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So könnte iTunes aussehen – einfach, sauber

20.10.2015 | 13:57 Uhr |

Jetzt auch noch mit Apple Music: iTunes auf dem Mac ist der reinste Wildwuchs. Studenten der Fachhochschule Potsdam haben Ideen.

iTunes auf dem Mac, das bedeutet: (fast) alles in einer App. Die im Jahr 2000 aus Soundjam hervorgegangene Software verwaltet Musik, Videos, Filme, TV-Sendungen und Apps für iPod, iPhone und iPad. Jetzt kommt auch noch Apple Music hinzu: Mit selbst gerippter Musik auf der Platte oder im iCloud-Speicher, gekaufter Musik und solcher aus der gemieteten Streaming-Bibliothek. Mit einem Wort: iTunes wird immer unübersichtlicher. Wer gehofft hatte, Apple würde das mit dem Update auf OS X 10.11 El Capitan und einer iTunes-Version 13 grundlegend ändern, sah sich diesen Sommer enttäuscht. Auf iOS-Geräten hat Apple die Trennung längst vollzogen, es gibt unterschiedliche Apps für den Einkauf von Apps oder Musik, Videos, Podcasts und Bücher behandeln iPhone und iPad auch noch getrennt davon. Auf dem Mac hat Apple aber bisher lediglich E-Books und den zugehörigen iBooks Store aus dem iTunes-Universum herausgenommen.

Eine Trennung tut Not, insbesondere in Zeiten, in denen die meisten Anwender ihre iOS-Geräte über iCloud synchronisieren und sie schon unabhängig von Mac und PC überhaupt erst einrichten - was seit iOS 5 und dem Jahr 2011 möglich ist . iTunes müsste also nicht mehr einerseits Medien verwalten und andererseits Geräte synchronisieren, einerseits Musik nach gewünschten Kriterien abspielen und andererseits als Store oder Streaming-Quelle dienen, die Aufgaben ließen sich bestens auf mehrere Apps verteilen.

Studenten der Universität Potsdam im Fach "Interface Design" haben sich Gedanken gemacht , wie die einzelnen Apps aussehen könnten, um ihre Spezialaufgaben (und nur diese) zu erledigen. Konkret lautete die vom Dekan Prof. Boris Müller angestoßene Aufgabe: "In letzter Zeit häufte sich die Kritik an Apples Software-Qualität. Wir wollen zu dieser Debatte konstruktive Kritik beisteuern, indem wir die mitgelieferten Apps und die Systemstandards von OS X Yosemite unter die Lupe nehmen und kompakte Gegenentwürfe zum Feature-Monster iTunes produzieren."

Herausgekommen sind teils erstaunliche Konzepte und Ideen, eine davon wird vor allem Freunden des Musikalbums gefallen. Denn die hypothetische App Albums spielt eben nur ganze Werke ab und nicht einzelne Songs in wilder Reihenfolge. Schöne Ideen gibt es auch zur Verwaltung von Geräten über den Mac-Desktop und die Synchronisation der auf iPhone und iPad gespeicherten Daten. Andere drehen sich um eine verbesserte Darstellung der immer noch in iTunes vorhandenen Internetradios oder der nach persönlichem Geschmack geordneten Filme. "Uns ist wichtig, dass die Studierenden ihr Handwerk beherrschen – also technisch realistische und zur jeweiligen Plattform passende Entwürfe gestalten. Deshalb liegt ein besonderes Augenmerk auf der Beachtung von Systemstandards," erklärt uns der Designer Frank Rausch, einer der beiden Dozenten der FH, die das Projekt steuerten. Besonderen Wert gelegt habe man darauf, dass die Studenten "möglichst viele vorhandene Muster und Bedienelemente wiederverwenden", damit sich die Oberfläche für die Nutzer vertraut anfühle. "Die besten App-Designer kennen die Konventionen des Betriebssystem in- und auswendig und brechen die Regeln nur selten und dann sehr bewusst," führt Rausch weiter aus.

Die meisten Designentwürfe gehen vom Anwendungsfall der Synchronisation von iOS-Geräten mit dem Mac aus und ignorieren iCloud beinahe vollständig. Auch ist aus ihnen nicht ersichtlich, wie sich Apple Music harmonisch einfügen könnte, doch das ist dem Projektzeitraum April bis Juli 2015 geschuldet. Apple hatte Apple Music auf der WWDC Anfang Juni vorgestellt und am 30. Juni in Betrieb genommen. "Würden wir den Kurs dieses Semester wieder geben, wären Apple Music und Beats 1 wichtige Themen," erklärt Rausch.

Wenn auch Fragen zum Kauf von Musik, Filmen und Apps in den Designs ein wenig offen bleiben, sind alle Entwürfe im Sinne der Aufgabenstellung mehr als gelungen. Apples Softwaregestalter könnten sich davon eine oder mehrere Scheiben abschneiden. Mit dem Mac-Hersteller habe man keinen Kontakt gesucht, hoffe aber, die Entwürfe seien interessant genug, dass sich bei Apple dafür jemand interessiere. Dem kann man sich nur anschließen.

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