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Rezension: Handbuch "Texten für das Internet"

11.02.2003 | 10:25 Uhr |

Heiße Tipps für Online-Autoren verspricht der Autor Saim Rolf Alkan, ohne ein Patentrezept zu geben.

Was macht den Erfolg einer guten Website aus? Warum kommen Surfer gern - und immer wieder - zu einer bestimmten Homepage zurück, zu anderen aber nicht? Zwar kennt auch Saim Rolf Alkan nach eigener Auskunft nicht das Rezept. Doch als Produzent von Web-Sites für Unternehmen wie als Fachautor gibt er in seinem Buch "Texten für das Internet - Ein Handbuch für Online-Redakteure und Webdesigner" zahlreiche Hinweise, wie man sich professionell in das Thema einarbeiten kann. Das Zauberwort dafür heißt "Content" - die originären Inhalte einer Website eben. Das sind nicht nur Texte, Bilder oder Grafiken - auch Links oder Downloads zählen dazu. Der Vorteil dieser Trennung von Inhalt und Form einer Internet-Seite liegt auf der Hand: Der Autor respektive Redakteur konzentriert sich auf das inhaltliche Angebot von Content, während die formale Produktion und das technische Know-how nicht unbedingt sein Problem sein müssen.

Der Leser - das bekannte Wesen


Websurfer lesen online anders in eine Zeitung oder einem Buch. Eine Binsenweisheit, die Alkan mit einschlägigen Studien belegt. Content is King in the Users Mind steht dafür als Leitsatz. In der Regel liest ein Besucher den Text auf einer Internet-Seite nicht gründlich, sondern "scannt" oder "skimmt" die Page zunächst oberflächlich. Dewegen sind aussagekräftige Überschriften, kurze Absätze, prägnante Zwischentitel, übersichtliche Aufzählungen und attraktive Blickfänger (Eyecatcher) schon in den ersten Sekunden entscheidend dafür, ob der User verweilt oder weiter klickt.
Darüber hinaus ist der Wert und die Verlässlichkeit der angebotenen Informationen ausschlaggebend für die Bindung des Lesers an die Webseite - hier geht es auf Seiten des Redakteurs schlicht um die gute alte Journalisten-Kompetenz. Wie bei einer gedruckten Ausgabe muss auch der Online-Autor seine Informationen sorgfältig prüfen und in anprechendem Deutsch darstellen. Hierzu gibt Alkan einen Überblick über die passende Ausdrucksweise und rhetorische Kunstgriffe für den Web-Journalisten. Ein eigener Abschnitt dient der spezifischen Gesetzmäßigkeit für das "Werbetexten im Internet". Es folgen Kapitel zur Struktur und Vernetzung des Internets respektive individueller Auftritte (etwa Linearität versus Matrix), zur konzeptionellen Erstellung einer Homepage (Stichwort: Storyboard) sowie zu Grundlagen der Seitengestaltung (Hypertext, Gestaltungsgesetze, Multimedia) im WWW. Auch von der effektiven Nutzung von Suchmaschinen und wie man die eigene Seite dort richtig anmeldet, erfährt der Leser detailliert.

Nicht nur für Experten: Content Management-Systeme


Schwerpunkt des letzten größeren Kapitels ist die grundlegende Einführung in Content Management-Systeme (CMS). Das sind "Programme zur Verwaltung von Inhalten". Ein CMS arbeitet als Datenbank gestützte Client-/Serverlösung: Der Client - in diesem Fall der Autor oder Redakteur - gibt Bilder, Texte und Links an den Server weiter, der sie dann in einer Datenbank speichert und deren Inhalte für das "Frontend" - die sichtbare Webseite - wieder zur Verfügung stellt. Solche Redaktionssysteme bieten Templates als Mustervorlagen an. Dort findet der Autor Eingabemasken für Überschrift, Teaser und den eigentlichen Text (Body). Dieses Verfahren eignet sich im Wesentlichen für dynamische Websites, weil hier die Trennung von Form (besonders Layout sowie Navigation) und Inhalt bereits vollzogen ist: Eine Seite muss der Redakteur nicht immer neu programmieren, wenn er ihr neuen Content hinzufügen will, so können auch technisch unerfahrene Autoren zum Web-Publisher aufsteigen.

Fazit


An diesem Buch gibt es aus Sicht eines Mac-Anwenders lediglich zu kritisieren, dass sämtliche Screenshots das Internet durch die Brille von Windows-Browsern zeigen.
Davon abgesehen hat Saim Rolf Alkan ein Werk vorgelegt, das Fundamentales fachkundig und ansprechend zugleich präsentiert. Ein Buch, das wir nicht nur Online-Autoren oder Internet-Redakteuren empfehlen. Auch der Surfer dürfte es interessant finden zu erfahren, warum ihm gerade diese Seite gefällt und eine andere nicht. Spannend ist auch die Frage, ob das eigene Lese- und Klick-Verhalten im Internet mit dem statistisch erforschten übereinstimmt. Obendrein erhält der Leser eine ganze Menge Hintergrundwissen über ein Medium, das für viele inzwischen wie selbstverständlich zum Alltag zählt. Ein Buch, das unbedingt in die Web-Bibliothek gehört.
Thomas Hartmann

Info: Saim Rolf Alkan, Texten für das Internet. Ein Handbuch für Online-Redakteure und Webdesigner, Bonn 2002 (Galileo Press GmbH), 230 Seiten, ISBN 3-89842-21 4-3, 29,90 Euro. Zu beziehen über Macbooks.de

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