969924

Rezension: PHP 5 interaktiv, Dpunkt Verlag

21.05.2007 | 14:12 Uhr |

PHP 5 interaktiv erklärt die Grundlagen der Programmiersprache PHP mit guten Beispielen, aber etwas langatmigen Texten.

PHP5
© Walter Mehl

Das Spezielle an PHP steckt schon im Namen: Mit "PHP: Hypertext Preprocessor" ist gemeint, dass die Sprache für Skripte genutzt wird, die auf einem Webserver gespeichert sind und die man nutzt, um den Inhalt von Internetseiten dynamisch zu machen - ihn beispielsweise aus einer Textdatei oder einer Datenbank zu laden.

Was PHP für Einsteiger anstrengend macht, ist einerseits die Syntax (Glücklich schätze sich derjenige, der die Programmiersprache C kennt) und andererseits der Reichtum der Module, die im Laufe der vergangenen zehn Jahre entstanden sind. Ein Buch über PHP ist deshalb immer ein Spagat, weil der oder die Autoren die Sprache erklären müssen und die zahlreichen Komponenten, mit denen PHP in Kontakt tritt.

Aktuell liegt das Buch PHP 5 interaktiv vor uns (2. Auflage, Sommer 2006, Dpunkt-Verlag). Autoren sind die zwei Dozenten Andreas Buchmann und Ralf Smolarek. Sie haben auf 460 Seiten eine sehr formale Beschreibung von PHP geschrieben, die zumindest auf den ersten 160 Seiten sehr ermüdet. Denn die beiden Autoren legen den Schwerpunkt im Buch auf Vollständigkeit und eine eher formale Abhandlung - der Leseanreiz oder gar Lesespaß fällt deshalb geringt aus.

Gut gefällt uns die universelle Einstellung bei Entwicklungswerkzeugen, PHP-Installation und Datenbank-Verbindung: Die Autoren beschreiben die Installation unter Windows, Linux und Mac-OS X, verweisen kurz auf Entwicklungswerkzeuge (unter Mac-OS X leider nur auf Textwrangler von Barebones Software) und arbeiten später bei der Datenspeicherung auf dem Server mit MySQL, ODBC-Verbindungen zu Windows Access und mit simplen Textdateien.

Von Anfang macht außerdem der Spickzettel einen guten Eindruck auf uns. Auf einem gummierten Faltblatt, das etwas größer als ein DIN-A3-Blatt ist, steht eine ansehnliche Übersicht von PHP-Funktionen. Genannt werden die Versionsnummer von PHP, ab der der Befehl verfügbar ist, der Rückgabewert und die Syntax des Funktionsaufrufs. Diese Sisyphus-Arbeit ist eine exzellente Hilfe bei der PHP-Programmierung und man kann den Autoren nicht genug dafür danken, dass sie diese Übersicht erstellt haben.

Was uns an dem Buch aber stört, sind die Seiten ab 30 (nach der Einleitung und der Installationshilfen) bis ca. 130. Auf diesen 100 Seiten arbeiten die Autoren die Grundlagen von PHP ab, angefangen von den Variablenarten und Konstanten bis hin zu Funktionsaufrufen und zeigen die ersten Schritte in der Auswertung und Aufbereitung von Formularen. Da es keinen roten Faden gibt, empfehlen wir diesen Teil zu überspringen und nur als Referenz zu benutzen, wenn man eines der ausgefeilteren Beispiele nicht versteht.

Erst ab Seite 130 beginnen Beispiele, die man als Basis für die PHP-Programmierung nutzen kann. Zum Beispiel die Speicherung einfacher Texte in einer Datei, wobei die Daten per Formular auf den Server kommen. Darauf aufbauend gibt es dann mehrere lange und anspruchsvolle PHP-Skripte für ein Gästebuch.

Das Thema PHP und die Datenbank SQL beginnt mit einer eher kurzen und wieder sehr formalen (sprich: langweiligen) Abhandlung über die Datenbank-Befehlssprache SQL, das folgende Beispiel mit einer Filmdatenbank entschädigt aber recht gut für die tröge Einführung, da es an mehreren Stellen auf die Sicherheitsaspekte und Geschwindigkeitsprobleme verweist und der abgedruckte Skriptcode exzellent funktioniert.

Bei den zwei folgenden Kapiteln über die Anbindung an die ODBC-Schnittstellen von Datenbanken (im Buch im wesentlichen an die Windows-Datenbank Microsoft Access) und die Arbeit mit Cookies und Sessions kommt vieles zu kurz. Während im ODBC-Kapitel noch ein halbwegs brauchbares Beispiel mit einer kleinen Datenbank über Autohersteller zum Einsatz kommt. Im Abschnitt über Cookies fehlen die praktisch nutzbaren Beispiele oder die Analyse eines bekannten Cookie-Mechanismus wie ihn Google, Spiegel Online und viele andere Großfirmen verwenden. Interessant wird erst wieder Abschnitt über die Anmeldeprüfung mit Benutzernamen und Kennwort, deren Daten in Cookies gespeichert werden.

Danach folgt ein eher formaler Einschub über Suchoperatoren oder im Informatiker-Deutsch "reguläre Ausdrücke", die man nutzt, um komplexe Suchen aufzubauen. Wer Unix-Erfahrung mit der Software "grep" oder mit der Programmiersprache Perl hat, kann diesen Abschnitt getrost übersprigen oder sich kurz einlesen, um das vorhandene Wissen an die Syntax von PHP anzupassen. Das Thema "Grafiken mit PHP erstellen" gefällt uns dagegen gut. Der Einstieg in die Grafikbibliothek GD ist kurz gehalten; nach zwei Seiten beginnt schon das erste Skript, mit dem man mit PHP-Befehlen ein JPEG-Bild erzeugt. Von dort geht es weiter mit der Produktion von PDF-Dateien, die ähnlich direkt aufgebaut ist und so deutlich mehr Anregung liefert, das Gelesene selbst nachzubauen. Der grafische Abschnitt endet mit dem Versuch einer Erklärung, der Verbindung zwischen Flash-Animationen und PHP. Da Flash-Grafiken eine eigene Welt sind, bekommt man auf den 17 Seiten bestenfalls eine Ahnung, was aus der Kombination der beiden möglich ist.

In unseren Augen viel zu kurz kommen dann die beiden letzten Kapitel über objektorientierte Programmierung in PHP 5 und die nötigen Sicherheitsvorkehrungen. PHP ist eine der Zielscheiben für Angriffe auf Internetserver, deshalb muss bei allen öffentlich zugänglichen Servern mit PHP-Skripten sehr große Vorsicht beim Umgang mit Daten an den Tag gelegt werden. Ganze sieben Seiten zum Thema "Sicherheit" sind viel zu wenig; vor allem weil Hinweise auf weiterführende Internetadressen wie www.php-security.org oder www.php-resource.de / fehlen.

Fazit

Das Buch PHP 5 interaktiv von Buchmann und Smolarek ist in unseren Augen nur befriedigend - die Beispiele sind gut gewählt und erklärt, doch der Aufbau des Buches und der Behandlung der Grundlagen erinnern uns zu sehr an ein universitäres Vorlesungsskript - und zwar eines, das nur wenig Motivation und Leseanreiz vermittelt.

Weitere Informationen: Omnigena Verlag, www.omnigena.de

0 Kommentare zu diesem Artikel
969924