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T-Systems macht bei Apples Research Kit mit

09.05.2016 | 12:45 Uhr |

Die Telekom hat zusammen mit Spieleentwicklern und britischen Wissenschaftlern ein Spiel herausgebracht, das unter anderem auf dem iPad Daten für die Demenzforschung übermitteln soll.

Laut Bundesministerium für Gesundheit leiden in Deutschland 1,6 Millionen Menschen an Demenz respektive ihrer häufigsten Form, Alzheimer. Weltweit sollen es sogar 45 Millionen Betroffene sein. Das ist auch eine Belastung für die Angehörigen. Eine wirksame Behandlung gibt es bisher nicht, und auch die wissenschaftliche Forschung hat noch keine überzeugende Antworten für die Genese oder gar Behandlung dieser schleichenden Krankheit. Dies liegt unter anderem an der viel zu geringen Datenbasis über die Entwicklung der Demenzerkrankung. Hier nun will ausgerechnet ein Computerspiel Abhilfe leisten, um im großen Maßstab solche Daten spielerisch zu sammeln  und wissenschaftlich auswerten zu können.

Orientierungsverlust

Dahinter steckt folgende Einsicht:  Zu den ersten Symptomen einer Demenzerkrankung zählt der Verlust der Orientierung. Die Forschung ist derzeit noch nicht in der Lage zu unterscheiden, ob dieser Verlust krankheits- oder altersbedingt erfolgt. Durch das Spielen von Sea Hero Quest soll nun jeder die Demenzforschung unterstützen, um diese Erkenntnisse zu erlangen. Dabei hilft ein flott gemachtes, aber einfach aufgebautes grafisches Spiel, bei dem man auf der Suche nach den verlorenen Erinnerungen seines demenzkranken Vaters ist. In der Spielbeschreibung heißt es: "Tauche ein, in die eisige Welt der Artic Rivers und die sonnigen Strände der Golden Shores. Schau dich um und finde heraus, wie Sea Hero Quest durch die Zusammenarbeit von den Spieleentwicklern Glitchers, dem University College London, der University of East Anglia sowie Alzheimer's Research entstanden ist."

Sea Hero Quest testet vor allem den Orientierungssinn
Vergrößern Sea Hero Quest testet vor allem den Orientierungssinn

Im Spiel gilt es drei Herausforderungen zu bewältigen: durch Labyrinthe navigieren, Leuchtraketen abfeuern und Fotos von fabelhaften Wesen machen. Dabei müssen die Spieler ihren Orientierungssinn und ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Von den Pinguinen bis hin zum Mammut, das sich im Eis versteckt, wurde jedes kleinste Detail so gestaltet, dass es wissenschaftlich sinnvoll ist – und dabei richtig viel Spaß macht, geben sich die Anbieter überzeugt. Und, so die Telekom bei ihrer Präsentation: "Wenn 100.000 Menschen das Spiel nur zwei Minuten lang spielen, generieren sie Daten, die sonst über 50 Jahre herkömmlicher Forschung auf diesem Gebiet benötigt hätten."

T-Systems wertet Daten aus

Weitere Hintergrundinformationen gibt es bei unseren Kollegen von der Computerwoche . Demnach werden die Daten der über 18 Jahre alten Spieler über einen Server der Telekom-Tochter T-Systems anonymisiert an die Wissenschaftler übermittelt, in der iOS-App des Spiels über Apple Research Kit. Vorher bitten die Entwickler um einige wenige persönliche und freiwillige Angaben. Die Datenübertragung lässt sich auch komplett abschalten. Die offizielle Homepage zum Spiel und zum Projekt findet sich hier . Und natürlich gibt es das Spiel für iPhone und iPad ab iOS 8.0 kostenlos im App Store   (Download: knapp 120 MB), unter anderem auch in deutscher Sprache. Ebenso ist das Spiel für Android-Geräte bei Google Pay für Android-Geräte erhältlich.

Big Data: 100.000 Spieler sollen 50 Jahre Forschungsarbeit ersetzen.
Vergrößern Big Data: 100.000 Spieler sollen 50 Jahre Forschungsarbeit ersetzen.

Wir haben uns das Game auf dem iPad bereits angesehen und ein paar Runden gespielt. Es beginnt relativ einfach, indem man mit seinem kleinen Boot bestimmte Orientierungspunkte aufsucht, ein Foto des Monsters schießt (gar nicht so einfach) und Navigationspunkte durch Leuchtraketen markiert. Das ist natürlich nichts für Hardcore-Spieler – aber für zwischendurch macht es durchaus Spaß, und wenn zwei Minuten schon reichen, fünf Stunden Forschungsarbeit zu ersetzen, sollte man diese kurze Zeit gemeinsam mit hoffentlich mindestens 100.000 anderen Menschen täglich auch zum eigenen Vergnügen gern investieren.

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