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Siemens kommt mit der Handy-Produktion nicht mehr nach

04.08.2000 | 00:00 Uhr |

Siemens will in die Spitzengruppe der drei
weltgrößten Handy-Anbieter vorstoßen und seine Fertigung kräftig
aufstocken. Die eigenen Kapazitäten reichten nicht mehr aus, erklärte
Rudi Lamprecht, Vorstandschef des Mobilfunkbereichs, am Donnerstag in
München. Deshalb habe Siemens an die in Singapur ansässige
Flextronics International einen Auftrag zur Fremdfertigung von rund
33 Millionen Mobiltelefonen bis Ende 2003 vergeben.

Man habe bereits in der Vergangenheit Teile der Computerproduktion
an Flextronics abgegeben und gute Erfahrungen gemacht, betonte
Lamprecht. Neben einer Erhöhung der Mobilfunk-Kapazitäten in den drei
deutschen Werken Kamp-Lintfort, Bocholt und Leipzig wolle man die
Forschung und Entwicklung an drei neuen Standorten im dänischen
Pandrup, in der chinesischen Hauptstadt Peking und in San Diego (USA)
forcieren. Derzeit peile man eine Auslagerung der Produktion von bis
zu 40 Prozent an, sagte Lamprecht.

Der Umsatz im Mobilfunkgeschäft stieg in den ersten neun Monaten
des Geschäftsjahres 1999/2000 (30. September) von 3,6 auf sechs
Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) kletterte
von 122 auf 720 Millionen Euro. Wegen der Bauteile-Knappheit werde
Siemens die erwarteten 30 Millionen Stück beim Handy-Absatz im
laufenden Jahr zwar nicht schaffen, bekräftigte Lamprecht. Siemens
bleibe aber beim Ziel, im kommenden Jahr den Handy-Absatz auf rund 60
Millionen Stück zu erhöhen: «Wie sind nach wie vor optimistisch und
nehmen von unseren Zahlen nichts zurück».

Allein in Asien mit Schwerpunkt China will der Siemensbereich
«Information and Communication Mobile» (ICM) in den nächsten drei
Jahren fast drei Milliarden DM in den Ausbau des Mobilfunkgeschäfts
investieren. Die Summe soll sich gleichmäßig auf die Bereiche
Entwicklung, Fertigung und Marketing verteilen. Auf dem Reich der
Mitte ruhten große Hoffnungen der Siemens-Tochter. Bereits in den
kommenden zwei Jahren wolle man dort «ein Viertel des gesamten ICM-
Umsatzes erzielen», sagte der Siemens-Mobile-Chef.

Für den Januar 2001 plane man auch den Start auf dem
amerikanischen Markt. Hinsichtlich der dortigen Investitionshöhe
hüllte sich Lamprecht in Schweigen, meinte aber, der Betrag falle
geringer aus als in China. Schließlich sei der «riesige asiatische
Markt mindestens so interessant wie der amerikanische». Dennoch plane
man in den USA in den nächsten zwei Jahren ein Verdreifachung des
ICM-Umsatzes auf rund 600 Millionen Euro (1,17 Mrd DM).
dpa

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