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SCO bittet zur Kasse

23.07.2003 | 13:57 Uhr |

Sein frisch verbrieftes Unix-Copyright will SCO bei Firmen zu Geld machen, die Linux ab Kernel 2.4 verwenden. CEO Darl McBride hofft auf Milliardeneinnahmen durch spezielle Unixware-Lizenzen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Schon mehrfach berichteten wir über Pläne der SCO Group, ihre vermeintlichen Urheberrechte an Unix bei Linux-Unternehmensanwendern (Privatnutzer bleiben einstweilen außen vor) zu Geld zu machen. Inzwischen sind weitere Details bekannt: SCO hat sich sein Recht an Unix System V vom US Copyright Office verbriefen lassen - dies war für den Drei-Milliarden-Dollar-Prozess gegen IBM nötig - und will spezielle "Unixware-7.1.3"-Lizenzen anbieten, die Anwendern den legalen Runtime- und Binärbetrieb von Linux ab Kernel 2.4 gestatten. "Angefangen hat dies als Vertragsklage gegen IBM. Ab heute ist das ein anderes Spiel", drohte SCO-CEO (Chief Executive Officer) Darl McBride.

"Seit dem Jahr 2001 haben kommerzielle Linux-Kunden Software gekauft und erhalten, die widerrechtlich angeeignete Unix-Software enthält, die SCO gehört", ergänzte Senior Vice President SCOsource Chris Sontag. "Auch wenn die Nutzung unerlaubt kopierter Software gegen das Urheberrecht verstößt, möchten wir Linux-Kunden zunächst eine Option bieten, die ihre Infrastruktur nicht zerstört. Wir möchten ihnen die Wahl lassen, Linux legal und voll bezahlt zu verwenden." Kommerzielle Anwender will SCO bereits ab dieser Woche kontaktieren und über sein Vorhaben ins Bild setzen.

Alternativ könnten Firmen, die Linux verwenden, auch auf die ältere Version 2.2 des Open-Source-Betriebssystems zurückgehen, erklärte McBride (wohl wissend, dass viele speziell für Unternehmen interessante Features erst mit dem Kernel 2.4 eingeführt wurden). Ansonsten sollen sie an seine Firma eine Lizenzgebühr entrichten, die zwar noch nicht genau bekannt ist, sich aber an der von Unixware orientieren soll - das, zur Orientierung, kostet von 700 Dollar für einen Uniprozessor-Server bis zu über 10.000 Dollar für leistungsfähigere Systeme.

"Selbst wenn man eine Durchschnittssumme ansetzt, kommt man schnell auf ein paar Milliarden Dollar", sagte McBride. SCOs Aktienkurs profitierte gestern von diesen Anmerkungen und schloss an der Nasdaq zum Fixing fast zwölf Prozent fester bei 13,32 Dollar.

Es ist aber weiterhin unklar, ob SCO seine Behauptungen überhaupt belegen kann. Die IBM-Sprecherin Trink Guarino erklärte beispielsweise, SCO habe ihrer Firma noch keinen AIX-Sourcecode präsentiert, der seine Copyrights verletze. "Es scheint, als fordere SCO Kunden auf, auf Basis von Behauptungen und nicht Fakten für eine Lizenz zu zahlen", so die IBM-Frau. Leigh Day, Sprecherin des bis dato von SCO nie erwähnten amerikanischen Linux-Distributors Red Hat, ergänzte: "Wir sind vollkommen überzeugt, dass was wir unseren Kunden anbieten nicht gegen irgendwelches gültiges Urheberrecht verstößt."

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