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"Rote Hacker" bringen China als "Cyber-Drachen" an den Pranger

07.09.2007 | 09:29 Uhr |

Stimmt alles nicht, reagiert Chinas Regierung gebetsmühlenartig auf die Vorwürfe über "rote Hacker" in Diensten des chinesischen Militärs. Alles sei nur eine neue Variante der gerne von Kalter-Kriegs-Mentalität genährten Theorie, dass China eine "Bedrohung" für die Welt sei.

«China ist ein verantwortliches Land und würde niemals so etwas Abscheuliches tun», empört sich der Konteradmiral und Direktor des Instituts für strategische Studien der Verteidigungsuniversität, Yang Yi, nach Angaben amtlicher Medien vom Donnerstag. «Tatsächlich hat China niemals sogenannte militärische Hacker gehabt», beteuert er kategorisch. Es war das erste Mal, dass ein hoher Militär konkret und offensiv Zeitungsberichte zurückwies, dass die Volksbefreiungsarmee hinter den Hacker-Angriffen auf deutsche, amerikanische oder möglicherweise auch britische Regierungscomputer stecken soll.

China will eben nicht auch noch als «Cyber-Drache» am Pranger stehen. Doch welcher Staat könnte Hacking schon offen zugeben, selbst wenn es heute zum Spionagealltag gehört? Dass sich ausgerechnet China nicht solcher «Aufklärung» oder Cyberkriegsführung widmen sollte, erscheint Diplomaten höchst unwahrscheinlich. Immerhin studieren hohe Offiziere an der Universität den «Krieg im Informationszeitalter». Das Land rüstet sich offen für das erklärte militärische Ziel, auf einen Konflikt «mit modernen Informationstechnologien» vorbereitet zu sein. Der Abschuss eines ausgedienten Wettersatelliten mit einer Rakete vom Boden demonstrierte im Januar die Fähigkeit, auch satellitengestützte Kommunikation des Feindes unterbrechen zu können. Es war eine deutliche Botschaft an die USA, die mehr als jedes andere Land von der Kommunikation über Satelliten und Computer abhängen.

Dass China - wie andere Länder auch - findige Hacker hat, ist unbestritten. Rund 80 000 Mitglieder will eine Hackerunion (HUC) besessen haben, die sich 2005 offiziell aufgelöst hat. Ihr Netzwerk soll das fünftgrößte der Welt gewesen sein. Als die NATO 1999 irrtümlich Chinas Botschaft in Belgrad bombardierte, bewiesen die Hacker, was sie drauf haben, und attackierten Webseiten von US- und NATO-Behörden. Ähnlich war es nach dem Zwischenfall zwischen einem US-Spionageflugzeug und einem chinesischen Kampfflieger 2001, als es zu einer Schlacht zwischen Hackern kam. Immer wieder geht ein «Titan- Regen», wie die USA die Angriffe 2005 nannten, über den USA nieder. Sicher hat China Recht, dass es «bisher keine stichhaltigen Beweise» für die Verwicklung seines Militärs gibt. Auch ist Hacken ein internationales Problem. China wird selbst Opfer. Symantec, die US-Internetsicherheitsfirma, identifizierte im März die USA als Ursprungsort von 31 Prozent aller bösartiger Internetaktivitäten. China wurde - wie Deutschland - für sieben Prozent verantwortlich gemacht. Über unsichere Computer und Netzwerke anderswo können Hacker aber ihre Herkunft verschleiern. Vielleicht hat Admiral Yang Yi auch Recht, dass viele Länder «immer noch Misstrauen» gegen China hegten, das gleichwohl eine defensive Strategie verfolge. Nur seine Beteuerung, dass China «niemals als erster einen Angriff starten wird», dürfte zumindest in Taiwan anders gesehen werden. Immerhin ermächtigt und verpflichtet das Anti-Abspaltungsgesetz von 2005 das Militär zu einem Schlag gegen die freie demokratische Inselrepublik, wenn sich diese von China abspalten oder ewig einer Wiedervereinigung entziehen wollte. Die Möglichkeit ist wegen der vor Olympia 2008 in Taiwan wachsenden Unabhängigkeitsbestrebungen heute die bedrohlichste. Für Peking wäre es nur eine «innerchinesische» Krise, weil Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet wird. Doch würden die USA zwangsläufig in den Konflikt hineingezogen, da sie sich der Verteidigung Taiwans verpflichtet sehen. Dass dabei mit chinesischen Cyberattacken und Weltraumangriffen auf US-Satelliten gerechnet werden muss, simulierte das Pentagon schon im Januar 2001 - das Kriegsszenario war damals aber erst auf das Jahr 2017 projiziert. (dpa)

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