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Revolutionäre Geräte von Apple

23.07.2001 | 00:00 Uhr |

Der Macintosh-Hersteller steckt in einem Formtief. Selbst neue Produkte begeistern die Apple-Kunden kaum noch. Im Herbst kann es mit weiteren Neuankündigungen jedoch wieder Bergauf gehen

Er lässt sich gerne feiern. Selbst wenn er schlechter Laune ist, nehmen es ihm seine Fans nicht übel. Die Rede ist von Superstar Steve Jobs, dem Chef der Firma Apple Computer, zu dessen Eröffnungsreden auf den Macworld-Messen die Teilnehmer stundenlang anstehen, um einen der begehrten Sitzplätze zu ergattern. Der Apple-Boss gilt als lebende Legende. Nach seiner Rückkehr zu Apple schaffte es Jobs, den damals maroden Computer-Hersteller zu sanieren und mit Produkten wie dem iMac für neuen Wind zu sorgen. Jobs, der gerne leger in Rolli und Jeans auftritt, eröffnet die Macworld-Messen häufig mit den Worten: "Wir haben viel zu zeigen." Für gewöhnlich steht der Magier dann zwei Stunden auf der Bühne, entzaubert die Gegner aus dem PC-Lager mit Platform-Vergleichen und untermauert seine Botschaft mit Werbespots und Marketing-Filmen. Die Mac-Fans freut es. Selbst bei den Zuschauern der internationalen Satelliten-Übertragungen ist noch viel von der Jobs-Stimmung zu spüren.

Mit der letzten Macworld-Messe, die vergangene Woche in New York statt fand, wird der Apple-Chef jedoch nicht zufrieden sein. Bereits im Vorfeld schraubten die Apple-Fans ihre Erwartungen so hoch, dass ihnen selbst ein Profi wie Steve Jobs kaum gerecht werden kann. Eine Macwelt-Umfrage zeigt, dass nur rund 10 Prozent der Befragten mit Apples Produktankündigungen ihre Erwartungen erfüllt sahen. Der Rest ist enttäuscht und schweigt.

Auch bei Apple macht man sich derzeit an die Ursachenforschung und versucht zu verstehen, warum die Ankündigungen nicht spektakulär genug waren. Konnte doch Apple erstmals einen Rechner vorstellen, der mit einer Taktrate von 867 MHz in einigen Vergleichstests selbst den schnellsten 1,7-GHz-PC mit Intels Pentium 4 Prozessor in den Schatten stellt. Die bisher so erfolgreiche iMac-Baureihe gibt es ebenfalls mit schnelleren Prozessoren und einer besseren Ausstattung. Gerade hier haben die Apple-Fans mehr erwartet. So wurde im Vorfeld der Messe bereits gemunkelt, dass Apple einen iMac-Nachfolger mit LCD-Bildschirm auf den Markt bringen könnte. Selbst Apple-Mitarbeiter sind davon ausgegangen, dass es auf der Messe eine Sensation geben könnte: Ein revolutionäres Gerät für private Anwender, denen ein konventioneller iMac nicht gut genug ist.

Apple kann es anscheinend keinem Recht machen. Nach der Vorstellung der neuen iMac-Farben (Flower Power und Blue Dalmatian) im Frühjahr überschlug sich die Kritik der Fachpresse. Die für den amerikansichen und japanischen Teen-Markt gebauten Rechner gerieten deshalb auch schnell zum europäischen Flop. Ein Vergleich der Quartalsergebnisse (Q3/2001 und Q2/2001) zeigt, dass die gesamten Stückzahlen in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika um 24 Prozent zurückgegangen sind. Schuld daran dürfte vor allem der iMac sein, den es mittlerweile nur noch in den Farben Indigo, Snow und Graphite gibt. Aber auch der kleine Würfelrechner mit der Bezeichnung Cube konnte sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Apple setzte deshalb die Produktion dieses Rechners bis auf weiteres aus. Dass die Quartalsbilanz dennoch gut aussieht, liegt an den Apple Notebooks. Mit der Einführung der neuen Titanium Powerbooks im Frühjahr konnte der Macintosh-Hersteller die schwächer werdenden iMac-Stückzahlen ausgleichen. Erst die Einführung der günstigeren iBooks verhalf Apple zu einem positiven Quartalsergebnis mit einem Stückzahlenwachstum von 10 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Dennoch ist Apple nicht über dem Berg. Um ein stetiges Wachstum zu erzeugen, braucht der Hersteller nach Ansicht zahlreicher Analysten dringend einen iMac-Nachfolger. Branchen-Insider gehen davon aus, dass Apple im Herbst auf seiner europäischen Hausmesse in Paris derartige Produkte vorstellen könnte. Und schon wieder brodelt es in der Gerüchteküche: So spricht man bereits über eine neue Server-Linie im 19-Zoll-Format und einen Apple-PDA. Da Steve Jobs mit seinen Entscheidungen Mitarbeiter, Konkurrenten, Analysten und seine Kunden immer wieder überrascht, wird sich der bekannte Spannungsbogen auch rechtzeitig zur nächsten Messe wieder aufbauen. Dieses Mal will der Apple-Chef jedoch den Erfolg sicherstellen.

Martin Stein

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