995366

Report: Typo 2008 Image

17.06.2008 | 12:57 Uhr |

Unter dem mehrdeutigen Stichwort "Image" hat in diesem Jahr die internationale Designkonferenz Typo vom 29. bis 31. Mai wieder drei Tage nach Berlin eingeladen, um den Teilnehmern hochkarätige Vorträge internationaler Designer und Gestalter zu präsentieren.

Typo 2008 Image
Vergrößern Typo 2008 Image

Diesmal wurde das Programm von vielen Fotografen bestritten, die besonders glaubwürdig über das Image von Menschen berichten konnten. Gleichzeitig dokumentiert sie den sich zunehmend verändernden Vorgang der Herstellung von fotografischen Images. Seit 2001 wurde nach sieben Jahren wieder eine Pressekonferenz abgehalten, auf der leider Alison Jackson fehlte, da sie durch eine Bombenwarnung in London auf dem Boden gehalten wurde. Gut gelaunte Redner wie Erik Spiekermann, Steve Heller, Jürgen Siebert und Kurt Weidemann unterhielten sich über Ihre neuesten Publikationen.

Schrift ist das Bild

Den Eröffnungsvortrag der TYPO 2008 hielt der bekannte britische Grafiker Jonathan Barnbrook in gewohnt humorvoller Tonlage. Seine Studentenarbeiten und Schriften für Émigré wurden vorgestellt: Bastard ist nach seiner Auffassung gegen die Lesbarkeit, die modernen blockigen Lettern sind an das Erscheinungsbild Nationalsozialistischer Schriften angelehnt. Seine Schrift Exocet wird von einem rechtsradikalen Verein für Werbemittel missbraucht. Der Rhythmus seiner Schriften ist inspiriert durch die Kirchenfenster in England. Der Font Ma(n)son ist durch gotische Architektur beim A, Friedhofskreuz für das T, ein stechendes Mosquito für das M und das Target Zeichen beim O inspiriert. Weltkonzerne wie Walt-Disney und die BBC benutzen bevorzugt Barnbrooks Virus Fonts. Eindrucksvolle Grafiken mit seinen Schriften wie Prototype, Logic, Prozac, Drone, Moron, Nylon, Melancholia, Infidel, Nixon (an Carfonts der 50er Jahre erinnernd), Tourette und Priori sind nur einige Beispiele für seine Kreativität. Für Barnbrook eignen sich auch Porno Magazine oder Kino-Logos als Quelle neuer Ideen. Neben den Bookcover für Saatchi und kleinen Anekdoten über David Bowie, für ihn ein Cover zu entwerfen, waren genauso unterhaltend wie die Plakate für eine Rembrand Ausstellung in Kassel mit einer Maria, die durch Schnitte in die Leinwand verfremdet wurde. Überzeugend und sehr gelungen waren seine Entwicklung der Corporate Identity für das Roppongi Hill Hotel in Tokio.

Kurt Weidemann - der Grandseigneur der Schriften Biblica für die Deutsche Bibelgesellschaft und Corporate A.S.E. der Hausschrift des Daimler-Benz-Konzerns. Er kritisiert, dass Gedankenarmut und Gefallsucht unsere Zeit beherrscht. In seiner umtriebigen Art reißt er bei immer einem Glas Bier alle Facetten des Image an. Aus dem selbst ernannten Astronautenphilosoph sprudeln die Worte über die Veränderung der Menschen im Zeitalter globaler Vernetzung heraus. Leider zeigte er keine Bilder, da jeder Worte selbst in Bilder umsetze. Er appellierte an die Anständigkeit und einen zivilisierten zwischenmenschlichen Umgang zum Aufbau eines positiven Image, denn Inhalt und Form steigern sich gegenseitig. Er griff die Uniformierung durch das Netz an, da Informationen zwar die Nutzer schneller aber keineswegs nachhaltiger erreiche. Wikipedia ersetze das tatsächliche Wissen und ein keimfreier Tastendruck ersetze einen kraftvollen Händedruck.

0 Kommentare zu diesem Artikel
995366