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Safari- Apples Browser bricht Rekorde

09.01.2003 | 12:26 Uhr |

Etwa ein Jahr hat Apple im Verborgenen seinen Browser entwickelt und dabei nicht nur Anwender überrascht, sondern auch die Open-Source-Gemeinde.

München/Macwelt - Safari, Apples neuer Browser ist eindeutig ein Erfolg: in den ersten 24 Stunden der Verfügbarkeit wurde der schlanke Browser 300 000 Mal heruntergeladen, öfter als jedes andere Programm von Apple. Den bisherigen Rekordhalter iTunes haben sich vor zwei Jahren dagegen "nur" 100 000 Anwender gezogen.

Überrascht waren viele Apple-Kenner von der Wahl der Rendering-Engine - hätten die meisten doch auf die Verwendung der Open-Source-Engine Gecko getippt, die die Basis für Netscape, Mozilla und Chimera bildet.
Safari basiert dagegen auf KHTML. Die Browsertechnologie, sonst nur durch den Linux-Browser Konqueror bekannt, ist ein Open Source-Projekt, das eng mit den Linux-Entwicklern des Linux-Desktops KDE verbunden ist. Viele der hier beteiligten Entwickler stammen aus Deutschland.

Offenbar war auch den Entwicklern von KHTML Apples Entwicklungsarbeit unbekannt: Erst am 7. Januar erhielt Dirk Müller eine E-Mail von Apple, in der der Entwickler Don Melton sich bei den Linux-Programmierern vorstellt. Namhafte Programmierer, viele aus der Open Source-Szene, hatten seit etwa einem Jahr das Projekt Safari voran getrieben. Der Leiter des Teams, Don Melton, hatte 1998 an der Entwicklung von Mozilla gearbeitet. Die Entscheidung auf KHTML zu setzen, habe man wegen der schlanken und sauberen Codebasis getroffen, eine gute Voraussetzung für einen schlanken und schnellen Browser. Ein weiteres Mitglied des Teams, David Hyatt, ist durch seinen beliebten Browser Chimera bekannt, Darin Adler und eine Reihe weitere Programmierer stammen von den Entwicklern des Dateimanagers Nautilus.

Apple hatte nach der Insolvenz der Linux-Firma Eazel eine Reihe von Programmierern übernommen, die nun etwa ein Jahr an der Umsatzung der als Open Source frei verfügbaren Browser-Komponenten KHTML und KJS für Mac-OS X arbeiteten. KJS, das für die Umsetzung von Javascript zuständig ist, wird übrigens bereits von Sherlock genutzt.
Der Browser ist in ständiger Weiterentwicklung: so berichtet Hyatt in seinem Weblog bereits von ersten Korrekturen. Was etwa noch fehlt, ist die immer wichtiger werdende Unterstützung von XML. Auch bei einigen auf Mozilla oder Internet Explorer optmierten Seiten hat Safari kleinere Probleme. So gibt sich Safari bei einem Server als Mozilla-Browser aus, was notwedig ist, um so viele DHTML-Funktionen darstellen zu können wie möglich. Safari kann jedoch noch nicht alle nicht alle Befehle umsetzen. Ein Performance-Problem mit Flash-Seiten wurde laut Hyatt von den Programmierern inzwischen behoben und wird durch das nächste Update beseitigt werden.

Bisher sind aber offenbar die meisten Nutzer von dem Apple Browser begeistert. Zwar gibt es gelegentlich noch kleinere Darstellungfehler, (die leider auch mit Seiten von Macwelt.de auftreten), im Großen und Ganzen ist der Browser jedoch sehr schnell und unkompliziert zu benutzen. Gelegentlich scheint es jedoch erforderlich, den Cache zu leeren um Probleme bei der Seitendarstellung zu beheben. Sehr praktisch ist die Downloadfunktion, die besonders den Umgang mit Mac-OS X-Dateien vereinfacht. Jedoch gab es auch schon erste Warnungen, durch die Funktion Clear (die die heruntergeladenen Dateien entfernt) könnten ungewollt ganze Ordnerhierarchien gelöscht werden. Verbürgt ist diese Mitteilung jedoch nicht.

Auch die ersten Zusatzprogramme sind bereits erschienen. Wissbegierige Bastler können zusätzliche Optionen etwa mit dem Programm Safari Enhancer freischalten, das auf einige von Apple verborgene Funktionen zugreift. So kann etwa eine minimale Zeichengröße festgelegt werden, nützlich bei der Nutzung einiger und auf Knopfdruck werden Bookmarks des Internet Explorers importiert. Auf diese Weise können auch Bookmarks aus anderen Browsern importiert werden: Man muss nur vorher seine Bookmarks aus Chimera oder Netscape in den Internet Explorer importieren (im Internet Explorer über die Menüfunktion Datei--> Favoriten importieren).

Was jedoch von vielen Nutzern gewüscht wird, ist die Nutzung von Tabs. So gibt es bereits eine erste Online-Petition , in der Apple um die Integration dieser Karteireiterfunktion gebeten wird.
Stephan Wiesend

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