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Söhne der HP-Gründer gegen Fusion mit Compaq

07.11.2001 | 00:00 Uhr |

Der geplante Zusammenschluss des zweitgrößten US-Computerkonzerns Hewlett-Packard mit Compaq Computer stößt in den Familien der Konzerngründer auf immer größeren Widerstand. Die Familie des im Januar verstorbenen HP-Mitgründers William R. Hewlett will gegen die Fusion stimmen. Dies hat Walter Hewlett, der Sohn des Firmenmitgründers, am Dienstag angekündigt. Auch David Packard, Sohn des 1996 gestorbenen HP-Mitgründers David Packard, lehnt den Zusammenschluss nach einem Bericht des "Wall Street Journal" (Onlineausgabe) vom Mittwoch ab.

Damit hat sich die Opposition gegen die in der Wall Street mit großer Skepsis betrachtete Transaktion noch erheblich verschärft. Walter Hewlett sitzt im Aufsichtsrat von Hewlett-Packard. Er und seine Familie sowie ein Familien-Treuhandfonds kontrollieren mehr als 100 Millionen Hewlett-Packard-Aktien oder rund fünf Prozent der Aktien des Computerriesen.

David Packard sagte, er selbst und die Stiftung Packard Humanities Institute würden gegen den Zusammenschluss stimmen. Er könne aber nicht für seine Schwester und die David und Lucile Packard Stiftung sprechen. Die Packard-Familie und die Familienstiftung kontrollieren mehr als zehn Prozent der Hewlett-Packard-Aktien. George Vera, der Finanzchef der Stiftung, gab zu verstehen, dass die Stiftung noch nicht entschieden habe, wie sie abstimmen werde. Sie untersuche die Transaktion noch.

Hewlett-Packard will aber trotz der Opposition aus den Gründerfamilien an dem geplanten Zusammenschluss mit Compaq festhalten und erwartet die Zustimmung der Aktionäre. Die Verwaltungsräte von HP und Compaq stünden voll hinter der Fusion. «Wir bedauern die Entscheidung der Hewlett-Familie sehr, doch sind wir nicht überrascht», erklärte die Gesellschaft.

HP und Compaq wollten im Rahmen eines Aktientauschs im Wert von rund 25 Milliarden Dollar fusionieren. Der Transaktionswert ist wegen der stark gefallenen Aktienkurse inzwischen auf 21,5 Milliarden Dollar (46,5 Mrd DM/23,8 Mrd Euro) geschrumpft. Die Aktionäre und die Aufsichtsbehörden müssen erst zustimmen. Hewlett-Packard könne als eigenständiges Unternehmen größere Werte für die Aktionäre schaffen als gemeinsam mit Compaq, erklärte Hewlett. Er verwies darauf, dass eine Compaq-Übernahme das unattraktive PC-Geschäft verstärken würde, das weder wachse noch profitabel sei. Seit der Fusionsankündigung hätten sich Aussichten für das Compaq-Geschäft dramatisch verschlechtert. Deshalb seien Vorteile für Hewlett-Packard noch unwahrscheinlicher geworden.

Die Hewlett-Packard-Aktien schossen am Dienstag um 17,29 Prozent auf 19,81 Dollar in die Höhe, während der Compaq-Aktienkurs um 5,45 Prozent auf 8,50 Dollar absackte.

Hewlett-Packard war von William Hewlett und David Packard 1938 für 538 Dollar in einer Garage in Kalifornien gegründet worden. Die Gesellschaft hatte sich nach IBM zum zweitgrößten US-Computerkonzern mit einem großen Druckergeschäft entwickelt. dpa

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