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Sammelklage von Aktionären gegen Intershop

01.03.2001 | 00:00 Uhr |

Nach dem dramatischen Kurseinbruch der
Aktien der Jenaer Intershop AG haben Anwälte nach eigenen Angaben
eine Sammelklage von Aktionären gegen das Unternehmen in den USA
eingereicht. Sie sei Ende Februar am Intershop-Hauptsitz in San
Francisco vorgelegt worden, teilten die Kanzleien Shalov Stone &
Bonner und Rotter am Donnerstag in München mit. Unternehmenssprecher
Heiner Schaumann konnte das nicht bestätigen. «Uns liegt bisher
nichts vor», sagte er auf Anfrage.

Zurzeit gibt es nach seinen Angaben nur eine Aktionärsklage gegen
das Unternehmen, bei der sich ein Anwalt aus Deutschland selbst
vertritt. Intershop hatte nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung für
das vierte Quartal 2000 den Kontakt zu Aktionärsvertretern in
Deutschland gesucht.

Die Kanzleien warfen dem Software-Hersteller vor, von Mai 2000 bis
Januar 2001 die Marktstellung von Intershop in den USA positiver
dargestellt zu haben, als sie war. Intershop hätte bereits im Mai
gewusst, dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten Umsatz- und
Gewinnprognosen für die weiteren Quartale nicht erreicht würden. In
dieser Zeit habe die Software-Firma führende Mitarbeiter in den USA
verloren. Immer mehr Kunden hätten Zahlungen mit Hinweis auf Probleme
bei der Software-Implementierung verweigert.

Schaumann sagte, die Geschäftsentwicklung von Intershop habe im
ersten Halbjahr 2000 über Plan gelegen. Wegen guter Umsätze auch in
den USA seien im zweiten Quartal schwarze Zahlen geschrieben worden.
Erste Signale für eine Rezession in der IT-Branche hätten sich erst
viel später abgezeichnet.

Nach dem Debakel zu Jahresbeginn hatte es immer wieder Klage-
Ankündigungen gegen Intershop gegeben. Die Intershop-Mitteilung zur
Umsatz- und Gewinnwarnung Anfang Januar war vom Bundesaufsichtsamt
für den Wertpapierhandel routinemäßig geprüft worden. Das Bundesamt
hatte keine Pflichtverletzung des Unternehmens festgestellt.

Intershop will in der kommenden Woche in Frankfurt/Main die
endgültigen Geschäftszahlen für 2000 vorlegen. 2001 wird ein Umsatz
von 140 bis 160 Millionen Euro erwartet. Ende des Jahres will der
Anbieter von E-Commerce-Programmen aus den roten Zahlen kommen. Das
Unternehmen beschäftigt etwa 1000 Mitarbeiter.
dpa

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