal sich iOS 10 noch im Entwicklungsstadium befindet.

Alles in allem handelt es sich hierbei jedoch um ein außergewöhnlich machtvolles Feature. Natürlich gibt es gute Gründe, weshalb man mit Hilfe von Fotos Gesichtsabdrücke von Personen erstellen können sollte. Dadurch profitieren vor allem die Sicherheitsstandards, wie beispielsweise auf Flughäfen. Trotz alle dem müssen die Anwender über die Vorgehensweise aufgeklärt werden und dafür ihr Einverständnis geben.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2203252