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Viele Datenschutzlücken in Online-Netzwerken

26.03.2010 | 07:35 Uhr |

Online-Netzwerke wie Facebook oder MySpace gehennach einer Studie der Stiftung Warentest äußerst willkürlich mit Nutzerdaten um. Vor allem die großen amerikanischen Portalebeschränkten die Rechte der Verbraucher zum Teil massiv. Sich selbsträumten die Anbieter dagegen bei der Weitergabe privater Daten an Dritte weitgehende Befugnisse ein, heißt es in der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie für die April-Ausgabe der Zeitschrift test.

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© Facebook

Die Stiftung forderte einen besseren Vollzug desDatenschutzes.
Alle geprüften Netzwerke seien beim Schutz persönlicherInformationen lückenhaft, bei acht von zehn Anbietern gebe es«deutliche» oder «erhebliche Mängel». Wer etwa eigene Texte undBilder in Facebook stelle, verzichte automatisch auf das geistigeEigentum am eigenen Werk. Allein bei den Nutzungsbedingungen fürMySpace hat die Stiftung 20 unwirksame Klauseln gefunden, nach denensich das Portal «auf geradezu unverschämte Art» der Nutzerdaten, etwafür Werbung, bedienen dürfe. Für die Studie stellten sich Facebook und Myspace sowie dieberuflichen Netze LinkedIn und Xing quer: Sie verweigerten derStiftung einen kontrollierten Hacker-Eingriff, um die Datensicherheitder Portale zu prüfen. Dies führte zu einer Abwertung wegen fehlenderTransparenz.
Aber auch die tatsächlich getesteten Netze schnitten schlecht ab:Jappy, wer-kennt-wen.de, und Stayfriends wurden bei derDatensicherheit mit «mangelhaft» benotet, schülerVZ, studiVZ und dieLokalisten schnitten mit «ausreichend» ab.
Bemängelt wurde unter anderem, dass beim Einloggen über HandyNutzername und Passwort unverschlüsselt übertragen werden. EinigeServer ließen Login-Versuche ohne Begrenzung zu. Damit sei esmöglich, innerhalb weniger Tage jedes Benutzerkonto zu übernehmen.
Als positive Beispiele nennt die Stiftung studiVZ und schülerVZ.In den beiden Online-Freundeskreisen hätten die VerbraucherEinflussmöglichkeiten auf die Verwendung persönlicher Informationen,die Portale würden die Daten kaum an andere weitergeben. Allerdingslassen neun von zehn der geprüften Anbieter als Standard-EinstellungOnline-Werbung auf Grundlage des eigenen Surf-Verhaltens zu.
Wer seine persönlichen Daten etwa bei Facebook vor Unbekanntenschützen wolle, müsse umständlich die Einstellungen suchen undändern. Seit Dezember 2009 seien die Einstellungen bei Facebook sogeändert worden, dass viele Profildaten wie Name, Nutzerfoto undMitgliedschaft in Gruppen für jeden Nutzer einsehbar seien. Die Stiftung empfiehlt, äußerst sorgsam mit persönlichen Datenumzugehen. Nutzer sollten sich genau überlegen, welche Informationenfür die Öffentlichkeit bestimmt sind. Berufliches und Privates solltein den Internet-Treffpunkten getrennt werden. Einzelheiten etwa überdie Party vom Wochenende könnte am Montag dem Personalchef «etwasmerkwürdig» vorkommen, sagte «test»-Chefredakteur Hubertus Primus.

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