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Robert Raiola: "Die Creative Suite 3 stellt uns vor drei Herausforderungen"

02.04.2007 | 12:04 Uhr |

Erst mit dem Erscheinen der Creative Suite 3 kann Apple den Wechsel auf die Intel-Architektur für vollendet erklären. Natürlich bleiben da noch Microsoft Office und ein paar andere Schwergewichte - Grafiker, Fotografen und Layouter aber halten nun kaum mehr gewichtige Argumente vom Switch auf einen Mac Pro oder ein MacBook Pro ab.

Für Adobe allerdings geht die Fertigstellung der Creative Suite 3 weit darüber hinaus: Schließlich stellt sie für den Hersteller den ersten großen Versionssprung seit dem Aufkauf von Macromedia da. Die Integration von Anwendungen wie Flash und Dreamweaver in die CS3 erlauben es dem Softwareunternehmen aus San Jose, sein Angebot deutlich auszubauen. Robert Raiola, Marketingdirektor von Adobe Europe, steht in einem Interview Rede und Antwort.

Herr Raiola, eine der Neuigkeiten, die einem beim Betrachten der neuen Creative Suite als erste auffällt, ist die Ausrichtung auf eine Vielzahl von Medien und Publikationsformen. Können Sie diese Strategie erläutern?

Schön, dass sie das bemerkt haben. Das steht im Zentrum unserer Entwicklungsstrategie. Bereits seit Jahren geben wir die gleiche Botschaft weiter: Wir versuchen, unsere Grafik-Applikationen so weiter zu entwickeln, dass sie sich für alle Medien eignen. Vor einigen Jahren haben wir mit der Einführung der "Network Publishing"-Technologie bereits den ersten Schritt gemacht. Im Prinzip verfolgen wir seit langer Zeit dieselbe Idee. Wir versuchen, dem Anwender die besten Werkzeuge zu liefern und möchten ihm beim kreativen Schaffen so viel Freiheit wie möglich lassen. Außerdem soll er seine fertigen Kreationen so leicht wie möglich in verschiedenen Medien verwenden können. Das war bereits am Anfang unsere Vision. Es gab dabei Bereiche, in denen wir stark waren, in anderen hatten wir mehr Schwierigkeiten. Der Kauf von Macromedia hat uns erlaubt, deutlich schneller Lösungen anzubieten, die die ganze kreative Welt abdecken.  

Mit der Creative Suite 3 stecken Sie sicherlich in der größten Entwicklung in in der Geschichte Adobes. Was sind ihre wichtigsten Ziele?

Das Besondere an dieser Version ist, dass sie uns gleich vor drei wichtige Herausforderungen stellt. Die erste hat mit der Größe der Aufgabe zu tun: Es gilt, die verschiedenen Angebote für den Print-, den Video- und den Web-Bereich gleichzeitig zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Das ist etwas, was wir zuvor noch nie versucht hatten. Wir haben es nun mit mindestens drei großen Entwicklungsteams zu tun, die bislang verschiedene Zeitpläne hatten. Die Tatsache, dass wir alle gleichschalten müssen und gleichzeitig die Entwicklung alle dieser Applikationen vorantreiben müssen, ist unheimlich komplex umzusetzen. Die zweite Herausforderung: ein Maximum an Zusammenarbeit zwischen den Produkten herzustellen, die bislang in unterschiedlichen Firmen unterschiedliche Entwicklungszyklen hatten. Da muss man neu ganz überlegen, wie man die Oberflächen aneinander angleichen kann und die Techniken so zusammenbringt, dass man Kompatibiliätsprobleme so klein wie möglich hält. Zudem soll jedes einzelne Produkt genug Neuerungen bieten, damit der auch der kreative Anwender zufrieden ist, der eine Anwendung alleine oder gemeinsam mit Produkten von anderen Herstellern einsetzt. Die dritte Herausforderung - und sicher nicht die kleinste - war es, auf die neue Hardware zu reagieren, die sich gleichzeitig parallel zur Entwicklung unserer Produkte selbst weiter entwickelt hat. Im Bereich des Mac mussten wir uns auf auf die Ankunft von Mac OS X auf der Intel-Architektur einstellen, während Leopard noch immer in der Entwicklung steckt.  

Warum haben Sie entschieden, Ihre Videolösungen erneut für den Mac zu entwickeln?

Adobe hat den Anspruch, einer der Hauptakteure im Bereich Video zu sein. Unser Ziel ist es, dass ein Anwender eine Idee entwickeln kann und sie während der Umsetzung auf eine Reihe von Medien überträgt. Mit der explosionsartigen Verbreitung von Videoinhalten im Internet wird das Medium immer wichtiger. Adobe ist in diesem Bereich mit Flash sehr präsent und so konnten wir uns immer schlechter vorstellen, weiterhin eine wichtige Rolle zu spielen, aber nur auf einer der beiden Architekturen vertreten zu sein. Die Wahl, den Mac wieder zu unterstützen, haben wir zu dem Zeitpunkt getroffen oder zumindest ernsthafter diskutiert, als Apple sich für die Intel-Architektur entschieden hat. Einige Jahre zuvor hatten wir beschlossen, unser Engagement für den Videobereich am Mac einzuschränken. Zu dieser Zeit folgerten wir: Die für die Videobearbeitung nötige Leistung würde in Zukunft außerhalb der Intel-Architektur fehlen und die Systeme nicht konkurrenzfähig sein. Apple hat in gewisser Weise denselben Schluss gezogen und ist nach vielen Jahren auf einer anderen Architektur zu Intel gewechselt. Diese Entscheidung hat uns erlaubt, unsere Präsenz auf dem Mac wieder neu ins Auge zu fassen. Zwischen der Entscheidung und der Umsetzung vergeht aber immer etwas Zeit.  

Was ist innerhalb der neuen Creative Suite ihre Lieblingsanwendung?

Ich würde gerne zwei nennen. Mein persönlicher Favorit ist InDesign. Der Grund dafür liegt darin, dass es eine Anwendung ist, die vor einigen Jahren von Null gestartet ist und damals ein ungeschriebenes Blatt war. Wir haben es zu einem Zeitpunkt auf den Markt gebracht, als wir praktisch keine Marktanteile im professionellen Publishing inne hatten. Es ist eine Anwendung, die nicht aufgehört hat, sich laufend zu verbessern und reicher an Funktionen zu werden. Es ist aber auch eine Software, die Jahre lang unsere Unterstützung gebraucht hat, um Schritt für Schritt Marktanteile zu erobern. Heute ist InDesign nach unseren Untersuchungen und Marktanalysen die Nummer 1 auf dem Markt geworden. Wir haben immer versucht, aus InDesign nicht nur das produktivste Werkzeug zu machen, sondern auch das, das auch am offensten für kreative Ideen ist. In Version CS3 haben wir im Bereich der Produktivität einige großen Fortschritte gemacht, Texte und mehrere Bilder lassen sich beispielsweise in Blöcken platzieren. Das ist meine Lieblingssoftware. Ich glaube aber, dass der Markt Photoshop wählen würde, weil das die Anwendung ist, die am meisten kreative Profis einsetzen. Gemeinsam mit der CS3 kommt eine Photoshop-Version heraus, die unglaublich ist: Photoshop Extended öffnet sich für die Zukunft, öffnet sich für 3D und öffnet sich einer Welt außerhalb der Grafik, der Welt der Videos, der Bearbeitung von Bildern innerhalb eines Videos. Es gibt unheimlich viele innovative Dinge in Photoshop und es ist eine Anwendung, die auf diesem Markt sehr mit großem Abstand an der Spitze der Innovation steht.  

Mehrere Studien gehen davon aus, dass die Markteinführung der Creative Suite einen deutlichen Einfluss auf die Verkaufszahlen der Macs haben wird. Was glauben Sie?

Ich habe die gleichen Studien gelesen und glaube, dass das völlig logisch und deshalb wahrscheinlich ist. Man wechselt sein Betriebssystem oder seine Produktionsplattform nur ungern, wenn es dafür keine neuen Applikationen gibt. Einfach nur eine optimierte Anwendung zur Verfügung zu haben, reicht da nicht. Es muss neue, innovative Anwendungen gibt, die die Vorteile der Architektur ausnutzen. Darauf warten Anwendern im Allgemeinen, bevor sie ihre Produktionswerkzeuge erneuern.  

Nach der Creative Suite wird Apollo die nächste große Entwicklung in Ihrem Hause sein. Können sie uns mehr zu dieser Technik sagen?

Das ist eine sehr große Entwicklung, die zeigt: Adobe ist eine Firma, die sich trotz ihrer Erfolge in einigen Bereichen nicht auf ihren Lorbeeren ausruht und innovativ bleibt. Es ist aber auch eine sehr aufregende Entwicklung, weil wir damit in Konkurrenz zu Microsoft treten. Und schließlich ist die Technik für Apple und den Macintosh sehr interessant, da es Apollo einem Entwickler erlaubt, gleichzeitig wowohl für den Mac als auch für PCs zu programmieren. Wenn einem Entwickler heute nur limitierte Ressourcen zur Verfügung stehen, dann ist die Chance groß, dass er sich auf die Welt der PCs konzentriert - dort der Markt größer. Mit Apollo aber wird er sich nicht mehr auf ein System beschränken müssen. Seine fertiges Programm wird sofort und auf die gleiche Weise auf Macs und auf PCs funktionieren. Etwas auf dieselbe Weise ausführen heißt aber nicht, dass man das Interface des Macs nicht einbeziehen kann: Eigenheiten unter Mac OS X wird man auf der Code-Ebene angeben können. Programmierer werden viel einfacher großartige Applikationen entwerfen können, die auf beiden Architekturen gut funktionieren.

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