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Siemens will 6100 Stellen abbauen

26.04.2001 | 00:00 Uhr |

Der Siemens-Konzern reagiert mit einem weiteren
Stellenabbau auf die Flaute auf dem Telekommunikationsmarkt und den
Preisverfall bei Speicher-Chips. Unter Berücksichtigung des
Halbleiterkonzerns Infineon sei der Gewinn nach Steuern in den ersten
sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2000/2001 (30.9.) zwar um
neun Prozent auf 1,356 Milliarden Euro (2,65 Mrd DM) gestiegen, sagte
Siemens-Chef Heinrich von Pierer am Donnerstag in Budapest. Im
zweiten Quartal sei das Ergebnis jedoch um elf Prozent auf 578
Millionen Euro zurückgegangen. Siemens werde daher noch mehr Stellen
als ursprünglich geplant abbauen. Im Mobilfunkbereich und im
Arbeitsbereich Netzwerke sollen insgesamt 6100 Arbeitsplätze
wegfallen.

«Insgesamt haben wir die Marktturbulenzen gut überstanden», sagte
Pierer. Ohne Berücksichtigung der Infineon-Zahlen habe Siemens seine
Prognose eingehalten, beim Gewinn stärker als in der
Umsatzentwicklung zuzulegen. So habe nach dieser Rechnung das
Ergebnis nach Steuern im ersten Halbjahr um 17 Prozent auf 1,141
Milliarden Euro zulegen können, die Umsätze seien um 15 Prozent auf
38,3 Milliarden Euro gestiegen. Erfreulich hätten sich vor allem die
ehemals schwächelnden Bereiche Power Generation, Transportation und
Medical entwickelt. Eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr
wollte der Siemens-Chef nicht abgeben.

Der Preisverfall auf dem Mobiltelefonmarkt belastet das Ergebnis
des Bereichs Information and Communication Mobile (ICM). Zwar habe
sich die Zahl der verkauften Handys im Jahresvergleich deutlich
erhöht, nach einem guten ersten Quartal mit 9,3 Millionen verkauften
Stück sei das Volumen im zweiten Quartal jedoch rückläufig gewesen.
In diesem Zeitraum habe ICM einen Verlust von 143 Millionen Euro
eingefahren. Bei den Marktanteilen liege Siemens im internationalen
Vergleich mittlerweile jedoch vor dem angeschlagenen schwedischen
Konkurrenten Ericsson auf Platz drei.

Auch der Bereich Unternehmensnetzwerke (ICN) habe mit rückläufigen
Ertragszahlen zu kämpfen, sagte Pierer. Die Firmenkunden seien immer
weniger bereit, in den Aufbau ihrer internen Netzwerke zu
investieren. Das Ergebnis vor Zinsen, Ertragssteuern und
Goodwillabschreibungen in Höhe 50 Millionen Euro im zweiten Quartal
sei «nicht zufriedenstellend.» Der Siemens-Chef kündigte in diesem
Bereich den Abbau von weltweit 3500 Arbeitsplätzen bis Ende September
an, allein in Deutschland sollen rund 1400 Arbeitsplätze betroffen
sein. Bei IC Mobile sollen im selben Zeitraum 2600 befristete
Arbeitsverträge nicht verlängert werden, das entspricht knapp einem
Drittel aller Arbeitsplätze in diesem Bereich.

Mit Blick auf Infineon, an dem Siemens derzeit noch 71 Prozent
hält, sagte Pierer, der Konzern werde sich in Kürze von weiteren 15
Prozent seiner Anteile an dem Halbleiterunternehmen trennen. Im Laufe
des dritten Quartals sollen 94 Millionen Aktien an den nicht in der
Konzern-Bilanz aufgeführten Pensions-Fonds Siemens Pension Trust
übertragen werden.

Unter anderem wegen Infineon hatte Siemens kurz nach dem Start an
der New Yorker Börse Mitte März seine Gewinnerwartung für das
laufende Geschäftsjahr dämpfen müssen. Am Dienstag hatte der
Halbleiterkonzern einen Gewinneinbruch bekannt gegeben. Das Ergebnis
vor Steuern und Zinsen (EBIT) war auf Grund des schwachen Handy-
Marktes und des Preisverfalls bei Speicherchips von 253 auf 10
Millionen Euro eingebrochen.
dpa

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