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Schneller als ARM: Nimmt Apple den Atom-Nachfolger?

07.05.2013 | 10:55 Uhr |

Intel stellt mit der Mikroarchitektur Silvermont seine neue Generation von Atom-Prozessoren vor. Die 22-nm-CPUs für Smartphones, Tablets und Rechenzentrum sollen bis zu dreimal schneller als die aktuelle Atom-Generation sein - bei gleichem Energiebedarf.

Teaser MWC 2012
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© Intel

Intels bisherige Atom-Prozessoren für Smartphones, Tablets und Mikroserver basieren alle auf einer 32-nm-Architektur mit "In-Order" Befehlsverarbeitung. Die CPUs besitzen einen oder zwei Kerne und verfügen über ein zusätzliches Hyper-Threading.

Mit der nun vorgestellten neuen Silvermont-Architektur rückt Intel vom bisherigen In-Order-Verfahren (Befehle werden in der ankommenden Reihenfolge abgearbeitet) ab. Silvermont setzt auf ein Out-of-Order-Prinzip; hier werden die Befehle für die optimierte Abarbeitung im Prozessor umsortiert. Das Out-of-Order-Prinzip wird auch bei allen Core-Prozessoren oder AMDs x86-Architekturen verwendet. Intels Silvermont-Architektur ist für das 22-nm-Verfahren mit 3D-Transistoren vorgesehen. Damit will Intel signifikante Performance-Steigerungen erreichen, sowohl im Single-Thread-Modus als auch bei Multi-Thread-Applikationen. Laut Intels Angaben soll Silvermont im Vergleich zur aktuellen Atom-Generation eine bis zu dreifache Performance bieten - bei gleichem Energiebedarf. Bei unveränderter Rechenleistung zeigt sich Silvermont Intel zufolge rund fünfmal sparsamer. Wie auf Intels Präsentation zum Silvermont zu sehen ist, soll Silvermont auch rund doppelt so schnell sein wie aktuelle ARM-Prozessoren mit Quad-Core.

Eine neue sogenannte "System Fabric" Architektur ermöglicht Silvermont-basierende Atom-Prozessoren mit bis zu acht Kernen. Die 64-bittigen Silvermonts beherrschen dabei auch neue Befehlssätze wie SSE 4.2 und eine intelligente "Burst Technologie" sowie erweiterte Energiesparfunktionen.

Bay Trail, Merrifield, Avoton & Rangeley

Silvermont wird noch 2013 in zahlreichen Atom-Prozessoren Einzug erhalten. Für Tablets soll der Quad-Core-Atom "Bay Trail" zum Weihnachtsgeschäft verfügbar sein. Bay Trail sieht Intel auch in Einstiegs-Notebooks und Desktop-PCs.

Für Smartphones wird es Ende 2013 den neuen Atom-SoC (System on Chip) "Merrifield" geben. Auch hier verspricht Intel mehr Performance und höhere Akkulaufzeiten. Erst auf dem Mobile World Congress im Februar 2013 hat Intel die Atom-Prozessoren Z2520, Z2560 und Z2580 für Smartphones vorgestellt. Diese Prozessoren mit dem Codenamen "Clover Trail+" werden noch im 32-nm-Verfahren gefertigt. Die Modelle verfügen über Dual-Core-Technologie mit zusätzlichem Hyper-Threading. Ob Merrifield als Dual- oder Quad-Core-Version kommt, hat Intel noch nicht bekannt gegeben.

Intels Atom-Prozessor "Avoton" wird im Laufe des zweiten Halbjahres 2013 erwartet. Avoton ist für Mikroserver und Storage-Systeme (NAS) vorgesehen. Der Prozessor gilt als Nachfolger des Ende 2012 vorgestellten Atom S1200 . Die Avoton-CPUs verfügen neben der 64-Bit-Unterstützung über Fehlerkorrektur-Verfahren, bis zu acht Kernen und Virtualisierungs-Support. Die neue Atom-Version "Rangeley" ist für die Verwendung in Routern, Switches und Security-Appliances optimiert. Rangeley soll ebenfalls im zweiten Halbjahr 2013 auf den Markt kommen. (cvi)

Auswirkungen für Apple

Ob Apple die neuen Silvermont-Chips einsetzen wird, ist sehr fraglich. Für den Einsatz in Macbooks bieten sie nicht genug Rechenleistung, obendrein fehlt ein leistungsfähiger Grafik-Kern. Hier wird Apple sicherlich auf die neue viel versprechende Core-Generation von Intel setzen (Codename: Haswell ).

Die Silvermont-Architektur würde grundsätzlich im iPad oder im iPhone Sinn machen, doch es gibt zwei mächtige Faktoren, die dagegen sprechen: Erstens entwickelt Apple die CPUs fürs iPhone und iPad selber und ist so in der Lage, für diese Geräte exakt maßgescheiderte Chips zu produzieren. Diesen Vorteil aus der Hand zu geben, dürfte dem iPhone-Hersteller sehr schwer fallen. Noch gravierender wäre aber die mangelnde Kompatibilität der Intel-Architektur zu den ARM-basierten Chips. iOS und sämtliche Apps aus dem App Store müssten für Intel-Chips angepasst und von Apple und den App-Entwicklern neu compiliert werden. Das wäre ein immenser Aufwand, den Apple zwar schon mehrmals durchgemacht hat (68k auf PPC, PPC auf Intel), der aber dennoch einige Zeit braucht. Zudem ist noch offen, ob die Silvermont-Architektur tatsächlich in der Lage sein wird, es in puncto Stromverbrauch mit Apples A5 und A6-CPUs aufzunehmen. (cm)

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