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Seybold: Interview mit 3dfx-Manager Bryan P. Speece

30.08.2000 | 00:00 Uhr |

Während Apples Grafikkarten-Hauslieferant ATI nicht auf der Seybold vertreten war, nutzte der Konkurrent 3dfx die Messe und vor allem die Nähe zu Apple, um mit ausgewählten Pressevertretern hinter verschlossenen Türen über die neuen Grafikkarten und die Zukunft des Unternehmens zu diskutieren. Mit Bryan P. Speece, Marketingdirektor bei 3dfx, sprach Macwelt-US-Korrespondent Martin Stein.

Macwelt: Wird die Mac-Plattform zum Retter von 3dfx, nachdem das Unternehmen erst vor kurzem einen Quartalsverlust bekannt geben musste?

Bryan P. Speece: Nein, die Entscheidung, in den Mac-Markt einzusteigen, fiel unabhängig davon. Wir haben im August 1999 die ersten Treiber für unsere Voodoo-3-Karte auf den Markt gebracht. Es war jedoch eher unser Bestreben, auf allen wesentlichen Plattformen vertreten zu sein. Dazu gehört auch das Mac-OS.

Macwelt: Besteht nach den Problemen, die Apple mit ATI während der Macworld Expo in New York hatte, die Chance auf eine engere Zusammenarbeit mit dem Mac-Hersteller? Wird es bald 3dfx-Produkte im Apple Store geben?

Bryan P. Speece: Wir haben die beste Grafikkarte auf dem Markt. Apple glaubt aber offensichtlich, dass die Rage 128 ebenfalls gut ist. Wir wissen nicht, ob Apple nur aus technischen Gründen zu ATI hält. Das Betriebsssystem könnte etwa zu sehr mit den ATI-Produkten verknüpft sein. Auf der anderen Seite liegt es an Apple, unser Produkt in den Apple Store aufzunehmen. Wir finden es unfair, dass Kunden beim Kauf von neuen Macs keine freie Wahl ihrer Grafikkarte haben. Wer kauft schon einen Mac und bezahlt für eine eingebaute Grafikkarte, nur um sie gegen eine bessere auszutauschen?

Macwelt: Könnten hier nicht Apple-Händler mit eigenen Konfigurationen aushelfen?

Bryan P. Speece: Kaum. Die Apple-Retailer verkaufen die Karten, für die es die meisten Kunden gibt. Momentan sind dies nur PCI-Karten. AGP-Karten, die rund zehn Prozent schneller sind, finden jedoch weniger Kunden, da Apple diesen Standard erst seit letztem Jahr unterstützt und erst rund 1,2 Millionen AGP-Rechner auf den Markt gebracht hat. Sollten nur zehn Prozent ihre Grafikkarte aufrüsten wollen, ergibt das ein Marktvolumen von 12.000 Karten pro Monat. Das ist für uns momentan zu wenig. Deshalb bieten wir unsere neuen Karten ausschließlich als PCI-Versionen an. Dass wir dennoch besser als AGP-Karten von ATI sind, zeigen unabhänigige Benchmarks.

Macwelt: Wird 3dfx in Zukunft mit AGP-Produkten im Mac-Bereich vertreten sein?

Bryan P. Speece: Es ist eine Frage der Zeit. Mit der Build-To-Order-Option im Apple Store wäre es einfacher für uns. So müssen wir auf ein entsprechendes Marktvolumen warten.

Macwelt: Wie schaut es mit einer Karte für den G4 Cube aus?

Bryan P. Speece: Der Cube ist eine wirkliche Herausforderung. Wir müssen nicht nur eine Karte herstellen, die klein ist, sondern auch den ADC unterstützt und nicht zu viel Hitze erzeugt. Technisch gesehen wäre eine Karte für den Cube jedoch kein Problem für uns. Die Voodoo-4-Karte wäre wohl die logische Konsequenz.

Macwelt: Was bietet 3dfx für Publisher?

Bryan P. Speece: Wir bieten mehr als die Konkurrenz. Während etwa Formac für sich reklamiert, im 2D-Bereich dank Font-Caching ganz vorne zu liegen, zeigen MacBench-5-Tests das Gegenteil. Wir sind deutlich besser als Formac und ATI. Zudem sind unsere Karten mit 179 US-Dollar für jeden DTP-Profi erschwinglich.

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Das Interview fand statt bevor bekannt wurde, dass Nvidia, einer der Hauptkonkurrenten von 3dfx, eine Patentklage in Nordkalifornien gegen 3dfx eingereicht hat. Nvidia will mit einer einstweiligen Verfügung erreichen, dass 3dfx Produkte wie Voodoo 3, Voodoo 4 und Voodoo 5 nicht mehr herstellen und verkaufen darf. Außerdem will Nvidia Geld als Schadensersatz. 3dfx seinen energischen Widerstand angekündigt.

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