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Richterin sieht Steve Jobs als „zentrale Figur“ im Fall um Abwerbestopp

11.08.2014 | 06:37 Uhr |

Im Prozess um den illegalen Abwerbestopp hat Bezirksrichterin Lucy Koh am letzten Freitag einen Antrag für außergerichtliche Einigung abgelehnt. Der Grund: Die angebotene Schadensersatzsumme ist zu niedrig.

Nach den im Mai 2009 von der US-Handelsbehörde FTC eingeleiteten Untersuchungen konnten in 2013 drei der ursprünglich sieben wegen Kartell-Bildung angeklagten Firmen, Intuit, Lucasfilm und Pixar, eine außergerichtliche Einigung erreichen.

Die verbleibenden vier Firmen, Adobe, Apple, Google und Intel boten 324,5 Millionen US-Dollar, aber Koh berechnete, dass nach Abzug von rund 81 Millionen an Anwaltskosten pro betroffener Mitarbeiter nur 3.750 US-Dollar an Schadensersatz ausgezahlt werden würden. Koh schätzt, dass die Mitarbeiter für Schadensersatz bis zu drei Milliarden US-Dollar fordern sollten. Falls das Gericht den Abwerbestopp als Verstoß gegen das Kartell-Gesetz anerkennt, dann könnte sich die Forderung auf bis zu neun Milliarden US-Dollar erhöhen.

Koh betonte in der Ablehnung am letzten Freitag, dass Steve Jobs eine Schlüsselfigur und wahrscheinlich die treibende Kraft hinter dem Abwerbestopp-Abkommen war. Googles Mitbegründer Sergey Brin hatte im Zeugenstand ausgesagt, dass er von Jobs Drohungen erhielt, als er einige Mitarbeiter des Safari-Entwicklerteams abzuwerben versuchte. „Jobs erklärte, wenn Google auch nur einen Mitarbeiter aus diesem Team übernimmt, bedeutet dies Krieg“, beteuerte Brin. Eric Schmidt, Googles CEO, beschreibt das außervertragliche Abkommen mit mehr Diplomatie: „Jobs regte an, dass Firmen sich gegenseitig keine technischen Spezialisten abwerben sollte“, sagte Schmidt vor Gericht aus und fügte hinzu, dass die Haltung von Steve Jobs den Einstellungsprozess bei Google beeinflusste.

Koh veröffentlichte in der Gerichtsentscheidung, dass Google einen Personalvermittler feuerte, der sich nicht an das Abkommen hielt. Schmidt entschuldigte sich dafür per E-Mail bei Jobs und fügte die Kopie der Kündigung hinzu, die Jobs dann mit einem Smiley versah und an Apples Personalabteilung weiterleitete. Laut Koh beteiligte sich Bruce Chizen, der ehemalige CEO von Adobe, an dem Abkommen, weil er durch Jobs eingeschüchtert wurde. Chizen sorgte sich, dass Jobs aus Rache wichtige Mitarbeiter bei Adobe abwerben würde.

Gleichzeitig betonte Koh, dass Google keineswegs in dem Prozess nur ein Opfer ist: Laut beschlagnahmten E-Mails hat Schmidt mindestens zwei Personalvermittler entlassen und weiteren die Kündigung angedroht, um das Abwerbestopp-Abkommen einzuhalten. Auch Adobe und Intel müssen zur Verantwortung gezogen werden, weil die Mitarbeiter die eigentlichen Leidtragenden sind.

Richterin Koh setzte für den 10. September eine Beratung mit Staatsanwälten an, um über den nächsten Schritt in diesem Prozess zu entscheiden.

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