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Schweden: Virtuelle Elchjagd im Internet

20.10.2000 | 00:00 Uhr |

Vielleicht sitzt König Carl XVI. Gustaf in
diesen Tagen vor seinem Schloss-PC und jagt Elche im Internet. Die
richtige Jagd mit seinem exklusiven «H.M. Konungens Jaktklubb»
nämlich musste der Regent absagen, weil in diesem Herbst einfach zu
wenig Elche in den Wäldern von Dalarna herumlaufen. Kurz vor
Abschluss der zweiwöchigen Internet-Jagd auf der populären Web-Seite
der Zeitung «Svenska Dagbladet» (www.svd.se/alg) aber hieß es am
Donnerstag auch für die virtuelle Jagd, dass der Elch sich ziemlich
rar gemacht hat.

Seit zehn Tagen sendet die Zeitung laufend Web-Bilder von einem
angeblich oft von Elchen frequentierten Waldpfad. Wer beim Starren
auf das immer gleiche Bild tatsächlich ein Tier erblickt, greift
statt zum Gewehr zur PC-Maus, klickt, und schickt die fotografische
Beute an die Zeitung. Als Prämie winken den zehn schnellsten
Internetjägern Elchbraten.

Vorläufig sieht es aber so aus, als könnten die Zeitungsredakteure
diese vielleicht selbst verzehren. Redakteur Per Söderström will
nicht so recht heraus mit einer verbindlichen Auskunft, ob überhaupt
schon ein Tier gesichtet worden ist. Etwa tausend Bilder seien bisher
als E-Mail eingeschickt worden. Aber Söderström murmelt leicht
genervt, dass da wohl «etliche ein bisschen geschummelt haben, durch
Einscannen von Elchen, und so.» Eine Experten-Jury soll allen
Manipulationen nach Ende des Halalis am Sonntag auf die Spur kommen.
Vorab wurden schon mal ein paar Beispiele veröffentlicht, so ein von
einem Kölner an sich gekonnt einmontierter Elch. Auf dem Bauch des
Tiers prangt aber noch gut sichtbar das Firmenlogo «Ikea», das zu
entfernen dem Einsender offenbar zu anstrengend war.

Damit vielleicht doch noch eine echte Jagdbeute präsentiert werden
kann, präsentiert «Svenska Dagbladet» jetzt zusätzlich Bilder einer
mobilen Webkamera, die «richtige» Jäger bei ihrer Pirsch im jetzt
schon ungemütlich-kalten schwedischen Herbstwald aufnehmen und über
Handys an den Zeitungs-Server schicken. Auch hier aber, so verlautet
aus der virtuellen Gerüchteküche, waren die Resultate bisher recht
mager.

Der Popularität der Website aber tut das offenbar keinen Abbruch.
Die deutschsprachige Version wird täglich von etwa 3 000 Besuchern
angeklickt. Und dabei müssen sich die Cyberspace-Jäger hier ebenso
wie auf den englischen und japanischen Seiten mit den recht tristen
Bildern von zwei unbelebten Waldpfaden begnügen. Fett gedruckt steht
dann darunter für den Fall der Fälle der gewichtige Satz «Ich habe
einen Elch gesehen» mitsamt E-Mail-Absenderfeld.

Des Schwedischen mächtige «Jäger» können sich die endlose
Wartezeit im virtuellen Unterstand mit allerlei putzigem Elch-
Entertainment verkürzen. In der Rubrik «Spaß mit Elchen» findet sich
auch die Geschichte von dem an einem See Wasser trinkenden Tier, das
Haupt und Geweih erhebt und ausruft: «Ich bin der König des Waldes.»
Ein neben ihm auftauchender Braunbär fragt: «Was sagst du da?» Der
Elch besänftigend: «Ach weißt du, man redet viel Unsinn beim
Trinken.»
dpa

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