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Schneller geliefert zum gleichen Preis: Apple Store wirbt Kunden ab

10.09.2007 | 16:26 Uhr |

Erschreckt über Apples Geschäftsmethoden zeigt sich ein Leser, der seinen neuen Mac beim Systemhaus Cancom bestellt hatte. Das Problem: Cancom konnte das gewünschte Gerät zunächst nicht liefern und auch keinen definitiven Liefertermin in Aussicht stellen.

Herr N. rief erbost beim Apple Store an und fragte dort nach, wann der Mac-Hersteller denn die deutschen Händler beliefern werde. Die Überraschung: Der freundliche Apple-Mitarbeiter wusste zwar auf diese Frage keine Antwort, machte Herrn N. aber sogleich ein entsprechendes Angebot zum gleichen Preis - bei Lieferung binnen weniger Tage. Mit Erfolg, denn der ungeduldige Käufer stornierte seinen Auftrag bei Cancom und bestellte sogleich im Apple Store. Der Mac-Hersteller hatte den Kunden mit Erfolg abgeworben.

Rund 1560 Euro sollte Herr N. für seinen iMac mit 24-Zoll-Bildschirm, 500 Gigabyte-Festplatte und Garantieerweiterung auf 36 Monate zahlen. Im Apple Store hätte das gleiche Geräte rund 1540 Euro gekostet, für die Garantieerweiterung wollte der Mac-Hersteller zusätzlich noch rund 180 Euro. Die Apple-Preise allerdings sanken beträchtlich, als Herr N. beim Hersteller-eigenen Online-Store anrief und seine Beschwerde loswerden wollte: Warum, schimpfte er, bekommen Kunden des Apple Store ihre neuen iMacs bereits jetzt? Ihm könne sein Händler nicht einmal einen Liefertermin nennen. Die Antwort des Apple-Mitarbeiters folgte auf den Fuß: Er könne seinen iMac ja im Apple-Store kaufen, und zwar zum gleichen Preis von rund 1560 Euro - inklusive Apple Care und festem Liefertermin. Dell, nach Angaben des Marktforschungsunternehmen IDC weltgrößter PC-Hersteller, verkauft all seine Produkte ausschließlich in eigenen Läden, meist aber im eigenen Online Store. Konkurrent Apple hingegen setzt auf eine Doppelstrategie: In den USA gibt es die Apple Retail Stores, den hauseigenen Online Store und eine Vielzahl weiterer Händler, in Deutschland neben "weiteren Händlern" und dem Online Store seit kurzer Zeit auch die Shops in den Elektronikmärkten Saturn und Media Markt, die unter der Regie des Herstellers stehen. Dass aber Mitarbeiter des Apple Store die Kunden der Händler abwerben, ist neu oder zumindest in dieser Form noch nicht an die Öffentlichkeit getreten. Bereits seit langer Zeit munkelt man allerdings, Apple würde zunächst den eigenen Store und danach bevorzugte Partner beliefern - bis die Kanäle nach dem ersten großen Reibach für alle Händler geöffnet werden. Meint es Apple noch ernst mit der Doppelstrategie? Wir wollten es genau wissen, Herr N. präzisiert: "Das Angebot seitens Apple kam freiwillig - ich habe nicht danach gefragt. Ich habe Apple allerdings vorgeworfen, dass man dort ein vergleichbares Angebot nicht bekommt." Apple ist auf unsere Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit, auch Cancom will den Vorfall nicht kommentieren.

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