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Rückblende

25.08.2004 | 13:24 Uhr |

Es gibt verschiedene Wege, alte Zelluloidfilme in den Mac zu bekommen, um ihnen digitalen Glanz zu verleihen.

von Alex Milsmann


UNSCHÄTZBARE PRODUKTE cineastischer Kleinkunst dürften auch heute noch auf Dachböden und in Kellern schlummern und die Hoffnung praktisch schon aufgegeben haben, irgendwann noch einmal wiederentdeckt zu werden: Die Rede ist von Super-8- und anderen Schmalfilmen, die seit den ausgehenden Sechzigerjahren bis zur Verbreitung von einigermaßen tragbaren Videokameras in den Achtzigern das Hobby "Filmen" zum Massenphänomen machten. Die meisten der damals mühsam mit Schere und Kleber geschnittenen Familienausflüge und Urlaube sind wahrscheinlich bereits seit einiger Zeit nicht mehr vorgeführt worden. Denn der Aufwand ist einfach sehr hoch: Projektor und Leinwand hervorkramen und aufbauen, Zimmer abdunkeln, Film einfädeln und hoffen, dass die Klebestellen wenigstens dieses eine Mal noch halten werden. Unabhängig von dem haptischen Genuss, den die Prozeduren, die mit den Heimfilmvor- führungen verbunden sind, zweifellos auch heute noch bereiten können: Wäre es nicht sehr schön, die flimmerndern Erinnerungen in einem praktischeren Format parat zu haben, beispielsweise für die Betrachtung am Fernsehgerät? Wenn man die alten Super-8-Filme zum Beispiel auf Videoband, in Form einer Video-CD oder gar auf DVD vorliegen hätte, könnte man sogar jedem der Hauptdarsteller eine Kopie zukommen lassen - denn höchstwahrscheinlich leben Teile der damaligen Besetzungsliste heute bereits in alle Welt verstreut. All das ist durchaus möglich, und der Weg dahin führt über den Computer. Dies hat obendrein den Vorteil, dass man den alten Aufnahmen mit digitalen Mitteln zu etwas mehr Glanz verhelfen kann - beispielsweise, indem man Stummfilme von damals nachträglich mit einer Tonspur versieht oder eine vorhandene Tonspur aufpeppt. Obendrein lassen sich die Werke natürlich auch mit damals nicht verwendetem Material ergänzen, das sich sicherlich noch reichlich auf kleinen schwarzen Spulen irgendwo im Karton versteckt findet. Oder man kann die Filme auch komplett neu arrangieren - dem Mac und iMovie sei Dank. Einzige Voraussetzung: Das Material muss für die Bearbeitung mit iMovie im DV-Format vorliegen, also als digitales Video. Nur - wie bekommt man alte Super-8-Spulen in dieses Format?

Telecine

Liegen Projektor und Kamera nicht auf derselben optischen Achse, ergibt sich eine so genannte Trapezverzerrung bei der Aufnahme.
Vergrößern Liegen Projektor und Kamera nicht auf derselben optischen Achse, ergibt sich eine so genannte Trapezverzerrung bei der Aufnahme.
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Der Vorgang, Zelluloidfilme in ein Videoformat zu bringen, wird "Telecine" genannt. Aber mit simplem Abfilmen der Leinwand ist es leider nicht wirklich getan, denn zahlreiche Faktoren beeinflussen die spätere Qualität des Films im Videoformat. Das ist auch der Grund, warum es heute einige Dienstleister gibt, die sich darauf spezialisiert haben, Zelluloidfilme in digitale Formate zu transferieren (siehe Kasten, Seite 30). Damit umgeht man sämtliche technischen Probleme, erhält einwandfreie digitale Videokopien seiner Filme, muss dafür aber auch eine entsprechende Vergütung bezahlen - und beraubt sich letztlich auch der freudvoll-frustrierenden Fummelei, die zwischen dem Vorhaben und der fertigen Digitalkopie steht.

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