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Report: Typo Berlin 2014

27.05.2014 | 15:32 Uhr |

Typografie- und Designbegeisterte konnten sich vom 15. bis 17. Mai im Berliner Haus der Kulturen der Welt über aktuelle Trends der Gestaltung von digitalen Inhalten und Printmedien informieren. Macwelt war vor Ort und hat sich umgesehen

Neben Workshops und gezielter Softwarepräsentation gab es auch komplexe Themen, wie Code-Design für Webseiten zu erlernen. Auch neues Denken und Strategiewechsel bei der Bewältigung von Zukunftsproblemen wurden erörtert. Thema der diesjährigen Typo war „Roots“.

Holm Friebe überraschte das Publikum bei seinem Vortrag mit der Stein-Strategie. Also eher mal abwarten und nicht in blinden Aktionismus verfallen. Ähnlich wie Steve Jobs, der auf die Frage nach seinem Erfolg antwortete: „I am going to wait for the next big thing." Jobs hatte 2001 mit dem iPod neue Türen aufgestoßen. Eine weitere Lektion lautet: „Don’t believe the hype“. Die Tendenz jedem Trend nachzulaufen schränkt unsere Kritikfähigkeit ein.

Einen wenn auch nur für jüngere Gestalter interessanten Vortrag über 25 Jahre Type-Design bei Adobe hielt David Lemon, der direkt aus dem sonnigen San Jose nach Berlin gekommen ist. 1986 kam er in das Adobe Font Team. Adobe war vor 25 Jahren gerade fünf Jahre alt und Apple, der Laserwriter und die Erfindung der Seitenbeschreibungssprache Postscript revolutionierten die Drucktechnik. In dieser Zeit konvertierten die großen Schrifthäuser ihre Zeichensätze zu Postscript. Steve Jobs bekam 25 Fonts für den Apple Laserwriter zur Verfügung gestellt. Abgesehen von Fonts für Laserdrucker entwickelte Adobe zunehmend Schriften für den Desktop. Die Veröffentlichung des Programms Fontogapher ermöglichte auch anderen Firmen die Font-Herstellung. Danach folgte Opentype als der zweite große Schritt bei der Schriftherstellung nach Postscript, denn Opentype kann tausende Zeichen in einem Schriftsatz enthalten. Ein Font läuft gleichzeitig unter Mac und Windows. Er bezeichnet als dritte Innovation den Adobe Typekit Font Service, der Web-Fonts und Fonts für Mobilgeräte zur Verfügung stellt.

Der Gestalter Gerrit Noordzij verblüffte mit überraschenden Erkenntnissen zur Herkunft von Schriften. Er vertritt die Theorie, dass unser Alphabet dem Ziffernsystem entstammt. Wer sich etwas mit der Schriftentwicklung der Mittelmeerraumes auskennt, weiß dass er wahrscheinlich nicht falsch liegt.

Einen sehr schönen Abriss seines Werks zeigte der in Berlin ansässige Künstler Musiker und Performance-Artist Jim Avignon. Auch Code-Wizzards kamen auf Ihren Geschmack. Petr van Blokland zeigte live auf der Bühne, wie sich mit Python -Code relativ einfach Webseiten gestalten lassen. Seine Xierpa3 getauften Bibliotheken stellt er der Netzgemeinde kostenfrei zur Verfügung.

Die Reihe der gefeierten Stars nahm kein Ende. David Carson fluchte über die deutsche Technik, wurde aber augenzwinkernd darauf hingewiesen, dass der Rechner von der seine Präsentation starten sollte doch aus seinem Heimatstaat Kalifornien stammt. Am letzten Tag der Typo Berlin, weckten Gregor Laszuk and the Raiders of the Lost Things die Besucher mit einer visuell ansprechenden Performance. Peter Bilak, Triboro aus New York oder der ehemals zu Metadesign gehörige Designer Thomas Manss zeigten Projekte aus allen Kontinenten.

Den besten Vortrag der Typo Berlin hielt Emil Schult, der durch die Gestaltung der Plattencover der Band Kraftwerk bekannt geworden ist. Als Schüler von Joseph Beuys und Gerhard Richter berichtete aus seinem abenteuerlichen Leben, in das Vietnamkrieg, 68er-Revolution und die Entstehung der elektronischen Musik fällt. Aus diesem reichen Erfahrungsschatz konnte er mit seinen Erkenntnissen das Publikum begeistern und machte Mut, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Der nächste Event im Rahmen der Typo 2014 findet am 13.6.2014 in Bielefeld statt.

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