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Roaminggebühren sollen noch in Sommerferien drastisch sinken

16.05.2007 | 09:32 Uhr |

Endlich Schluss mit den hohen Handy-Rechnungen nach dem Urlaub: Gespräche im europäischen Ausland sollen noch in den Sommerferien deutlich billiger werden.

Nach monatelangem Streit einigten sich Vertreter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, des Europaparlaments und der EU-Kommission am Dienstag in Brüssel auf einen Kompromiss für eine beispiellose Deckelung der Handy- Auslandsgebühren. Demnach sollen per Gesetz die so genannten Roaming- Gebühren auf zunächst 49 Cent je Minute für abgehende und 24 Cent für angenommene Gespräche sinken. Kunden, die selbst aktiv werden, könnten schon im August in den Genuss des neuen «Euro-Tarifs» kommen. Das Europaparlament und die EU-Regierungen müssen dem Kompromiss zustimmen. Kritik kam von Seiten der Mobilfunkanbieter. «Der Markt hat sich in den letzten Jahren beim Roaming kaum entwickelt», sagte die Vorsitzende des zuständigen Industrieausschusses, Angelika Niebler (CSU). «Nun muss die Politik für günstigere Preise sorgen.» Besonders die EU-Kommission dringt seit langem auf eine Senkung der Gebühren, die in Europa teilweise bis zu 3 Euro pro Minute betragen. Nach einem weiteren Jahr sollen die Obergrenzen auf 46 Cent, im dritten Jahr auf 43 Cent sinken. Die Deckelung für angenommene Anrufe soll bei 22 und dann 19 Cent liegen. Zu den Preisen kommt jeweils noch die Mehrwertsteuer. Das Parlamentsplenum soll dem Kompromiss am 24. Mai zustimmen, die zuständigen Fachminister auf ihrem Ministerratstreffen Anfang Juni. Die neue Verordnung könne schon Anfang oder Mitte Juli in Kraft treten, sagten Diplomaten. Drei Monate später muss der «Euro-Tarif» dann in der Praxis angeboten werden. Da die Unternehmen aber bereits binnen des ersten Monats ihre Kunden per Brief informieren müssen, kann für diejenigen, die schnell antworten, schon im August der neue Schutztarif gelten. Insbesondere der Streit um die Obergrenzen zwischen EU-Staaten und Parlament hatte eine Einigung immer wieder verzögert. So hatten Parlament und Kommission eine Absenkung auf höchstens 40 Cent je Minute für eigene und 15 Cent für angenommene Anrufe gefordert. Deutschland brachte Obergrenzen von 60 und 30 Cent ins Gespräch. Besonders EU-Staaten mit großen Mobilfunkkonzernen wie England oder einer boomenden Tourismusbranche wie Spanien wehren sich gegen die Regulierung. An diesem Mittwoch sollen Vertreter aller 27 Mitgliedstaaten über den Kompromiss beraten. Bundeswirtschaftsminister und EU- Ratspräsident Michael Glos (CSU) appellierte an den «guten Willen» der Beteiligten. Der Kompromiss sei «solide» und «für alle tragfähig». Im Parlament gilt grünes Licht indes als sicher. «Das vorliegende Ergebnis ist eine enorme Erleichterung für alle europäischen Verbraucher, die bislang zum Teil mit Wucherpreisen belastet wurden», sagte der Vorsitzende der SPD-Gruppe Bernhard Rapkay. Streit hatte es auch um die Geltung des neuen Schutztarifs gegeben. Er soll nun grundsätzlich automatisch für alle Verbraucher gelten, mit Ausnahme derjenigen, die sich bereits für einen Tarif mit besonderen Roaming-Konditionen entschieden haben. Auf die Roaming-Gebühren entfallen mit jährlich fünf Milliarden Euro knapp sechs Prozent der gesamten Mobilfunkumsätze. Von Mobilfunkanbietern kam Kritik. «Regulierung ist einem so wettbewerbsintensiven Markt nie gut», sagte T-Mobile-Sprecher Stefan Zuber. Man sei aber mit den derzeitigen Tarifen bereits «nicht weit von den neuen Preisen entfernt». Die wirtschaftlichen Folgen müssten erst noch errechnet werden. Auch von Vodafone hieß es, man müsse erst den kompletten Bericht abwarten und analysieren. (dpa)

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