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Report: Typo Konferenz 2006

23.05.2006 | 14:38 Uhr |

Unter dem Motto „Play“ präsentierten die Redner der diesjährigen Typo-Konferenz im Berliner Haus der Kulturen der Welt eine gelungene Mischung aus Workshops, Mitmach-Events, Analysen anspruchsvoller Gestaltungs-Jobs, typographisches Theoriewissen und ausgefallene Designer-Biografien. Die Frage, die sich der Zuschauer zu Recht stellen musste „was hat Typografie mit Spielen zu tun“ wurde im Laufe der Konferenz auf vielfältige Weise beantwortet.

Die Typo-Keynote über „die Zukunft des Designs“ hielt Kalle Lasn, Herausgeber und Chefredakteur von „Adbusters“ (www.adbusters.org) und Kreativdirektor von „Powershift“, Agentur für Soziales Marketing. Anhand einer Bestandsaufnahme aktueller gesellschaftlicher Tendenzen vertritt er die These, dass die moderne Gesellschaft gegen eine Wand stößt, die schon vor Jahren von Fachleuten wie dem „Club of Rome“ vorhergesagt wurde. Ressourcenschwund, Bevölkerungswachstum und damit einhergehende psychosoziale Probleme bestimmen die künftigen Tätigkeitsfelder von Designern. Nach Lasn's Ansicht müssen Designer sich daher wieder ihrer Verantwortung für die Inhalte bewusst werden. Bislang stehen sie hinter den Wirtschaftsinteressen und fördern den Fluss des Kapitalismus. Nun komme ein Wendepunkt und sie müssen lernen, zu spielen. Wie solche Ansätze aussehen könnten, zeigte Lasn anhand verschiedener Beispiele. So könnte ein Auto statt eines Tachometers ein „Benzinmeter“ bekommen, das dem Fahrer anzeigt wie viel Benzin bei jedem Betätigen des Gaspedals verbraucht wird.

Mit der Vergangenheit spielen

Piet Schreuders arbeitet als Art Direktor des holländischen Fernsehprogramms VPRO Gids und für das CD-Label Basta .

Er ist Herausgeber von Magazinen wie Furore und De Poezenkrant, einer absurden Zeitschrift für Katzenliebhaber (www.pietschreuders.com/pk/pk.html). Auf der Typo Konferenz zeigte er eine spielerische Mischung diverser Projekte, insbesondere Gestaltungen von Buchumschlägen. Schreuders sammelt Unmengen an Büchern und nutzt diese als Inspirationsquelle. Besonders angetan haben es ihm Paperback-Buchumschläge der 50er und 60er Jahre und Schallplattentitel des EMI Verlags. Typografisch hat er gelernt, dass die Zwischenräume wichtiger sind als die Objekte selbst. Besondere Faszination geht für Ihn von der Zeitschriftengestaltung aus. Er behauptet, Grafikdesign sei nicht nur etwas für Experten. Entscheidend ist die spielerische Kombination von alten zu neuen Zusammenhängen. Sein Rat: Schau in die Vergangenheit und lerne etwas Neues.

Bildergalerie zur Typo 2006

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