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Schneller ins Netz

22.12.2000 | 00:00 Uhr |

DSL-Geschwindigkeit bietet nicht nur die Telekom, inzwischen gibt es andere Anbieter, die beim Internet-Zugang auch vor dem Umweg über Satelliten nicht zurückschrecken.

Wer hätte nicht gern eine schnelle Internet-Verbindung? Kein langes Warten bei großen Downloads, keine Zwangspausen, wenn sich umfangreiche Web-Seiten aufbauen. DSL stellt hier eine der möglichen Lösungen dar, doch leider noch nicht überall. Zudem bleibt die Geschwindigkeit der DSL-Angebote, zum Beispiel T-DSL von der Telekom, mit 768 KBit/s hinter dem zurück, was man von einer Standleitung erwartet.
Diese Wünsche will die Firma Strato mit Sky-DSL erfüllen. Dabei kommt das Internet aus dem Himmel, genauer von einem Satelliten. Das Sky-DSL-Paket beinhaltet deswegen eine Satellitenschüssel, eine PCI-Karte, Anschlusskabel und Treibersoftware. Eine zwingende "Systemvoraussetzung" für Sky-DSL ist freie Sicht nach Süden, außerdem muss man eine Satellitenschüssel außen am Haus anbringen.

Sky-DSL im Macwelt-Test

Sind alle Randbedingungen erfüllt, geht es daran, die Schüssel korrekt auszurichten. Dies ist ein echtes Geduldsspiel, allerdings hilft der gut gemachte Sky-DSL-Assistent durch eine große Anzeige und Warntöne bei der Einrichtung. Wer hofft, nun die herkömmliche Internet-Verbindung per Telefonkabel loszuwerden, sieht sich getäuscht - Sky-DSL ist eine Einbahnstraße. Damit kann man Daten empfangen, aber nicht senden. Als notwendiger Rückkanal bleibt deshalb die herkömmliche Internet-Verbindung per Modem oder ISDN bestehen. Strato bietet eine solche Verbindung nicht an, wer noch nicht über einen Internet-Provider verfügt, kann sich beim Vertragsabschluss zu Sky-DSL gleich noch bei AOL anmelden. Prinzipiell funktioniert aber jeder Internet-Provider, der bei der Einwahl eine eindeutige IP-Adresse an seine Kunden vergibt.

Der Umgang mit Sky-DSL ist einfach: Verbindung ins Internet wie gewohnt aufbauen, gewünschte Geschwindigkeit für Sky-DSL im Kontrollleistenmodul oder im Programm "Sky DSL Cockpit" einstellen und lossurfen. Sky-DSL bietet fünf Geschwindigkeitsstufen von 128 KBit/s bis zu 4000 KBit/s. Zwischen diesen "Gängen" kann man jederzeit wechseln - beispielsweise wenn man für einen besonders großen Download mehr Geschwindigkeit braucht.

Im Test funktioniert Sky-DSL gut, wir erreichen im praktischen Betrieb einen Spitzenwert von 418 KB/s (3344 KBit/s) beim Download einer Spiele-Demoversion von einem Server aus den USA.

Besonders geeignet für das schnelle Surfen und Downloaden ist der beigelegte Browser iCab, der die Geschwindigkeit mit bis zu 32 gleichzeitigen Verbindungen ausnutzt. Anderen Programmen wie dem FTP-Client Interarchie fällt dies schwerer, hier kommen wir nur auf 150 KB/s.

Systemanforderungen übertrieben

Hoch gesteckt sind die offiziellen Systemanforderungen: Ein Power Mac G3 mit mindestens 350 Megahertz Taktrate soll es laut Strato mindestens sein. Richtig erklären können wir uns das nicht und richten das System mit Erfolg auf einem schon recht betagten Power Mac 9600 ein. Ein Telefongespräch mit dem Hersteller der Macintosh-Treibersoftware Meilenstein ergibt, dass dieser von einer Beschränkung nichts weiß, allerdings die Erfahrung gemacht hat, dass sich die Höchstgeschwindigkeit auf älteren Rechnern nur schwer erreichen lässt.

Nicht alles ist Gold, was glänzt

Technisch funktioniert Sky-DSL so, dass Anfragen an Internet-Server über einen Zwischenspeicher (Proxy) laufen und die Rückantwort per Satellit kommt. Momentan ist diese Form der Kommunikation jedoch auf die Protokolle HTTP und FTP beschränkt, also die Standardprotokolle für Web-Seitenabruf und Dateitransfer. Von der höheren Geschwindigkeit profitieren darüber hinaus alle Programme, die ihren Transportmechanismus auf HTTP umstellen können wie beispielsweise der Quicktime Player oder die aktuelle Version von Hotline. Schnellere Downloads von MP3-Dateien über den Napster-Dienst funktionieren mit Sky-DSL deshalb nicht.
Eine weitere Einschränkung ergibt sich aus der Architektur von Sky-DSL. Da das System nur empfangen kann, beschleunigt es den Datentransfer ins Internet nicht. Darüber hinaus ist Sky-DSL momentan auf einen Rechner beschränkt und kann nicht als Zugang für ein Rechnernetz benutzt werden.

Kosten

Sky-DSL kostet zurzeit einmalig 300 Mark für die gesamte Hardware. Hinzu kommen noch eine Einrichtungspauschale von 50 Mark und die monatliche Grundgebühr von 30 Mark. Die niedrigste Geschwindigkeit von 128 KB/s ist in der Grundgebühr enthalten, höhere Übertragungsraten kosten mehr, dann rechnet Strato nach so genannten "Sky-Slices" ab - das sind Datenpakete von 180 KB Größe. Je nach übertragener Datenmenge fallen zwischen 2 und 14 Pfennig an. Gut gefällt uns dabei, dass man die Kosten durch die Auswahl von höheren Geschwindigkeiten selbst bestimmt und nicht für ungenutzte Bandbreite zahlt. Trotzdem wird Sky-DSL schnell teuer, wenn man die hohen Geschwindigkeiten nutzt.

Ausblick

Für Windows-PCs ist der Dienst schon länger verfügbar und dank einiger Zusatzfunktionen wie Fernsehempfang und die Lieferung von ausgewählten Web-Seiten, Downloads und Mail ohne aktivierten Rückkanal auch attraktiver. Schon bald soll die Software in der Version 2.0 für den Mac herauskommen, die Benutzern des Mac-OS den Service "Sky E-Mail" eröffnen soll. Damit ist der Mailempfang vom Satellit ohne eine weitere Internet-Verbindung möglich. Zusätzlich geplant sind eine USB-Box für iMacs, ein sechster Gang für bis zu 8 MBit/s Transferrate, sowie zwei Sky-DSL-Versionen für Arbeitsgruppen.

Fazit

Hohe Geschwindigkeit war schon immer etwas teurer. Sky-DSL funktioniert und fasziniert mit sehr hoher Geschwindigkeit - da springen selbst umfangreiche Web-Seiten förmlich in den Browser, und auch große Programmdemos sind innerhalb weniger Minuten heruntergeladen. Das Internet aus dem All überholt damit locker den DSL-Anschluss der Konkurrenz. Besonders für abgelegene Wohngebiete ist Sky DSL kein Luxusgut, sondern eine echte Alternative.

Hartmut Könitz

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