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Schweizer Demokratie am PC: Linux statt Mac-OS X?

25.02.2004 | 12:18 Uhr |

In der Schweiz hält der Mac den europaweit höchsten Marktanteil. Das könnte sich bald ändern, einige Großverlage haben den Wechsel auf Windows und Linux bereits eingeleitet. Apple ist an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig.

Die Schweizer waren ja schon immer ein Völkchen für sich: Neutral bei den Themen Militär und EU, unbestechliche Meister im Bergsteigen und in der Zubereitung von Käsefondue, und modisch Bahn brechend in Sachen Swatch-Uhren und -Autos.

Einzig in der Computerkultur geht es ihnen so wie uns: Während die meisten PC-Anwender sich vor und nach Feierabend mit dem Einspielen von Updates gegen schwere Windows-Sicherheitslücken und unberechenbare Würmer beschäftigen, gibt es noch eine kleine Schar von Mac-Nutzern, die gegen die Windows-Bastionen standhalten. Dazu gehörten bis vor kurzem noch die großen Schweizer Zeitungsverlage. Aber das soll nun anders werden.

Zürich als Vorreiter für die Schweizer Verlagswirtschaft

Die großen Zürcher Verlage, unter anderem die Neue Zürcher Zeitung (NZZ Verlag), Tamedia mit seinem "Tages-Anzeiger" und Ringier mit der Frauenzeitschrift "Edelweiss" planen, sich bald von Mac-OS zu trennen. Dazu kommen die Basler Zeitung und die Espace Media Groupe aus Bern. Alle wollen sich in Richtung Windows oder vielleicht sogar zu Linux flüchten. Das Portal der Schweizer Medienwirtschaft "Persoenlich.com" wirft allerdings ein, dass eine endgültige Entscheidung wohl erst im Sommer fallen wird. Also alles nur Panikmache?

Tamedia: "Wir sparen schon ab dem 2. Jahr mit Windows"

In gewisser Weise schon, wenigstens für den Moment: Tamedia zum Beispiel arbeitet schon am Umstieg auf Windows. Aber bis alles umgestellt ist, kann es noch ein paar Jahre dauern: "Bis 31.12.2007 wollen wir die Mac-Plattform im Client-Bereich durch die Intel-Plattform mit Windows ersetzt haben", erklärt René Haiss von Tamedia. Insgesamt ist sich der Verlag wohl im Klaren, dass die reinen Hardware-Kosten in Sachen Windows höher liegen. - Die Zahlen liegen bei 1,9 Mio. Franken (1,3 Mio. Euro) für Windows statt 1,5 Mio. (1 Mio. Euro) für Mac-OS X. Allerdings müsste man "anstelle von zwei Plattformen nur noch eine betreuen", so Haiss. "Wir werden im Jahr 2008 eine Einsparung auf den laufenden Kosten erzielen, welche den höheren Projektkosten für die Windows-Umstellung entspricht, d.h. wir sparen ab dem 2. Jahr die Differenz bei den laufenden Kosten." Linux ist für Tamedia im Moment übrigens keine Alternative: "Wir werden aber den Markt laufend beobachten und prüfen, ob und wann ein Umstieg auf Linux Sinn macht."

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