Von Peter Müller - 24.01.2013, 09:17

Bilanz Q1 2012/2013

Rekordbilanz für Apple - Börse enttäuscht

Trotz eines Rekordgewinns von 13,1 Milliarden US-Dollar und neuen Bestwerten für die Verkäufe von iPhone und iPad ist die Börse von Apples Bilanz zum ersten Quartal 2012/2013 enttäuscht - im nachbörslichen Handel hat der Kurs der Apple-Aktie deutlich nachgelassen.
Im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2012 hat Apple 54,5 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert und dabei einen Gewinn von 13,1 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Gegenüber dem Vorjahr hat der Umsatz damit um 17,7 Prozent zugelegt, der Gewinn jedoch gerade einmal um 1,8 Millionen US-Dollar. Der Gewinn pro Aktie ist sogar leicht von 13,87 US-Dollar auf 13,81 US-Dollar zurück gegangen. Da Apple im Quartal zahlreiche neue Produkte auf den Markt brachte (iPhone 5, iPad Mini, iMac), waren die Produktionskosten höher als es sie für etablierte Produkte sind. Im Vorjahr erstreckte sich der Berichtszeitraum jedoch über 14 Wochen, 2012 nur über 13 Wochen. Dies betonte in der Bilanzpressekonferenz CFO Peter Oppenheimer: Während im Vorjahr der durchschnittliche Wochenumsatz 3,3 Milliarden US-Dollar betragen hatte, lag er diesmal bei 4,2 Milliarden US-Dollar. "Kein Technologie-Unternehmen hat in der Geschichte solche Zahlen präsentiert," erklärt Apple-CEO Tim Cook. Die Erwartungen der Wall Street hat Apple mit der Bilanz erfüllt, Analysten waren von 54,7 Milliarden US-Dollar Umsatz bei einem Gewinn von 13,42 US-Dollar pro Aktie ausgegangen.

Verkaufsschlager iPhone

Umsatztreiber war einmal mehr das iPhone. Dessen Verkäufe legten gegenüber Vorjahr um 29 Prozent auf 47,8 Millionen Stück zu. Deutlicher fällt der Zuwachs der Verkäufe pro Woche aus, von 2,6 Millionen Stück im Vorjahr auf 3,7 Millionen iPhones im ersten Quartal 2012/2013. Vor einem Jahr hatte Apple ein neues Modell, das iPhone 4S, jedoch erst während des Quartals in den Handel gebracht, während heuer das neue iPhone 5 von Anfang an verfügbar war.
Das iPhone hat laut Oppenheimer weltweit zulegen können, jedoch besonders in "Greater China", also China, Taiwan und Hongkong, wo sich die Verkäufe verdoppelt haben. Die "enorme Popularität" des iPhone 5 habe zu diesen beeindruckenden Zahlen geführt, betonte der Finanzchef des Unternehmens. Fragen zu angeblichen Rückgängen der Bestellung von Komponenten wollte Apple-Chef Tim Cook nicht beantworten, über Gerüchte rede man bei Apple allgemein nicht: "Es gut, sich über die Richtigkeit dieser Gerüchte Gedanken zu machen," sagte er lediglich. Die Zulieferkette sei komplex, selbst wenn Berichte über einen der Faktoren der Wahrheit entsprächen, könne man darauf nicht auf die Gesamtsituation schließen.

iPad und iPad Mini

Apple hat im Quartal auch so viele iPads wie noch nie zuvor verkauft, 22,9 Millionen Stück, im Vorjahr waren es noch 15,4 Millionen gewesen. Pro Woche waren das im Schnitt 1,7 Millionen iPads, 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Apple nennt jedoch keine Zahlen, wie sich die Verkäufe auf die einzelnen Modelle iPad 2, iPad 4 und iPad Mini aufteilen. Oppenheimer deutete lediglich an, das seit Anfang November verkaufte iPad Mini sei ein "ungemeiner Hit": Man habe nicht genug Geräte produzieren können, um die Nachfrage vollständig zu befriedigen. Insgesamt hat Apple im Quartal mehr als 75 Millionen iOS-Geräte verkauft, zu iPhone und iPad kommen rund sechs Millionen iPod Touch hinzu.

Mac-Familie schwächelt

Erstmals nach fast vier Jahren ist der Verkauf von Macs gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Im Berichtszeitraum waren es nur 4,1 Millionen Rechner, im Vorjahr noch 5,2 Millionen. Apple führt den Rückgang auf Produktions- und Lieferschwierigkeiten der neuen iMacs zurück, die erst gegen Ende des Quartals allmählich in den Handel kamen. Seit der Vorstellung der neuen iMacs Mitte Oktober dürfte Apple kaum noch Rechner des Vormodells verkauft haben, erst ab 30. November war aber der neue 21,5-Zöller erhältlich und der 27-Zöller bestellbar. Das Inventar von lieferbaren Macs habe sich im Quartal um 100.000 Stück reduziert, da Apple "keine iMacs" aus der Lieferkette bekommen habe, erklärt Cook das Dilemma. Die Mac-Verkäufe hätten also deutlich höher sein können, versucht Oppenheimer die Analysten zu beruhigen. Das iPad nage nicht zu stark am Mac, der gesamte Markt habe etwa sechs Prozent verloren - "wir haben immer gesagt, dass es ein wenig Kannibalisationseffekte gibt." Diese fürchte man aber nicht, erklärt Cook, sondern sehe sie eher als Chance. Lieber nehme man sich selbst mit anderen Produkten Umsätze weg, als dass es die Konkurrenz tue. Wer ein iOS-Gerät als sei erstes Apple-Gerät kaufe, greife mit höherer Wahrscheinlichkeit zu anderen Apple-Produkten, das iPad Mini verstärke diesen Trend, meint Cook. Der Tablet-Markt schicke sich nun an, den klassischen PC-Markt zu überholen. Anders als in den letzten Jahren weist Apple nicht mehr getrennt die Verkaufszahlen von Desktop-Rechnern und mobilen aus. Der Rückgang von 1,1 Millionen Stück (oder 22 Prozent) lässt sich aber nicht allein durch Lieferprobleme des iMac erklären, im Vorjahresquartal hatte Apple 1,48 Millionen Desktops verkauft – iMac, Mac Mini und Mac Pro.

Musik in der Tasche - iPod

Der Erfolg von iPhone und iPad haben jedoch Auswirkungen auf den iPod, der sich weiter rückläufig entwickelt. Im Weihnachtsgeschäft hat Apple 12,7 Millionen Player verkauft, 21 Prozent weniger als im Vorjahr.  Der iPod Touch ist weiter populär, rund die Hälfte der iPods sind auf die erhältlichen Modell der vierten und fünften Generation entfallen. Laut Apple halte der iPod nach wie vor 70 Prozent des gesamten Marktes für MP3-Player.

Digitales Laden - iTunes

Mit iTunes hat Apple im Berichtszeitraum 2,1 Milliarden US-Dollar umgesetzt, was einen neuen Rekord für die Verkäufe von Musik, Filmen, Büchern und Apps bedeutet. Im Dezember hatte Apple 56 weitere Niederlassungen eröffnet, der iTunes Store ist nun in 119 Ländern aktiv. Wie bereits Anfang Januar berichtet, zählte der App Store im Dezember zwei Milliarden Downloads und nun insgesamt 40 Milliarden. Seit Sommer 2008 hat Apple an Entwickler insgesamt sieben Milliarden US-Dollar ausbezahlt. Apple TV hat Apple zwei Millionen Stück verkauft, 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Das einstige "Hobby" könnte sich allmählich zu ernsthaften Geschäft entwickeln, sofern es Apple gelingt, auch mehr TV-Inhalte über seine Infrastruktur zu verkaufen. An der Hardware der 99-Dollar-Box ist kaum etwas verdient.

Apple Stores

Die eigene Ladenkette hat 6,4 Milliarden US-Dollar Umsatz erreicht, fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Im ersten Quartal hat Apple 11 neue Läden eröffnet, davon vier in China. Im laufenden Geschäftsjahr wolle man rund eine Milliarde US-Dollar in die Apple Stores investieren.
Für das zweite Quartal, das im März endet, rechnet Apple mit einem Umsatz zwischen 41 und 43 Milliarden US-Dollar, etwas mehr als die 39,2 Milliarden US-Dollar aus dem Vorjahr. Eine Prognose für den Gewinn stellt Apple nicht, rechnet aber mit einer Bruttomarge zwischen 37,5 und 38,5 Prozent sowie operative Ausgaben von 3,8 bis 3,9 Milliarden US-Dollar.
Bis Börsenschluss in New York hatte die Apple-Aktie 9,24 US-Dollar oder 1,83 Prozent auf 514 US-Dollar zugelegt. Im nachbörslichen Handel stürzte der Kurs jedoch ab, um 20 Uhr Ortszeit in New York lag er bei 463,78 US-Dollar, 50 US-Dollar oder fast zehn Prozent unter dem Schlusskurs. Anleger sind weder von den Ergebnissen noch von den Aussichten erfreut, Cook und Oppenheimer war es offenbar nicht gelungen, die Börse mit ihren Erläuterungen zu beruhigen.
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