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Siemens will Handy-Geschäft in 18 Monaten sanieren

04.08.2004 | 10:47 Uhr |

Die Siemens AG will ihr defizitäres Handy-Geschäft in maximal 18 Monaten saniert haben.

Dies erfolge in vielen Schritten, sagte der Bereichsvorstand der Mobilfunk-Sparte ICM des Siemens-Konzerns, Lothar Pauly, am Dienstagabend in München vor Journalisten. Im Handy-Geschäftsgebiet gebe es noch "etliche Baustellen". Kurzfristige Schritte seien beispielsweise die Einführung neuer Handy-Modelle. Siemens wolle kontinuierlicher sowie mehr Handys im hochpreisigen Segment auf den Markt bringen. Langfristig soll unter anderem die Software verbessert werden. Im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal (Ende Juni) hatte sich der Verlust im Geschäftsgebiet Mobile Phones im Jahresvergleich mehr als verdoppelt. Der weltweit viertgrößte Handy-Hersteller begründete dies mit dem Preiskampf in der Branche. Zudem erziele beispielsweise der Branchenprimus Nokia einen etwa 20 Prozent höheren durchschnittlichen Verkaufspreis seiner Mobiltelefone. Siemens steigerte zwar seinen Handy-Absatz, aber musste sinkende Durchschnitts-Verkaufspreise hinnehmen. Im laufenden Schlussquartal des Geschäftsjahres 2003/04 strebt die Handy-Sparte laut Konzernchef Heinrich von Pierer schwarze Zahlen an.

Siemens stand Pauly zufolge vor der Wahl, den von einigen Analysten kritisch betrachteten Geschäftsbereich zu schließen, zu verkaufen oder zu sanieren. Die Münchener entschlossen sich zur Sanierung. Pauly begründete die Entscheidung damit, dass Mobiltelefone "integraler Bestandteil" des neuen Bereichs Siemens Communications seien. Mit Beginn des neuen Geschäftsjahres 2004/05 Anfang Oktober wird der Industrie- und Technologiekonzern seinen Festnetz- und seinen Mobilfunk-Bereich verschmelzen. Pauly wird den neuen Bereich Siemens Communications leiten.
Der größte Konzern-Bereich Siemens Communications werde ein wichtiger Spieler auf dem weltweiten Telekom-Markt, sagte der designierte Bereichsvorstand. Siemens sei die Nummer Zwei unter den Telekom-Unternehmen. Die beiden zu fusionierenden Sparten ICM und ICN setzten im vergangenen Geschäftsjahr 17 Milliarden Euro um. Im laufenden Geschäftsjahr (Ende September) soll es mehr sein. Insgesamt arbeiten in den zwei Bereichen derzeit weltweit 60.000 Menschen. Pauly betonte, dass Siemens seine "Breite und Größe" in dem Bereich nun in Stärke umwandeln müsse. Als einziges Unternehmen biete der Münchener Konzern die "volle Breite" des Telekommunikations-Portfolios.
Hinter der Fusion steht für Siemens die Notwendigkeit, die Mobil- und die Festnetz-Telefonie zusammenzuführen. "Der Kunde darf nicht denken, in welchem Netz er gerade ist. Idealerweise tut dies das Endgerät für ihn." Auch für Telekom-Anbieter sei die Annäherung (Konvergenz) der beiden Telefonien interessant. Außerdem will sich Siemens Communications verstärkt auf Dienstleistungen konzentrieren. "Der Service ist bisher ein Mitläuferprodukt gewesen", sagte der Bereichsvorstand.

Der Zusammenlegung von ICN und ICM werden Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Nach Aussage von Pauly dürften es einige 100 Stellen sein. Dies betreffe vor allem Arbeitsplätze in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns, im Marketing oder im Personalbereich. In der Forschung & Entwicklung (F&E) will der Konzern nach Aussage des Siemens-Managers dagegen keine Stellen streichen, sondern zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Dies werde aber nicht in Deutschland geschehen, auch wenn der Heimatmarkt von Siemens derzeit der größte F&E-Standort sei, sondern in Ländern mit niedrigeren Löhnen.
Umstrukturierungskosten sollen bei der Zusammenführung von ICN und ICM nicht anfallen, sagte Pauly. In den vergangenen zwei Geschäftjahren sowie im aktuellen Fiskaljahr habe Siemens in den beiden Sparten die Kosten um etwa 7 Milliarden Euro gesenkt. Einen wichtigen Einsparbeitrag habe der Materialeinkauf geliefert. Aber auch die Einführung der 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich bei gleichzeitigem Wegfall von Weihnachts- und Urlaubsgeld an den Handy-Standorten Bocholt und Kamp-Linfort senke die Konzernkosten.

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