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Schlechte Zeiten für Superdrives

17.02.2004 | 16:22 Uhr |

Wer auf das DVD-Format gesetzt hat, mit dem die meisten internen Mac-Laufwerke ausschließlich arbeiten, sieht sich womöglich bald mit Schwierigkeiten konfrontiert.

"Ich glaube, mit den DVD-Rs wird es langsam etwas knapp", meint der Münchener Computerfachhändler und schüttelt nach einem Blick auf seinen Lagerbestand mit dem Kopf. Er hat keine DVD-R von Verbatim oder TDK mehr auf Lager, nur noch die für einen Macianer mehr oder weniger nutzlosen DVD+Rs. Erst ein paar Straßen weiter sind dann in einem anderen Geschäft die gewünschten Rohlinge zu finden, als Eigentümer eines reinen DVD-R-Brenners bleibt aber doch ein ungutes Gefühl: Hat man etwa aufs falsche Format gesetzt? Kriegt man in München bald keine guten DVD-Rs mehr? Schließlich war es in letzter Zeit nicht das erste Mal, dass man in Elektronikmärkten vor großen Türmen an DVD+R-Rohlingen steht, der gesuchte Marken-DVD-R-Rohling aber nicht zu finden ist.

Kein Engpass herrscht nämlich an Billig-Rohlingen, die sich bereits der Ein-Euro-Marke nähern. Diese oft billig produzierten Medien sind aber von schwankender Qualität und wenig empfehlenswert. Schließlich ist nichts ärgerlicher als ein DVD-Rohling, der nach einstündigem Brennen in den Mülleimer wandern muss oder trotz erfolgreichem Brennen vielleicht nach ein paar Jahren Aufbewahrung defekt ist. So ergab eine umfassende Studie der Organisation OSTA kürzlich, dass die Qualität des verwendeten Mediums weit wichtiger für Kompatibilität ist als der verwendete Brenner oder das DVD-Format.

Ein Format ist besser als drei

Sicher wird es auch in den nächsten Monaten und Jahren noch genug DVD-R-Rohlinge geben, die Verfügbarkeit an guten Markenprodukten könnte sich aber weiter verschlechtern. Offensichtlich ist es die Produktauswahl des Handels, die zu diesem seltsamen Engpass führt: DVD-R wird anscheinend als Billigmedium positioniert, für den höheren Preis gibt es DVD+-Medien. Aus der Sicht des Ladenbesitzers wäre schließlich ein kompletter Sieg des Plus-Lagers eine Erleichterung: Warum sollte man inklusive DVD-RAM immer drei verschiedene Medienformate im Angebot behalten, wenn immer mehr Kunden sowieso einen Multiformatbrenner haben. Wenn die beiden Nachfolgeformate auf Basis blauer Lasertechnik (Blu Ray) gegeneinander antreten, HD-DVDs (u.a. Pioneer, Sony, Philips) und AOD-DVDs (propagiert von Toshiba und NEC), steht schließlich schon der nächste Formatkrieg bevor. Neben Disketten, CD-R, CD-RW, DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW, DVD-RAM sind dann auch noch AOD und HD auf Vorrat zu halten. Von den doppelseitigen DVD-R, 8cm-Medien sowie Medien für 8fache Brenngeschwindigkeiten ganz zu schweigen.

Schwieriger Umstieg

Dabei ist ein Umstieg auf das Plus-Format für die meisten Mac-User aber nur mit einigen Komplikationen möglich. Leichter hat es der Windows-Nutzer: Dieser kauft sich in einem halben Jahr für (voraussichtlich) fünfzig Euro einen DVD-Multiformatbrenner und kann dann auch auf die überall verfügbaren DVD+-Medien zurückgreifen. Anders der Besitzer eines iMacs oder Powerbooks. Hier die verbauten Laufwerke auszutauschen ist nicht nur technisch aufwendiger sondern auch weit teurer als etwa bei einem Dell-Desktop. Will man ein an Superdrives gedongeltes iDVD benutzen muss man schließlich eines der von Apple verbauten IDE-Laufwerke benutzen. DVD+ ist zudem technisch keineswegs überlegen. Tests der Macwelt und anderer Zeitschriften haben immer wieder gezeigt, dass DVD+R-Medien Probleme mit älteren DVD-Laufwerken und älteren DVD-Playern haben. Erst kürzlich etwa konnte in der Macwelt-Redaktion ein G4-400 eine völlig intakte DVD+R einfach nicht auslesen - in dem alten Mac steckte ein DVD-Laufwerk älterer Bauart, das vor dem Siegeszug der Plus-Medien entstand.

Keine Gefahr für Format DVD-Minus selbst sieht der von uns befragte DVD-Hersteller Intenso. Laut Pressesprecher Matthias Niehus sei eben manchmal die Nachfrage größer als das Angebot. Noch immer seien die DVD-R-Rohlinge das meistverkaufte DVD-Medium. Anders steht es nur mit den wiederbeschreibbaren DVDs. Hier hat offenbar die DVD-RW wenig Chancen gegen die DVD+RW, die sich vor allem dank der neuen DVD-Rekorder steigender Beliebtheit erfreut. Schließlich ist das wiederbeschreibbare Plus-Medium einfacher und billiger herzustellen als die mit sehr engen Fertigungstoleranzen produzierte DVD-RW.

Bestellungen in Webshops sind übrigens auch keine befriedigende Alternative zum Fachhändler: So teilte mir kürzlich der Webshop Amazon fünf Wochen nach der Online-Bestellung mit, leider keine der bestellten DVD-R von Verbatim mehr liefern zu können. Als Alternative hätten sie aber DVD+Medien im Angebot.

Info: OSTA

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