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Rezension: Archiv des deutschen Alltagsdesigns

10.08.2004 | 11:48 Uhr |

So informativ und instruktiv sich die CD auf weiten Strecken präsentiert, völlig überzeugen können Konzept und Software nicht.

Wer sich die CD-ROM in der Hoffnung bestellen möchte, er bekomme einen umfassenden Überblick zur Designgeschichte im Deutschland des 20. Jahrhunderts, der sei gewarnt: die Zusammenstellung der insgesamt fünf Warenkunden und -bücher ist zwar sehr nützlich und aus Forschungssicht lobenswert. Aber sie ist eben auch darauf begrenzt und daher keineswegs erschöpfend. So geht es im Wesentlichen um Haushalts- und Einrichtungsgegenstände, welche die Herausgeber der fünf auf CD gesammelten Warenkunden zwischen 1915 und 1961 als im Design vorbildlich eingestuften und gewissermaßen zu einer Art Volkserziehung nutzen wollten, im Einzelnen:

Deutsches Warenbuch. Herausgegeben vom Dürerbund-Werkbund, Hellerau bei Dresden 1915.Jetzt wird Ihre Wohnung eingerichtet.Das Warenbuch für den neuen Wohnbedarf von Werner Gräff, Verlag Müller und Kiepenheuer, Potsdam, 1933.Deutsche Warenkunde. Herausgegeben vom Kunst-Dienst Berlin, Alfred Metzner Verlag, Berlin 1939-1941.Deutsche Warenkunde. Eine Bildkartei des Deutschen Werkbundes. Verlag Gerd Hatje, Stuttgart 1955-1961.Form und Dekor. Herausgegeben vom Institut für angewandte Kunst, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1955-1961


In der Konsequenz fehlen eher profane Alltagsgegenstände. Autos - abgesehen vom Spielzeugbereich - etwa kommen überhaupt nicht vor. Auch die Werbewirtschaft mit ihren Gestaltungen von Verpackungen für Schokolade, Spülmittel, Zahnpasta oder Zigarettenschachteln sucht man vergeblich. Von subkulturellen Ansätzen bis hin zum Kitsch ganz zu schweigen, doch auch dies gehört zur Designgeschichte dazu. Das Kompendium setzt offensichtlich einen relativ elitären Begriff von "Alltags-Design" voraus.

Andererseits erhält man bei der Sichtung der insgesamt 4000 Faksimiles aus den fünf genannten Werken, deren Originale die Herausgeber teils mühsam auch aus Privatbeständen zusammen gesucht haben, durchaus eine lebhafte Anschauung vom "Geschmack" der jeweiligen Zeitspanne, insbesondere aber von den Autoren der entsprechenden Bände, die meist in Form von Loseblattsammlungen veröffentlicht und im Abonnement bezogen wurden.

Da ist dann so ziemlich alles dabei, was sich in einem Haushalt finden lässt, sei es Küchengeschirr oder Möbel, Spielzeug oder Körbe, Gartengerät oder Schmuck und vieles andere. Technische Geräte beschränken sich im Wesentlichen auf Lampen, Fotokameras, Radioempfänger und einen Fernseher, von denen es ja damals in Deutschland bis 1961 noch nicht allzu viele gab. Und wäre nicht die Abbildung eines "Volksempfängers" der Nazi-Zeit sehr aufschlussreich gewesen?

Dennoch ist die vorliegende Scheibe weithin interessant, mit ihren warenkundlichen Abbildungen inklusive Hersteller, Preis (bei den früheren Produkten noch in Reichsmark) und Zeitpunkt der Verbreitung. Besonders für den Kunsthistoriker ist manches Detail ohne Zweifel sehr erhellend, insofern findet diese CD-ROM ihre Berechtigung. Doch leider mit den erwähnten Beschränkungen, zumindest zum Vergleich oder als Ergänzung hätten wir uns auch Bilder aus dem ganz "normalen" Alltagsleben gewünscht, die weniger "trocken" wirken könnten.

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