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So erhalten Entwickler Apps am Leben

04.03.2015 | 10:19 Uhr |

Viele Apps werden nur sehr selten oder überhaupt nicht benutzt. Die Branche arbeitet daran, Smartphonenutzer besser zu verstehen und Appnutzer zu aktivieren

Es gibt weit über eine Million Apps im App Store, viele Unternehmen richten ihr Geschäftsmodell ganz auf eine App aus oder investieren viel Geld in eine App, die als Marketinginstrument dienen soll. Das erzeugt hohen Druck, der auf einer solchen App lastet. Selbst Apps, die den wichtigen Weg auf die iPhones vieler Nutzer gefunden haben, verlieren schnell an Schwung. Denn sie werden schlicht kaum mehr genutzt. Egal, ob ein Anbieter seine App über Werbung finanziert, darüber Waren verkauft oder ob er sie als Werbung für seine Produkte nutzt: dieser App-Tiefschlaf ist eine Katastrophe aus Sicht des Entwicklers. Keine Umsätze, keine Aufmerksamkeit.

Apps werden schnell ignoriert

Die meisten der Apps, die wir auf dem Smartphone installieren, öffnen wir ein, zwei Mal, dann lange nicht mehr – oft sogar nie mehr. Besonders bei Spiele-Apps ist dies deutlich: Nutzer, die ein Spiel nur wenige Tage nicht mehr nutzen, gelten bereits als fast verloren. Im App-Marketing nennt man diese Kenngröße „Retention“ – zu Deutsch: „erhalten bleiben“. Apps für soziale Dienste und Nachrichten haben laut App-Analysten hier noch die besten Statistiken, hier schauen Nutzer noch vergleichsweise häufig vorbei.

Die ersten Tage nach der App-Installation seien besonders wichtig, sagt uns Gerrit Rode vom App-Dienstleister 360 Dialog, den wir auf dem Mobile World Congress getroffen haben. „Man braucht einen Dialog ab dem ersten Nutzerkontakt.“ Das kann beispielsweise bedeuten, dem Nutzer mit dem ersten Start der App noch einmal anschaulich zu erklären, welche Vorteile ihm die App bietet. Auch eine Pushnachricht bereits am ersten Tag könne hilfreich sein, um den Nutzer ein wenig mehr zu binden.

Die zahlreichen Erinnerungen von Apps können penetrant werden.
Vergrößern Die zahlreichen Erinnerungen von Apps können penetrant werden.

 

360 Dialog achtet dabei laut eigener Aussage auf die gezielte Ansprache der Nutzer, indem sie sie in unterschiedliche Segmente einteilen, beispielsweise „Heavy User“, die die App häufig benutzen. Diese kann man laut Rodes Erfahrung beispielsweise häufiger mit passenden Angeboten ansprechen, auch auf die Bitte, die App im App Store zu bewerten, reagieren die Kernnutzer wesentlich besser als der Durchschnitt.

Kein Push, keine Interaktion

Ein wichtiges Mittel, um iOS-Apps am Leben zu erhalten, sind Push-Nachrichten. Die können dem Nutzer automatisch oder ferngesteuert Mitteilungen auf den Bildschirm bringen und so dafür sorgen, dass er die App öffnet, wenn er auf die Mitteilung klickt. Das hilft nichts, wenn der Nutzer Mitteilungen gar nicht erst erlaubt. Diese Erlaubnis des Nutzers, Push-Nachrichten erhalten zu wollen, ist für App-Anbieter enorm wichtig. Dennoch ist die Quote der Nutzer, die dies erlauben, oft sehr gering. Auch hier gibt es Maßnahmen, die helfen sollen, Apps länger lebendig zu halten. Nutzer, die Pushes erlauben, sind die deutlich aktiveren Anwender: „Nutzer mit einem Push-Opt-In zeigen um den Faktor zwei bis drei mehr Engagement als Nutzer ohne Opt-In“, erklärt Rode.

Eine Möglichkeit, die Nutzer zur Push-Erlaubnis zu bewegen, sei der richtige Kontext.

Fragt die App nicht nur schlicht beim ersten Start nach einer allgemeinen Erlaubnis, Nachrichten verschicken zu dürfen, sondern etwas geschickter, steigt die Quote der Opt-Ins. Beispiel: Die Anfrage kommt erst dann, wenn der Nutzer auf „Aktuelle Angebote“ in einer App klickt und der Dialog erklärt ihm, dass er die Angebote immer aktuell per Benachrichtigung erhalten könne .

 

 

 

 

 

 

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