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SCO, IBM und der Streit um Unix

12.06.2003 | 15:07 Uhr |

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Auf die erst jetzt öffentlich gewordenen Klage gegen Apple trifft diese Weisheit wohl nicht zu. Nachdem sich IBM und SCO um den Code streitet, streitet die Opengroup jetzt mit Apple um den Namen.

Macwelt/München - Die Mühlen der Gerichte mahlen langsam. So auch bei der erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangten Klage der Open Group (früher X/Open) gegen Apple. Apple benutze unrechtmäßig den geschützten Markennamen Unix für sein aktuelles Betriebssytem Mac-OS X. Doch anders als in der Auseinandersetzung zwischen der SCO Group und IBM, bei dem IBM beschuldigt wird, unrechtmäßig Sourcecode von SCO benutzt zu haben, geht es bei der bereits 18 Monate zurückreichenden Klage gegen Apple "lediglich" um Markenrechte. Denn anders als meist in den IT-Medien in letzter Zeit zu lesen war, "gehört" Unix nicht der SCO Group, sondern vielmehr ist Unix eine weltweit registrierte und geschützte Marke der Open Group. Die Open Group ist eine händlerunabhängige Organisation, die sich aus dem aktuellen Streit von IBM/SCO heraushält und neutral zeigt - "das sollen die Gerichte entscheiden". Der Open Group sieht sich selbst dagegen gerne als Anwalt der Unix-Anwender, der den schadhaften Missbrauch der Marke Unix verhindern möchte.

Und diesen hat sie offensichtlich in dem "Unix based" Symbol und "The power of Unix" erkannt, das Apple gerne benutzt, um die Leistungsfähigkeit und Stabilität von Mac-OS X zu unterstreichen. Bis August wollen beide Parteien Dokumente austauschen, ein Gerichtstermin der anhängigen Klage wird für Februar kommenden Jahres erwartet. Während die Open Group in der Kennzeichnung Apples eine Verletzung der eigenen Markenrechte am Namen "Unix" sieht, vertritt Apple die Ansicht, Unix sei bereits zum Allgemeingut zu zählen, deshalb sei es legitim, dieses auch so zu kommunizieren.

(ZÜ) Geschichte der Unix-Rechte

Novell hatte einst das Unix-System-Geschäft von AT&T/USL erworben und dieses 1994 verkauft. Nur statt ein einzelnes Paket ging damals die Rechte am Namen und der Spezifikation an die Open Group (damals noch X/Open Company) und gleichzeitig verkaufte Novell den Source Code des Unix System V und die Produktimplementation Unixware an SCO. In der Zwischenzeit ging allerdings auch der Name Unixware von SCO an die Open Group. Damit vertreibt SCO, wie alle anderen Händler ein Unix-System, das von der Open Group in einem eigenen Verfahren zertifiziert wurde.

Und genau das möchte die Open Group mit ihrer Klage nun auch Erreichen: Zum einen soll Mac-OS X einem Zertifizierungsverfahren unterzogen werden, ob es die Softwarestandards erfüllt, die ein Unix-System erfüllen muss, zum anderen soll Apple dazu natürlich eine Schutzgebühr an den rechtmäßigen Markeneigner entrichten.

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