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„Salz war irgendwann auch nicht mehr die Topwährung“

22.06.2006 | 14:46 Uhr |

Als Gründungsmitglied der Fantastischen Vier schrieb Michael B. Schmidt alias Smudo deutsche Musikgeschichte. Inzwischen ist der Wahlhamburger 38 Jahre alt – und desillusioniert von der Branche. Warum er als Künstler weiterarbeiten, sich aber als Geschäftsmann zurückziehen möchte und was er vom Niedergang der CD, dem iPod und Musik aus dem Internet hält, erklärte uns Smudo in München.

Smudo, in Interviews haben Sie sich in letzter Zeit kritisch gegenüber der Musikindustrie geäußert und den durch Raubpiraterie bedingten Niedergang des fossilen Tonträgers angeprangert. Warum sind Sie so frustriert?

Ich habe eigentlich immer versucht, einen Standpunkt zu vertreten, der beide Seiten beleuchtet. Auf der einen Seite verstehe ich natürlich die Industrie, immerhin leiden wir mit unserem eigenen Label Four Music auch stark unter der derzeitigen Entwicklung. Aber ich finde die ideellen Argumente, die von beiden Parteien ins Feld geführt werden, immer ein wenig märchenhaft. Die Haltung „freie Welt und das Internet ist umsonst“ ist ebenso großer Quatsch wie die allzu restriktive Haltung der Plattenfirmen. Fakt ist, dass wir es hier mit einem Problem zu tun haben, das sich so einfach nicht lösen lässt. Es ist interessant, dass wir als Band momentan ganz hervorragende Geschäftsjahre haben. Wir verdienen gutes Geld – nur nicht durch den Tonträgerverkauf. Liveauftritte oder Sponsoring – unsere Einnahmequellen haben sich gewandelt. Doch der Geldsegen betrifft leider nur die Fanta4, nicht unsere Plattenfirma.

Ihr 1996 gegründetes Label Four Music sollte sich als Bindeglied zwischen Musikschaffenden und der Industrie dank des großen Vertriebs partners Sony Music zu einer konkreten Alternative für junge Musiker entwickeln. Doch trotz Ihrer löblichen Vision „von Künstlern für Künstler“ kam die Krise …

Ich würde mich gerne als Geschäftsmann aus dieser Branche zurückziehen. Einen Teil unseres Labels haben wir im Zuge des Zusammenschlusses von Sony und BMG schon konsolidiert – und in diese Richtung wird sich das wohl in Zukunft fortsetzen. Mich dünkt, dass der Tonträger in Zukunft nicht mehr als ein Promotion-Item für das sein wird, was der Künstler sonst noch so anzubieten hat. Sollte das wirklich so kommen, bedeutet das unweigerlich, dass die Plattenfirmen keine Rolle mehr spielen werden. Das Einzige, woran die nämlich verdienen, ist der Verkauf der fossilen Tonträger. Klar kann ich ihre ängstliche Haltung verstehen, da sie es auch sind, die zur Kasse gebeten werden, wenn es ums Marketing geht. Sie müssen das Geschäft am Laufen halten – bekommen aber mittlerweile am wenigsten vom ganzen Kuchen ab.

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