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September: Die Welt wird schwarz und weiß

31.12.2005 | 00:01 Uhr |

Apple bringt den iPod Nano ++ Wenig Begeisterung um das iTunes-Handy Rokr +++ Keine Keynote zur Apple Expo Paris - Jobs kommt trotzdem +++ .Mac spricht jetzt deutsch +++ Prozessor-Problem beim Power Mac G5 1,8 GHz Single +++ Quark mit neuer CI

iTunes-Handy kommt endlich – und enttäuscht sogleich

Motorola ROKR iTunes Handy abstract
Vergrößern Motorola ROKR iTunes Handy abstract

San Francisco, 7. September: Fast wäre es die Vaporware des Jahres geworden, mehr als 14 Monate nach seiner ersten Ankündigung kommt dann doch endlich das erste iTunes-Handy von Motorola auf den Markt. Seit Anfang 2005 war eigentlich kein Monat vergangen, in dem es nicht neue Spekulationen um die Premiere des „Rokr“ genannten Mobiltelefons gegeben hatte und die Gründe, warum es zu derartigen Verzögerungen kommt. So wundert es wenig, dass das Rokr bei Apples eine Woche zuvor angekündigtem „Special Event“ nur eine untergeordnete Rolle spielt. Apple hatte Journalisten eingeladen, um ihnen erneut zu zeigen, wie man 1000 Songs in die Tasche bekommt, was das Foto einer Jeans auf der Einladungskarte symbolisiert. Mit 1000 Songs ist nicht das Rokr gemeint: 100 Songs kann das iTunes-Handy auf seinen internen Speicher von 512 MB laden, mehr lässt die Software nicht zu.

Das Problem des Rokr: Es rockt nicht. Das Mobiltelefon ist in erster Linie ein GSM/GPRS-Mobiltelefon, und kein iPod zum Telefonieren. Von Apples MP3-Player erwartet der Benutzer in der Regel die Farbe Weiß, ein Click- oder Scroll-Wheel, einen Dock-Connector mit schnellem USB-2- oder Firewire-Anschluss und die Möglichkeit, das typische Zubehör anzuschließen. All das hat das Rokr nicht. Von einem Mobiltelefon im mittleren Preissegment darf der Käufer mittlerweile auch eine Megapixel-Kamera für bessere Schnappschüsse erwarten. Fehlanzeige beim Rokr: Mehr als VGA-Auflösung (640 x 480 Pixel) bringt die eingebaute Digitalkamera nicht. Einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem iPod jedoch hat das Motorola-Telefon: Der Akku ist problemlos austauschbar. Der Hersteller gibt als Musikspieldauer bis zu 15 Stunden an, eine Standby-Zeit von über neun Tagen und bei einem Dauertelefonat macht der Energiespeicher Motorola zufolge bei optimalen Netzbedingungen erst nach neun Stunden schlapp.

Als weltweit einziges Mobiltelefon ist das Rokr in der Lage, direkt mit iTunes zu kommunizieren, kann mehrere Wiedergabelisten übernehmen und verhält sich sonst so wie der iPod Shuffle, nur viel, viel langsamer. Das Telefon unterstützt keine AIFF- und Apple-Lossless-Dateien, wohl aber WAV, MP3 und AAC (.m4a) – und hier auch die geschützten aus dem iTunes Music Store (.m4p) sowie Hörbücher (.m4b) mit Lesezeichenfunktion. In hoher Qualität kodierte Musikdateien konvertiert iTunes bei der Synchronisation in das AAC-Format mit 128 kBit/s Datenrate.

Doch der Rocker braucht Zeit, um von Mac oder PC die Songs zu übernehmen: rund 30 Sekunden pro Stück. Grund hierfür ist der langsame USB-1.1-Chip im Rokr. Via Bluetooth kann iTunes keine Musik übertragen, und auf das Handy geladene Songs kann der Besitzer nur mit dem Client abspielen - das Versenden via MMS oder E-Mail und die Nutzung als Klingelton bleibt außen vor.

Und noch etwas ist langsam: der Prozessor im Inneren des Rokr. Über alle Anwendungen hinweg lässt sich das Telefon nur zäh bedienen. Bis das Rokr auf einen Tastendruck reagiert, vergeht eine Sekunde oder sogar mehr. Da macht – selbst bei nur 100 Songs – das Stöbern in der Musikbibliothek keinen Spaß, und es tröstet nicht, dass das Display wie bei den großen iPods auch abgespeicherte CD-Cover in Farbe anzeigt. Selbst die Basisfunktionen Zurückspringen, Vorspulen, Pause und Wiedergabe sind wie die Lautstärkeregelung von dieser Latenz betroffen.

Die Konkurrenz ist längst da, wo das Rokr an sich hin wollte: Weit flüssiger als das iTunes-Handy arbeitet das K750i/D750i von Sony Ericsson, der MP3-Player versteht sich auch auf ungeschützte AAC-Dateien und punktet darüber hinaus mit einer 2-Megapixel-Kamera und UKW-Radio. Im Lieferumfang ist bloß ein Memorystick Duo mit 64 MB, aber mittlerweile sind entsprechende Karten mit bis zu 2 GB erhältlich - das reicht für 30 Stunden Musik. Als „Walkman-Handy“ preist der Hersteller das nahezu baugleiche W800 an, hier liegt ein Stick mit 512 MB gleich bei - und an beiden Geräten kann man den Speicher von außen wechseln. Erneut kann Apple nicht von Motorola begeistert sein, was in der Folgezeit zu einigen Missstimmungen zwischen den Firmen führt. Und immer wieder tauchen Gerüchte auf, die von einem vernünftigen, von Apple allein konzipierten „iPhone“ handeln...

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