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Reichlich Sand im Getriebe: Probleme bei Elektrogeräte-Entsorgung

19.03.2007 | 07:23 Uhr |

Es sind eigentlich unscheinbare Container, vor denen die Kombifahrer halten und Waschmaschinen, PC- Monitore und Staubsauger abstellen. Doch schon die Aufteilung des Elektroschrotts in fünf Kategorien verrät, dass der Wertstoffhof von Frankfurt (Oder) ein Tor ist zu einem komplizierten System, etabliert vom Bund vor einem Jahr mit dem Elektrogesetz.

Was die Kunden nicht sehen: Im Getriebe dieses Systems knirscht aus Sicht von Beobachtern reichlich Sand. Viel Verwertbares geht demnach zu Bruch, volle Container werden nicht rechtzeitig abgeholt, Diebe bereichern sich. Und die Verbraucher bezahlen alles mit höheren Preisen.

Seit einem Jahr gilt: Wer einen Trockner, Föhn oder Rechner herstellt, muss ihn später auch entsorgen. Die Verbraucher dürfen im Gegenzug keine Radios, Rasierapparate und andere Kleingeräte mehr in die Hausmülltonne werfen. Die Frankfurter lieferten von April bis Dezember 2006 rund 168,36 Tonnen Elektrogeräte ab, rechnet Deponieleiter Lothar Warsow vor. Unter anderem waren Radios und Fernseher, Bügeleisen und Neonröhren dabei. Ist ein Container voll, gibt Warsow über die Stiftung Elektro-Altgeräteregister (EAR) in Fürth einem Entsorger Bescheid, der den Schrott im Auftrag eines Herstellers abholt.

Es ist das effizienteste System in Europa», sagt Otmar Frey, der Umweltfachmann des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie in Frankfurt am Main. Wegen der hohen Preise für Kupfer und Stahl sei es sogar billiger als gedacht. Zufriedenheit auch bei Bosch und Siemens Hausgeräte in München. 70 bis 80 Container lasse man täglich abholen, sagt Sprecher Andreas Tonke. Die Kosten von acht Millionen Euro in 2006 gingen in die Verkaufspreise ein. Doch was für die Hersteller ein «Erfolgsmodell» ist, ist für die Kommunen längst nicht der Weisheit letzter Schluss. Vor allem an der EAR entzündet sich Kritik, denn sie lasse die Gemeinden zu lange auf ihren überquellenden Containern sitzen, erklärt Simon Burger, Entsorgungsfachmann beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. Knapp fünf Tage dauere es durchschnittlich bis zum Abtransport, vorgesehen seien zwei. Die EAR äußerte sich auf Anfrage nicht zu Abholproblemen.

Laut Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung drohen gar ökologische Rückschritte. Unerfahrene Transportfirmen, die durch das Gesetz ins Geschäft kamen, behandelten den wertvollen Schrott nicht ordentlich; Computerbildschirme gingen schon in den Sammelstellen zu Bruch. Kupferdiebe, die Nachts die Container plündern, hinterließen zusätzliche Scherben. Nur in 15 Prozent der Demontagebetriebe seien noch keine zerstörten Geräte angekommen. Schlecht auch für die Ökobilanz: Die Entsorger, denen das Gesetz ein gutes Geschäft zu versprechen schien, bemängeln unnötige Lehrfahrten der Container-Lkw: «Jede zweite Fahrt ist eigentlich umsonst», sagt Gerd Henghuber, Sprecher des Bundesverbands der Entsorgungswirtschaft. Und dann sind da noch die Verbraucher: Ob die Deutschen nun weniger elektrische Zahnbürsten und Walkmans in die Hausmülltonne werfen, lässt sich schwer feststellen. Zwar herrscht seit Frühjahr 2006 mehr Betrieb in der Frankfurter Sammelstelle, sagt Warsow. Seine Kollegen bei der Müllabfuhr berichten jedoch, dass die Rasierapparate mitnichten aus den Tonnen verschwunden seien, auch wenn sich nicht mehr ganz so viele in den Metallabscheidern der Sortieranlagen verfingen. Aushänge an den Laternenpfählen in Wohngebieten, die fünf Euro für alte Waschmaschinen bieten, offenbaren zudem, dass auch die Großgeräte nicht sämtlich den geregelten Gang der Entsorgung gehen.

Deutschlands Rathäuser würden sich am liebsten ganz aus der Elektro-Entsorgung heraushalten und die Wertstoffhöfe den Herstellern überlassen, meint Burger. Das sei jedoch nicht möglich. Zumindest aber solle für bestimmte Zeit ein Hersteller für einen Hof allein zuständig sein, um das Wirrwarr der Ansprechpartner etwas zu lichten. (dpa)

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