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So funktioniert die Verkaufsförderung im iTunes Store

13.03.2007 | 17:45 Uhr |

Eine Handvoll Apple-Angestellter kann entscheiden, ob ein neues Album zum Chartstürmer wird - oder floppt.

Auch Apple hat es in der Hand, ob eine Neuerscheinung erfolgreich wird

Eine Handvoll Apple-Angestellter kann entscheiden, ob ein neues Album zum Chartstürmer wird -oder floppt. Seitdem sich der iTunes-Store in den Vereinigten Staaten zur Nummer 4 in der Hitlisteder Musikhändler findet, ist der Einfluss von Apple auf die Musikbranche immergrößer - und das gilt auch hierzulande. Wer entscheidet, ob ein Album prominent auf deriTunes Store-Hauptseite platziert wird uns welche Deals laufen hinter den Kulissen ab? Dazu hat dasWall Street Journal einige Antworten gefunden.

Geld spielt offenbar keine Rolle. Damit bricht Apple mit einem Gesetz im Business, nach dem gilt:Das Label zahlt gut, der Handel platziert gut. Umgerechnet fünf US-Dollar pro CD lassen sichdie großen Labels eine gute Platzierung im Regal oder auf Aktionsflächen inMedia-Märkten kosten, indem sie Sonderrabatte an den Handel gewähren oder Handelspartnerin Werbeaktionen einbinden, schreibt das Wall Street Journal am Wochenende. Schnell schmilzt so der mögliche Profitfür die Musikindustrie zusammen, aber zumindest können so die Verkaufszahlen inChart-trächtiger Höhe gehalten werden. Das Prinzip funktioniert auch im iTunes Store:Jeden Dienstag verändert sich das Schaufenster von Apples digitalem Medienmarkt, und wenn wiein dieser Woche die neue EP der Beatsteaks in den "Splashes" (am oberen Rand der Seite) und als"Brick" (unterhalb der Neuerscheiningen) ins Auge springt, dann ist das ein Garant für guteVerkäufe in der kommenden Woche.Jede iTunes-Dependance hat eine eigene Redaktion - und die Redakteure haben durchaus Einflussauf das Angebot und die Präsentation im Store. Ihnen sagt das Wall Street Journal einen Hangzu den Indies nach, also den unabhängigen Labels jenseits des Mainstreams. 15 Prozent dergekauften Musik bei iTunes komme nicht aus dem Katalog der großen Labels, soll Applegegenüber der Branche verlautet haben, in "echten" Plattenläden mache dieses Segment nurfünf Prozent aus. Allerdings verdient Apple mit den Indies auch mehr: Während die Majorsüblicherweise 72 US-Cent pro Titel kassieren, bekommen die unabhängigen Plattenfirmen 62Cent. Den Rest teilt sich Apple mit den Kreditkartenfirmen, die bei jeder Transaktion mitkassieren- und bezahlt damit das iTunes-Personal und laufende Kosten für die Server-Farm, wo dieInhalte gespeichert werden. An Gewinn bleibt wenig übrig, dafür verdient Apple gut an deniPods.Wer auf die Hauptseite des iTunes Stores will, der muss trotzdem etwas springen lassen:Bonus-Material etwa, das den Weg auf die normale CD nicht findet - oder Rabatte, die dann auchfür den Kunden das Album günstiger machen. So ist es geschehen mit dem Prince-Klassiker"Purple Rain" und drei weiteren LPs des Künstlers. Im US-Store waren die Alben zu je 7,99Dollar zu bekommen und waren prominent platziert, die Verkaufszahlen stiegen um das Fünffachean. Andere Künstler Gnarls Barkley oder die Shines fahren fast ein Drittel ihrerPlattenverkäufe zum Alben-Start über iTunes ein.Neben der Startseite ist der wöchentliche Newsletter einer der Verkaufsförderer - undoffenbar schätzen die Kunden laut dem Wall Streeet Journal die Empfehlungen von Apple alsglaubhaft ein. iTunes-Chef Eddi Cue zitiert die Zeitung mit den Worten, Kunden glauben, dass dieEmpfehlungen "von jemandem kommen, der die Musik wirklich mag - und eben nicht von Leuten, diedafür bezahlt worden sind, sie zu mögen".

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