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Report: Geld verdienen mit Digitalbildportalen

11.08.2006 | 13:10 Uhr |

„Mit Bildern Geld verdienen, anstatt sie auf der eigenen Festplatte versauern zu lassen“: Dieser Werbespruch eines SMRP-Betreibers verdient eine differenzierte Betrachtung. Wer verdient wieviel?

Des einen Freud, des andren Leid: Boomende SMRPs (Stockphoto Micropayment Royality Free Portale) im Internet machen so manchen Profifotografen das Leben schwer. Andere Fotografen freuen sich, weil sie ihre Bilder online stellen können und dabei die Chance haben, auch etwas Geld zu verdienen. Und Kunden, selbst bekannte aus der Industrie, sind in einer Win/Win-Situation, weil sie beim Bildkauf plötzlich mehr Auswahl für weniger Budget haben und das klassische Bildagenturgeschäft sich bereits mit den Auswirkungen der Internet-Bilderflohmärkte herumschlägt und unter Preisdruck steht.

Zur Begriffsklärung: Stockphotos sind Bilder, die einer noch nicht bekannten Verwendung harren. Braucht jemand Aufnahmen vom Böhmerwald für seinen Hotelprospekt, kann er teuer einen Fotografen beauftragen oder sich günstiger aus dem Bestand von Bildagenturen bedienen. Die günstigste Variante hierfür ist das Micropayment, die Zahlung mit Kleinstbeträgen. Im Internet ist dieses Zahlungsmodell erfolgreich, seit es solche Dienste wie Paypal gibt. Allerdings gilt es dabei Nutzungsrechte an Bildern zu beachten. „Royality Free“ heißt hierbei nicht, dass etwas umsonst ist, sondern Bilder zur allgemeinen und nicht nur fest eingefassten Verwendung genutzt werden können. Das Recht am Bild bleibt beim Fotografen, der der Agentur die Verwertung überlässt.

Gründungsmythos TauschCommunity

Digitalfotos tauschen und anderen zur Betrachtung im Internet bereitzustellen, ist eine der beliebtesten Anwendungen im Internet. Es gibt unzählige Foren und Websites mit Bildern unterschiedlichster Qualität und Aussage. Daraus entwickelten sich kommerzielle Angebote, die eine Gebühr für Webspace und Arbeitszeit erheben – vergleichbar einem Verein mit hauptamtlichen Mitarbeitern. Seit ein paar Jahren gesellt sich die Spielart der SMRPs hinzu: Ohne große Zugangshürden können alle, die Digitalbilder verkaufen wollen, sich dort als Fotografen anmelden und Bilder, sofern diese bestimmte Qualitätsvoraussetzungen erfüllen, online stellen. Interessiert sich jemand für ein bestimmtes Bild, kann er die Bildnutzung für Cent- oder niedrige Eurobeträge bezahlen und das Bild ebenso unkompliziert herunterladen. Das Ganze wird gerne mit einem Community-Touch versehen, den manche Mitglieder sehr ernst nehmen.Seit etwa dem Jahr 2002 schießen die SMRPs wie Pilze aus dem Boden. Die bekannten wie iStockphoto.com, Fotolia.de, oder Shutterstock.com kämpfen längst mit dem Problem, ihre Speicherkapazität ständig erweitern zu müssen. iStockphoto.com, tatsächlich aus einer Bildertauschbörse entstanden, wurde so erfolgreich, dass Getty Images, der größte Bildanbieter weltweit (und in Besitz von Bill Gates) die Firma kurzerhand übernahm. „Wir kannibalisieren uns lieber selber, als dabei zuzuschauen“, erklärte dazu Getty-Images-Chef Jonathan Klein sinngemäß. Mittlerweile versucht Getty Images eine Brücke zwischen den SMRPs und seinen kommerziellen Bildagenturen zu schlagen: iStockpro.com soll so etwas wie iStockphoto.com für Aufsteiger sein, Fotografen werden momentan aber nicht aufgenommen. Das amerikanische Magazin Wired hat für solche Marktplätze wie SMRPs sogar einen neuen Begriff geprägt: „Crowdsourcing“ statt Outsourcing. Viele potenzielle Dienstleister (hier: Fotografen) erfüllen meine Bildwünsche. Zynisch gesprochen: Für ein mögliches Micromoney weit unter Hartz-IV-Satz kann man sich mit seinen Digitalbildwerken für bestimmte Bildwünsche und Bildprojekte empfehlen – und konkurriert dabei möglicherweise mit einem Bilderfabrikanten aus Bangladesh.

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