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SAP-Ergebnis besser als erwartet

08.01.2001 | 00:00 Uhr |

Positive Geschäftszahlen haben der Aktie des
Softwarekonzerns SAP nach langem Sinkflug zu einem furiosen Spurt
verholfen.

Wie der größte Softwarehersteller Europas am Montag in Walldorf
mitteilte, stieg vorläufigen Zahlen zufolge der Umsatz im
Schlussquartal 2000 um 27 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro (etwa 4,1
Mrd DM). Ohne Berücksichtigung der Kosten des Mitarbeiter-
Bonusprogramms STAR sei das operative Ergebnis um gut 40 Prozent auf
mehr als 600 Millionen Euro geklettert.

Nachdem Gerüchte über eine mögliche Gewinnwarnung die Frankfurter
Börse in den vergangenen Tagen beunruhigt hatten, schossen die
Vorzüge der SAP AG bis zum Nachmittag um 19,7 Prozent auf 149,80 Euro
nach oben. Damit waren die Walldorfer mit Abstand Spitzenreiter im
DAX. Zwischenzeitlich war das Papier sogar auf über 150, Euro
geklettert.

Für das Gesamtjahr ergäbe sich im Vergleich zu 1999 (5,1 Mrd Euro)
ein kräftiger Umsatzanstieg um mehr als ein Fünftel auf 6,2
Milliarden Euro (12,1 Mrd DM). Die SAP nahm dazu nicht Stellung. «Wir
werden die heute vorgelegten Zahlen nicht weiter interpretieren»,
sagte Sprecher Markus Berner. Im vierten Quartal sei der Umsatz mit
Softwarelizenzen um ein Viertel auf gut eine Milliarde Euro
gestiegen, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Zahlen zum
Gesamtjahr sollen am 23. Januar vorgelegt werden.

Die e-business-Initiative mySAP.com mit Software für den
elektronischen Handel läuft ebenfalls besser als erwartet. Der
Umsatzanteil der mySAP.com-Produkte werde im Jahr 2000 «sicher» 60
Prozent betragen und damit die ursprünglichen Planungen um 10
Prozentpunkte übertreffen, hatte Vorstandssprecher Hasso Plattner
kürzlich der «Börsen-Zeitung» in einem Interview gesagt.

Offen ist die Frage, wie sehr das teure STAR-Bonusprogramm den
Reingewinn im Geschäftsjahr 2000 beinträchtigen wird. Wegen des STAR-
Programms war der Gewinn in den ersten neun Monaten im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 260 Millionen Euro gesunken.
Insgesamt wird die Mitarbeiter-Gewinnbeteiligung des Jahres 1999
voraussichtlich mit 670 Millionen Euro zu Buche schlagen, verteilt
auf die Geschäftsjahre 1999, 2000 und 2001. Bis Ende September waren
544 Millionen Euro bereits verbucht. Im vierten Quartal rechnet die
SAP ursprünglichen Prognosen zufolge mit weiteren STAR-Belastungen
zwischen 59 und 64 Millionen Euro.

Insgesamt habe SAP ein «schönes Ergebnis» vorgelegt, sagte die
Analystin Friederike Herkommer von der Münchner HypoVereinsbank.
Michael Mantlik von der Vereins- und Westbank in Hamburg erwartete
für das vierte Quartal STAR-Kosten in Höhe von etwa 54 Millionen
Euro. Die SAP-Aktie sei nach Vorlage der Zahlen positiv
einzuschätzen, sagte der Händler einer Frankfurter Großbank. Das
Kursziel sehe er bei 220 Euro. Nachdem Technologiewerte in den
vergangenen Wochen schwach gewesen seien und zahlreiche Unternehmen
Gewinnwarnungen herausgegeben hätten, überwänden Anleger jetzt ihre
Ängste. Die SAP-Aktie hat in den vergangenen Monaten stark gelitten.
Seit September war das Papier von 300 auf 125 Euro gesunken.
dpa

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