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Shopping-Zukunft mit iBeacons

15.04.2014 | 17:08 Uhr |

Das Startup Yoints möchte eine Drogeriekette und weitere Unternehmen mit iBeacons und Apps für coole Einkaufserlebnisse ausstatten – wir klären den Stand der Dinge.

Anfang Januar meldeten diverse Portale, Fach- und Publikumszeitschrif­ten, das Hamburger Unternehmen Yoints würde die in Norddeutschland sehr verbrei­tete Drogeriekette Budnikowski ("Budni") mit einem auf iBeacons basierenden Bonussystem samt App ausstatten oder zumindest darüber verhandeln. Damit wäre Yoints zumindest in Deutschland eines der ersten Unternehmen, das die viel gepriesene neue Technologie hierzulande auch umsetzt. In den USA hat Apple viele seiner Stores bereits mit iBeacons ausgestattet. Besuchern bietet die Lösung Indoor-Navigation, Apple kann seine Kunden im Store gezielt zu Sonderangeboten führen und über Produkte informieren.

Die Major League Baseball (MLB) der USA gehört zu den ersten, die auf den Zug springen. Zum Start der Saison sollen sämtliche Stadien mit Beacons gepflas­tert sein, Benutzer bekommen dann über die zugehörige App nicht nur Informationen und Wegleitung, sondern natürlich auch Merchandising-Angebote der Teams präsentiert. Kürzlich hat zudem Coca-Cola vermelden lassen, man prüfe den Einsatz der iBeacon-Technologie bei der kommenden Fußball-WM.

Die bisherige App erlaubt manuelles Einchecken in Filialen und Scannen von Produkten.
Vergrößern Die bisherige App erlaubt manuelles Einchecken in Filialen und Scannen von Produkten.

Status bei Budni

Dass aktuell Apple als einer der wesentlichen Wegbereiter der Technologie vorangeht, erstaunt ebenso wenig wie die Tatsache, dass hier finanzkräftige Unternehmen versuchen auszuloten, ob sich die Technologie zur Verkaufsförderung einsetzen lässt. Wir haben uns den Stand der Dinge angeschaut und mit Yoints gesprochen.

Mit der "Budni-Karte" hat die Drogeriekette Budnikowski schon lange eine Kundenkarte samt Bonussystem im Angebot – diese funktioniert allerdings ganz ohne Smartphone und iBeacons: An der Kasse wird der Strichcode der Karte gescannt, pro Cent Umsatz erhält der Kunde einen Punkt gutgeschrieben. Sind 50 000 Punkte erreicht, kommt per Post ein Gutschein über 5,15 Euro. Dieser Rabatt von nur rund einem Prozent tut der Beliebtheit der Budni-Karte keinen Abbruch. Rund um die Budni-Karte hat das Unternehmen das Sys­tem erweitert, mithilfe der App Budni Smartbonus für iPhone und Android, entwickelt von der Firma Joints.

Interview mit Ivan Yagodin und Sarik Weber von Yoints

iPhoneWelt : Seit wann gibt es das Unternehmen, wie viele Mitarbeiter?

Sarik Weber: Yoints wurde 2011 gegründet, aktuell sind wir zu sechst. Wir haben alle einen Agenturhintergrund. Von Anfang an arbeiten wir an der Entwicklung der iPhone- und Android-Apps, die es heute gibt. Natürlich auch am benötigten Backend und der Anpassung der Beacons an unsere Bedürfnisse. Zudem arbeiten wir natürlich auch am Aufbau von Support-Strukturen.

Budnikowski-Deal

iPhoneWelt : Wie sieht Ihre Lösung für ein Bonusprogramm aus?

Iwan Yagodin: Wir sind im letzten Jahr mit der Budni-App gestartet, sie basiert auf der manuellen Nutzung von QR-Codes. Seit Dezember 2013 arbeiten wir an der Integration von Beacons und der iBeacon-Technologie in die App und das System. Mittlerweile haben wir eine Beacon-Hardware gefunden unter den zahlreichen Hardwareangeboten, die unseren Ansprüchen in puncto Sicherheit, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit genügt.

In einem stillen Test werden wir in den kommenden Wochen zusammen mit Budnikowski unsere Lösung ausprobieren. Ist der erste Test überzeugend für alle Parteien, treten wir in Verhandlungen mit Budnikowski mit dem Ziel, einen flächendeckenden Test in den Filialen zu starten. In der Presse wurden im Januar Fakten genannt, die es so nicht gab, deshalb sind wir hier zurückgerudert. Wir haben ein funktionsfähiges System, das bereit ist für einen Test beim Kunden.

Bonusprogramme

iPhoneWelt : Bonusprogramme gibt es viele, was ist das Besondere?

Sarik Weber: In der Tat muss ein Händler oder eine Handelskette, die Kundenbindung und Verkaufserfolge will, heute neue Wege beschreiten. Sie müssen einem Smartphone-Benutzer einen guten Grund geben, warum er gerade Ihre App unter den vielen Lösungen wählt, nutzt und behält. Mit iBeacons gibt es eine tolle und bequeme Technologie für beide Seiten. Der Kunde wird – wenn er das möchte und die App am Smartphone läuft – beim Betreten des Geschäfts automatisch begrüßt und optional auf Aktionen hingewiesen.

In einem nächsten Schritt sehen wir auch für Budni die Option, an weiteren Plätzen im Geschäft Beacons zu platzieren. Hier kann dann ein Sonderangebot beworben, automatisch Bonuspunkte vergeben oder andere Aktionen ausgeführt werden. Denkbar sind auch spezielle Aktionen mit einzelnen Herstellern im Geschäft an exponierten Positionen.

Ausblick

iPhoneWelt : Wie geht es jetzt weiter bei Ihnen?

Sarik Weber: Neben den Tests arbeiten wir natürlich an der weiteren Entwicklung des Backends, der Apps für iOS und Android und der Beacon-Komponenten. Zudem müssen wir natürlich auch Support-Strukturen bieten, da Wartung und Aufstellung der Beacons nicht vom Kunden durchgeführt werden kann. Wir melden uns, wenn das erste Geschäft mit iBeacon-Nutzung zum Besuch bereit ist.

Bonus-App ohne iBeacons

Zwar nutzt die App (noch) keine iBeacons, zeigt aber, wohin die Reise gehen könnte, wenn sich ein Unternehmen für den Auftrag zur Entwicklung einer iBeacon-basierten Lösung entscheidet. Die App zeigt die Budni-Filialen in der Nähe, in Hamburg gibt es sie haufenweise. Wir haben uns die nächste in der "Hamburger Meile" ausgesucht, einem Einkaufzentrum. Am Eingang jeder Budni-Filiale klebt ein relativ kleiner Sticker mit einem QR-Code, den es zum "Einchecken" zunächst über die Budni-App zu scannen gilt.

Hintergrund: iBeacons

© 2015

iBeacons sind kleine Sender, die permanent per Bluetooth eine Kennung in die nähere Umgebung senden. Diese Kennung können Apps nutzen, um dadurch eine Aktion auszulösen. Beispielsweise kann eine App, die mit dieser Beacon-Kennung etwas anfangen kann, automatisch einen Gutschein für das entsprechende Geschäft empfangen. Nur wenn man die passende App auf dem iPhone hat, die mit der ID des Beacons etwas anfangen kann, passiert etwas, wenn man in die Nähe eines iBeacons tritt.

Hier stoßen wir prompt auf das erste Hindernis: Die Filiale war innerhalb des Einkaufszentrums vor einiger Zeit umgezogen. Mit dem Hinweis, wir befänden uns nicht in der Nähe des Geschäfts, sondern laut GPS knapp 400 Meter entfernt, lehnt die App das Einchecken ab. Einen Kilometer weiter in der nächsten Filiale sind wir dann erfolgreich – 100 Punkte Bonus als Begrüßung – die gibt es nur beim allerersten Check-in. Die App zeigt dann im Display die Produkte, für deren Auffinden im Geschäft es die ersehnten Bonuspunkte gibt. In der besuchten Filia­le handelt es sich um vier Produkte, zwischen 20 und 50 Punkten gibt es zu holen. Beim Versuch, die Produktcodes zu scannen, sind wir nur in zwei Fällen erfolgreich – 40 Punkte, also weniger als ein Cent "verdient". Die Scans klappen in zwei Fällen nicht. Das kann es nicht wirklich sein – Frust statt Spaß.

Bisher müssen Kunden per Kamera und QR-Code in Filalen einchecken, iBeacons könnten das automatisieren.
Vergrößern Bisher müssen Kunden per Kamera und QR-Code in Filalen einchecken, iBeacons könnten das automatisieren.

Das kann iBeacons leisten

Das etwas nervige Prozedere der genannten Lösung würde der Einsatz von iBeacons und einer entsprechend programmierten App merklich entspannen – an solchen Konzepten arbeitet Yoints. Ist die betreffende App geöffnet und Sie betreten das Geschäft, werden Sie automatisch begrüßt. Der Beacon sendet seine ID an Ihr iPhone, die App "weiß", wo Sie sind, der Standort des kleinen Senders ist in der App verzeichnet. Die App kann Ihnen jetzt auf Wunsch Hinweise auf Produkte und den Weg zu ihnen geben. Stehen Sie vor dem Regal mit dem beworbenen Artikel, sorgt ein dort platzierter Beacon dafür, dass die App die Information bekommt und Ihnen etwa Bonuspunkte gutschreibt.

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