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Schwieriger Weg in das vernetzte Zuhause

16.01.2015 | 10:43 Uhr |

Seit der WWDC warten alle auf die Smarthome-Lösung von Apple. Wir erklären, woran es bislang gehakt hat und warum es 2015 richtig losgeht

Bei der Vorstellung von iOS 8 gab es zahlreiche neue Technologien, die die Aufmerksamkeit auf sich zogen – wie bei jedem großen Update. Zwei Kerntechnologien, Healthkit und Homekit fanden besondere Beachtung. Während es bereits haufenweise Gadgets und Apps gibt, die Healthkit unterstützen und ihre Gesundheits- und Fitnessdaten an die App Health aus dem Lieferumfang von iOS 8 übermitteln, ist selbst bis Ende 2014 noch fast nichts von Homekit zu sehen oder hören.

Smarthome-Technologie

Die Idee hinter Homekit ist – auch bei Ähnlichkeiten der Namenswahl – grundsätzlich eine andere als bei Healthkit. Zwar gibt es schon seit langer Zeit Lösungen aus dem Bereich Smarthome – auch App-gesteuerte – doch sie alle versauern in ihrer Nische, da sie unterschiedliche Standards bei der Datenübertragung und unterschiedliche Cloud-Systeme zur Synchronisation der einzelnen Smarthome-Geräte mit einer App des Benutzers nutzen. Wer also etwa eine Wetterstation von einem Anbieter nutzt, einen Bewegungssensor eines anderen und noch einen Türschließer eines dritten Anbieters, hantiert nicht nur mit drei verschiedenen Apps: Alle drei Systeme zeigen nur ihre eigenen Daten an und lassen keine Interaktion zu. Hat der Benutzer Pech, bevölkern zudem drei Gateways (Hardware-Bauteile) sein Netzwerk, damit er auch von unterwegs die Temperatur checken kann, prüfen, ob die Tür verschlossen ist und so weiter.

Seit der Ankündigung auf der WWDC im Juni 2014 ist in Sachen Homekit nicht viel passiert. Das wird sich 2015 ändern.
Vergrößern Seit der Ankündigung auf der WWDC im Juni 2014 ist in Sachen Homekit nicht viel passiert. Das wird sich 2015 ändern.

Damit will und wird Homekit ab 2015 aufräumen. Aufsehen erregte Apple bei der Keynote zur WWDC im Sommer 2014 mit der Aussage, Siri als Steuerung für das Smarthome einzusetzen. Also etwa mit dem Befehl „Siri, ich verlasse das Haus“ Apples Sprachassistenten zu nutzen, um das Licht zu löschen, die Heizung herunter zu drehen oder das Garagentor zu schließen – auch wenn alle Smarthome-Geräte von verschiedenen Anbietern stammen.

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© 2015

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Lizenzierung und mehr

Homekit-kompatible Geräte benötigen einen Chipsatz mit bestimmten Eigenschaften, und die gibt Apple vor. Verschiedene Unternehmen sind an die Fertigung gegangen, sobald die technischen Eckdaten von Apple freigegeben wurden – das liegt noch nicht lange zurück. Eine der Bedingungen war und ist es, dass die Chips ein Update der Firmware erlauben, bei veränderten Anforderungen durch Apple. Natürlich ist es auch ein Geheimnis, wer die Chips fertigt, es gilt aber als gesichert, dass Broadcom und Texas Instruments dazu gehören. Chips für Homekit-Geräte sind seit Ende November verfügbar.

Die gehen nun aber nicht etwa zum Entwickler des Homekit-Geräts und der zugehörigen App. Die Homekit-Geräte werden in fast allen Fällen in Asien gefertigt. So muss ein interessiertes deutsches Unternehmen einen Fertigungspartner in Asien haben, mit dem es den Wunsch nach der Herstellung etwa eines Wettermessgeräts abgesprochen hat. Der Hardware-Hersteller, nicht der spätere Anbieter der Lösung, reicht bei Apple einen Produktionsplan für das Gerät ein. Entspricht der Produktionsplan Apples Vorgaben, erhält der Hersteller das OK von Apple, die besagten Chips zu ordern. Die damit gebauten Smarthome-Geräte gehen dann zur Hardware-Abnahme zu Apple. Der spätere Anbieter, also unser fiktives deutsches Unternehmen, ist im Laufe dieses unnötig komplizierten Prozesses auf eine extrem gute Kommunikation mit seinem Hersteller in Asien angewiesen. Natürlich will der Anbieter parallel zur Fertigung eine Homekit-App für seine Produkte entwickeln. Viel später geht dann auch das komplette Set, Hardware plus App, nochmals zur Abnahme zu Apple. Das gilt auch für das Packaging, also Design, Verpackung und mehr. Erst wenn alles genehm ist, gibt es von Apple das Siegel „Made for iPhone“ (Mfi) und das Produkt darf vertrieben werden. Ob es ein gesondertes Siegel à la “„Made for Homekit“ geben wird, ist nicht bekannt. Unternehmen, die Zubehör mit Lightning-Adapter entwickelt haben, kennen das lähmende Prozedere. Wir vermuten, dass viele Unternehmen aktuell vor dem finalen Schritt der Abnahme stecken und deshalb noch keine Ankündigungen machen dürfen.

Apple hat zwar schon länger eine Smarthome-Rubrik im Apple Store, das Angebot ist aber selbst in den USA noch sehr übersichtlich.
Vergrößern Apple hat zwar schon länger eine Smarthome-Rubrik im Apple Store, das Angebot ist aber selbst in den USA noch sehr übersichtlich.

Authentifizierung – Sicherheit

Natürlich will und muss Apple sicherstellen, dass ein Benutzer nicht einfach das Garagentor des Nachbarn öffnen, seine Heizung ausschalten oder anderen Unsinn machen kann. In der kompletten Kette der Kommunikation zwischen Smarthome-Geräten, iOS-Geräten und iCloud muss deshalb sicher gestellt sein, dass die Daten nicht in falsche Hände geraten. Nach Aussagen von Entwicklern ist das bei Wi-Fi-Geräten relativ einfach sicherzustellen, bei BLE-Geräten muss sich der betreffende Entwickler hingegen mächtig strecken. Einen wunden Punkt sehen Kenner der Technologie in einer dritten Option: Hersteller bestehender Lösungen dürfen weiter auf einen anderen Kommunikationsstandard ihrer Smarthome-Geräte untereinander in einem Haushalt setzen – das ist bei vielen aktuell der Fall. Diese Hersteller müssen dann ein neues Gateway zur Kommunikation mit iCloud entwickeln – Sie ahnen es – mit Apples Chips und Segen. Damit ist zwar die Kommunikation mit iCloud und via iCloud von unterwegs mit iOS-Geräten gesichert – aber nicht innerhalb des Hauses. Hier bleibt spannend, wie Apple das lösen will.

Workflow Geräte und Apps

Erwerben Sie 2015 ein Homekit-kompatibles Gerät oder ein ganzes Set, benötigen Sie natürlich ein iOS-Gerät für dessen Nutzung, sowie eine App des Herstellers. iPhone oder iPad sind im ersten Schritt mit dem Gerät zu verbinden, Stichwort „Pairing“. Während das bei BLE-Geräten kinderleicht funktionieren wird, dürfte bei Wi-Fi-Geräten etwas mehr Aufwand notwendig sein. Ist das geschehen, zeigt unsere fiktive App für das ebenfalls fiktive Wettermessgerät mit Homekit-Unterstützung Temperatur, Luftfeuchtigkeit und mehr an – soweit kein Unterschied zu bestehenden Lösungen. Diese Daten übermitteln iPhone oder iPad aber auch an iCloud, den zentralen Lagerort für die mobile Nutzung.

Die Liste prominenter Unterstützer in den USA ist lang, zur CES im Januar sollten dann endlich neue Produkte zu sehen sein.
Vergrößern Die Liste prominenter Unterstützer in den USA ist lang, zur CES im Januar sollten dann endlich neue Produkte zu sehen sein.

Homekit-Interface Siri

Auch wenn Homekit-Geräte jeweils mit einer App des Anbieters kommen, ist das eigentliche Interface Siri. Nur Siri setzt dann den Befehl „Ich verlasse das Haus“ um, keine weitere App. Damit Siri die Befehle oder Abfragen nach Temperatur beantworten kann, ist Homekit strukturiert: Im Haus gibt es Räume, in den Räumen gibt es Homekit-kompatible Hardware auf die Sie per Siri zugreifen. Ganz nebenbei kann Siri auch mehrere Häuser verwalten. Die Festlegung der Räume mit Ihren Geräten erfolgt in der App des Herstellers, Siri weiß das natürlich nicht. Damit ist eines klar: Nur die Befehle, die Siri von Apple verpasst bekommt, lassen sich via Homekit später nutzen. Eine Ansage wie „Schmeiß den Grill an, ich bin gleich da“ wird vermutlich nie erfolgreich ausgeführt werden.

iCloud und Apple TV

Ohne iCloud funktioniert keine Homekit-Lösung: Endgeräte, die Wi-Fi zur Kommunikation nutzen, senden aktuelle Werte wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und mehr über das lokale Netzwerk in das Internet zu iCloud. Der Benutzer findet in seiner App, die mit dem Gerät verfügbar gemacht wurde, aktuelle Daten. Auch hier klappt das relativ einfach. BLE-Geräte können jedoch nicht mit einem Internetrouter kommunizieren. Damit auch Benutzer der Strom sparenden BLE-Lösungen in der Genuss aktueller Daten kommen, hat sich Apple einen Umweg ausgedacht. Hier kommt das Apple TV 3 ins Spiel. Das Gerät ist per Kabel oder WLAN mit dem Internet verbunden und verfügt intern zudem über BLE. Damit funktioniert die Settop-Box quasi nebenbei als Relay für Homekit-Geräte. Natürlich könnte Apple auch eine Art BLE-Gateway entwickeln und vorstellen, das dann deutlich preiswerter wäre, aber das steht noch in den Sternen.

Wann geht es los?

Bei allen Hindernissen und Verzögerungen: Homekit wird ein Erfolg werden, da sind wir sicher. Es wird enorm spannend, welche Lösungen zuerst auf den Markt kommen. Glaubt man Apple, sind alle Big Player im Bereich Smarthome am Start, dazu kommen sicher viele Neulinge. Auf der Consumer Electronics Show (CES) hat es jede Menge Ankündigungen gegeben . Die ers­ten Geräte und Lösungen gibt es dann vermutlich im Frühjahr, sie setzen mindestens iOS 8.2 voraus.

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