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SkypeOut ist in

15.09.2004 | 15:11 Uhr |

Die Mac-Version von der Skype ist offiziell noch eine Beta, aber dafür bereits ganz schön ausgereift. Mittlerweile funktionieren selbst Anrufe auf normale Telefone erstaunlich gut.

"Gibt es etwas Dringendes? Ich bin in Granada und das wird verdammt teuer für dich." Netter Rat zu Beginn des Gesprächs, aber so teuer wurde es dann doch nicht. Genau 26,9 Cent muss man für eine Verbindung von Deutschland in das spanische Mobilnetz selbst in der tiefsten Geschäftszeit zahlen. Der Anbieter heißt allerdings weder Arcor noch Telekom, sondern Skype.

Die für ihre kostenlose IP-Telefonie von Computer zu Computer bekannte Firma der Kazaa-Entwickler bietet auch einen günstigen Dienst an, der Anrufe ins internationale Fest- und Mobilnetz erlaubt. Vor allem Festnetz-Anrufe nach Westeuropa, Nordamerika und Australien sind bei der so genannten SkypeOut-Funktion mit zwei Cent pro Minute sogar günstiger als ein normales Ortsgespräch mit der Telekom.

Verbindung

Egal ob ins amerikanische Fest- oder spanische Mobilfunknetz - die Qualität war bei den Angerufenen so überzeugend, dass man während des Gesprächs nachfragen musste, ob sie denn nicht bemerken würden, dass sie von einem iMac angerufen werden. Dabei kam noch nicht einmal ein Headset, sondern lediglich das integrierte Micro und die Boxen zum Einsatz.

Beim Test funktionierte lediglich die Verbindung zu einem Anschluss nicht, der in ein universitäres Telefonnetz eingebunden war. Ansonsten unabhängig von der Festnetz oder mobil, Inland oder Ausland - SkypeOut der aktuellen Mac-OS Version 0.9.0.1 funktioniert.

Allerdings sollte man nicht auf die Idee kommen, gleichzeitig zu surfen. Modem- und ISDN-Anschlüsse sind bei der benötigten Datenrate sowieso schon am Limit, doch auch Netzwerkaktivitäten bei Breitbandzugängen bestraft die kostenlose Software mit Tonaussetzern.

Auch die Prozessorauslastung gerade bei langsameren Macs wie ein iBook mit 600 MHz oder ein Power Mac mit 400 MHz lässt einem manchmal zweifeln, ob man nicht doch gerade in Photoshop eine radiale Weichzeichnung am laufen hat. Auch hier quittiert Skype paralleles Arbeiten mit deutlichen Unterbrechungen, was allerdings nur zeitweilig den Ton, aber nicht die ganze Verbindung an sich betrifft. Die läuft für eine Beta-Software sogar verdächtig stabil.

Installation

Die Installation ist denkbar einfach. Das Diskimage wird von der Skype-Seite geladen. Safari öffnet es selbstständig und dann nur noch die Applikation in den Programmordner verschieben. Die Konfiguration gestaltet sich ebenfalls recht simpel: Online gehen, Programm starten, Benutzerdaten anlegen, fertig.

Nun ist Skype schon für den Anruf zu anderen Windows-, Linux- und Mac-Rechner gerüstet. Für SkypeOut bedarf es allerdings noch eines Guthabens, das abtelefoniert wird. Das kann beispielsweise über den Store der Entwickler-Webseite gekauft werden, wobei eine gängige Kreditkarte die Voraussetzung sind. Die Prepaid-Guthaben sind gestaffelt in 10, 25 und 50 Euro-Pakete. Nach Kauf müssen sie innerhalb eines halben Jahres vertelefoniert werden. Erfolgt bis zum Verfallsdatum ein Nachkauf, fängt die Zeitzählung auch für das bestehende Guthaben wieder von vorne an.

Tarife

Die günstigsten Tarife sind die Festnetzgespräche in die "Westliche Welt" mit zwei Cent pro Minute. Asiatische Industrieländer kosten zumeist zwischen drei und zwölf Cent. Bei afrikanischen Staaten geht es schnell in die Bereiche 20 bis 30 Cent und kleine Exoten wie die Cook Islands belasten das Konto sogar alle 60 Sekunden mit Preisen über einen Euro.

Für Anrufe ins deutsche Mobilfunknetz eignet sich Skype auch nur bedingt. Mit 28,8 Cent lohnt sich in vielen Fällen eher ein Anruf von Handy aus. Die Taktung ist ebenfalls nicht benutzerfreundlich, denn jede angebrochene Minute wird vollkommen berechnet. Dies sollte man gerade bei kürzeren Gesprächen bedenken.

Fazit

Von Computer zu Computer ist Skype wegen seiner einfachen, qualitativ guten und nicht zuletzt kostenlosen Telefonie zur Zeit nahezu unschlagbar. Beim integrierten Dienst SkypeOut muss man dann aber schon vorsichtiger sein Vor allem Anrufe ins "westliche" Ausland dürften derzeit kaum günstiger zu bekommen sein. Je exotischer jedoch das Ziel des Anrufs wird umso eher lohnt sich der Preisvergleich. Im Inland hingegen gibt es häufig preiswertere Alternativen durch Call-by-Call oder Handyanrufe ins Providernetz.

SkypeOut orientiert sich nur daran, wo es hingeht und nicht wo es her kommt. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass alle Telefonnummern - auch die deutschen - mit der Landesvorwahl gewählt werden müssen. Das ist zwar mühselig, aber wenn man sieht, dass 25-minütiges Telefongespräch mit einer Studienkollegin in den USA lediglich ein bronzenes 50-Cent-Stück gekostet hat, nimmt man das gerne in Kauf.

Skype-Webseite

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